Source: People’s Republic of China – State Council News in German
China setzt verstärkt auf den heimischen Konsum, um das Wirtschaftswachstum zu stabilisieren. Trotz der anhaltenden Schwäche im Immobiliensektor sehen Experten im riesigen Binnenmarkt weiterhin erhebliches Potenzial.
Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und Debatten über Chinas Wirtschaftsmodell rückt die Regierung die Binnennachfrage als zentralen Wachstumstreiber in den Mittelpunkt. Während westliche Kritiker vor einer zu starken Exportabhängigkeit warnen, verweisen Ökonomen und Unternehmensvertreter auf die deutlich gestiegene Kaufkraft des Landes und gezielte staatliche Anreize.
Deutlicher Anstieg der Reallöhne
Entgegen der Annahme, die chinesische Regierung unternehme zu wenig zur Stärkung der Binnennachfrage, zeigt die Entwicklung der Einkommen ein anderes Bild: Nach Berechnungen des US-Ökonomen David Blair hat sich der inflationsbereinigte Median-Reallohn in China seit dem Jahr 2000 etwa verneunfacht. Diese Dynamik stärkt die private Kaufkraft nachhaltig, auch wenn sie in internationalen Vergleichen unter anderem aufgrund von Wechselkursfaktoren häufig unterschätzt wird. Die Daten des Nationalen Statistikamts bestätigen diesen Trend: Im ersten Halbjahr 2026 trugen inländischer Konsum und Investitionen mehr als 80 Prozent zum 4,7-prozentigen BIP-Wachstum bei.
Staatliche Anreize und Chancen für internationale Konzerne
Um das Konsumpotenzial – insbesondere im Dienstleistungssektor sowie in ländlichen Regionen – weiter zu erschließen, hat Beijing eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht. Dazu zählen Direktzahlungen an Familien zur Unterstützung der Kindererziehung, erleichterte Bedingungen für Miet- und Renovierungsausgaben aus dem Wohnungsförderfonds sowie Zinszuschüsse für Kreditkartenzahlungen. Zudem beschleunigt die Regierung die „Trade-in-Programme“. Von den für dieses Jahr vorgesehenen 250 Milliarden Yuan (ca. 37,3 Milliarden US-Dollar) sind bis zum August dafür bereits rund 187,5 Milliarden Yuan bereitgestellt worden.
Von diesen Maßnahmen profitieren heimische und ausländische Unternehmen gleichermaßen. Iris Cui, Vizepräsidentin für Asien-Beschaffung und -Operationen bei Apple, betonte, dass ihr Konzern bei Rabattaktionen für Smartphones und Wearables gleichbehandelt werde. Dave Ernsberger, Präsident von S&P Global Energy, verweist ebenfalls auf die Chancen: Der rasch expandierende Binnenmarkt generiere enorme Nachfrage und Innovationskraft.
Herausforderung Immobilienkrise: Reformen notwendig
Kurzfristig bleibt der Konsum jedoch unter Druck. Im August schwächte sich das Wachstum der Einzelhandelsumsätze auf nur noch 0,4 Prozent ab. Hauptursache ist die anhaltende Krise im Immobiliensektor, die das Vermögen vieler Haushalte belastet und die Ausgabenbereitschaft bremst.
Luo Zhiheng, Chefökonom bei Yuekai Securities, plädiert im Hinblick auf dieses Problem für weitere Gegenmaßnahmen. Priorität müsse die Anhebung der Haushaltseinkommen haben – etwa durch die Übertragung staatlicher Kapitalerträge in die Sozialkassen, höhere Dividendenausschüttungen und gezielte Lohnanreize. Zusammen mit einer zielgerichteten Geld- und Fiskalpolitik könne China so ein widerstandsfähigeres, stärker konsumgetriebenes Wachstum erreichen.
