Source: Deutsche Nachrichten
Nach dem Spülen oder Reinigen von Getränkeflaschen bleibt auf den Oberflächen häufig Restwasser zurück. Tropfen sammeln sich besonders an Flaschenhals, Schulter, Bodenring und konstruktiven Vertiefungen. Gelangen feuchte Gebinde unmittelbar in nachfolgende Prozessschritte, können Etikettierung, optische Kontrolle, Kennzeichnung und Verpackung beeinträchtigt werden.
Eine luftgestützte Trocknungsstation kann das Restwasser gezielt von den Flaschenoberflächen entfernen. Seitenkanalverdichter stellen dafür einen kontinuierlichen Luftstrom bereit, der über Rohrleitungen, Verteiler und passend angeordnete Luftmesser oder Düsen auf die Gebinde geführt wird.
Gerichtete Luftstrahlen lösen Wasser von der Oberfläche
Eine typische Trocknungsstrecke beginnt mit einer kurzen Abtropfzone. Dort kann frei anhaftendes Wasser zunächst durch Schwerkraft ablaufen. Anschließend passieren die Flaschen eine oder mehrere Abblasstationen.
Die Luftmesser werden so ausgerichtet, dass der Luftstrom die Tropfen nicht nur verteilt, sondern von der Oberfläche wegführt. Je nach Flaschenform kann eine Kombination aus seitlichen, oberen und schräg angeordneten Luftstrahlen erforderlich sein. Besonders zu berücksichtigen sind:
– Flaschenhals und Verschlussbereich,
– Schulter und Mantelfläche,
– Bodenring und Standfläche,
– Griffmulden oder strukturierte Oberflächen,
– Übergänge zwischen Etikettier- und Sichtflächen.
Die Düsenanordnung muss an Flaschengeometrie, Bandführung und Bewegungsrichtung angepasst werden. Eine für glatte Glasflaschen geeignete Einstellung kann bei konturierten PET-Gebinden oder Dosen zu einem anderen Ergebnis führen.
Seitenkanalverdichter liefern kontinuierliche Prozessluft
Seitenkanalverdichter fördern Umgebungsluft und erzeugen einen gleichmäßigen, weitgehend pulsationsarmen Luftstrom. Dadurch lassen sich mehrere Luftmesser oder Düsen kontinuierlich versorgen.
Die Maschine wird nicht allein nach einem theoretischen Maximalwert ausgewählt. Maßgebend ist der tatsächliche Betriebspunkt aus benötigtem Luftvolumenstrom und dem Widerstand der vollständigen Luftstrecke. Dazu gehören unter anderem:
– Ansaugfilter und Schalldämpfer,
– Rohrleitungen und Schläuche,
– Bögen, Verteiler und Armaturen,
– Anzahl und Querschnitt der Luftmesser,
– Düsenabstand und Düsengeometrie,
– gegebenenfalls Regel- oder Absperreinrichtungen.
Der maximale Volumenstrom und der maximale Überdruck eines Seitenkanalverdichters stehen nicht gleichzeitig zur Verfügung. Die Auswahl muss deshalb anhand der Kennlinie am vorgesehenen Betriebspunkt erfolgen.
Bandgeschwindigkeit und Produktabstand bestimmen die Einwirkzeit
Je schneller die Abfülllinie läuft, desto kürzer ist die Zeit, in der ein einzelnes Gebinde vom Luftstrom erfasst wird. Für die Auslegung sind deshalb neben der vorhandenen Feuchtigkeitsmenge auch Bandgeschwindigkeit, Flaschenabstand und Länge der Trocknungszone relevant.
Bei wechselnden Flaschenformaten sollte geprüft werden, ob Luftmesser und Führungen verstellbar ausgeführt werden müssen. Eine definierte Positionierung verhindert, dass der Luftstrahl an den relevanten Flächen vorbeigeführt wird.
Auch die Wasserableitung gehört zum Gesamtkonzept. Abgeblasene Tropfen müssen aus der Station abgeführt werden, damit sie nicht erneut auf bereits behandelte Gebinde oder in nachfolgende Anlagenteile gelangen.
Ansaugluft und hygienische Anforderungen getrennt bewerten
Die Verdichtung im Seitenkanalverdichter erfolgt ohne Öl im Verdichtungsraum. Die Qualität der eingeblasenen Luft hängt jedoch zusätzlich von Ansaugort, Umgebungsbedingungen, Filtration, Rohrleitung und Wartungszustand ab.
Aus dem ölfreien Verdichtungsprinzip ergibt sich deshalb nicht automatisch eine bestimmte Reinheits- oder Hygieneklasse. Der Betreiber beziehungsweise Anlagenplaner muss festlegen, welche Luftqualität für den konkreten Prozess erforderlich ist und welche Filter-, Reinigungs- oder Überwachungsmaßnahmen dafür notwendig sind.
Ansaugöffnungen sollten so angeordnet werden, dass möglichst wenig Feuchtigkeit, Reinigungsnebel, Staub oder warme Abluft erfasst wird. Filter müssen zugänglich sein und entsprechend den tatsächlichen Betriebsbedingungen kontrolliert werden.
Energiebedarf durch passende Auslegung begrenzen
Eine wirkungsvolle Trocknung entsteht nicht durch möglichst hohen Druck allein. Entscheidend ist, dass Luftmenge, Strömungsgeschwindigkeit, Düsenposition und Einwirkzeit zusammenpassen.
Kurze und ausreichend dimensionierte Leitungen reduzieren unnötige Druckverluste. Große Abstände zwischen Luftmesser und Produkt sollten vermieden werden, weil sich der Luftstrahl aufweitet und an Wirkung verliert. Ebenso können ungünstige Verteiler oder zu kleine Leitungsquerschnitte den benötigten Anlagendruck erhöhen.
Bei wechselnder Auslastung kann eine bedarfsgerechte Steuerung sinnvoll sein. Ob und in welchem Bereich eine Drehzahlregelung zulässig ist, muss anhand der Herstellerangaben, des Motorkonzepts und der erforderlichen Kühlung geprüft werden.
Technische Vorauswahl für die konkrete Trocknungsstrecke
Für die Auswahl eines Seitenkanalverdichters benötigt SKVTechnik möglichst vollständige Angaben zum Prozess. Dazu gehören:
– Art, Größe und Material der Flaschen,
– Anzahl der parallel geführten Gebinde,
– Bandgeschwindigkeit und Produktabstand,
– gewünschter Trocknungsgrad,
– Anzahl und technische Daten der Luftmesser,
– Rohrleitungsverlauf und vorhandene Armaturen,
– Umgebungs- und Reinigungsbedingungen,
– tägliche Betriebsdauer,
– verfügbare elektrische Versorgung.
Auf dieser Grundlage lässt sich der erforderliche Betriebspunkt eingrenzen und mit geeigneten Kennlinien vergleichen. Gleichzeitig kann geprüft werden, ob Schallschutz, zusätzliche Filtration oder eine regelbare Ausführung berücksichtigt werden sollten.
Seitenkanalverdichter können damit einen wichtigen Beitrag zu stabilen Trocknungsprozessen in Abfüll- und Verpackungslinien leisten. Die zuverlässige Funktion entsteht jedoch erst aus dem abgestimmten Zusammenspiel von Maschine, Luftführung, Düsenanordnung, Wasserableitung und Prozesssteuerung.
Weitere Informationen und technische Beratung:
https://www.skvtechnik.de/
Technische Angaben sind anwendungsbezogen zu prüfen. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Herstellerunterlagen und die konkrete Auslegung der Gesamtanlage.
