Source: Deutsche Nachrichten
Pneumatische Förderanlagen müssen je nach Prozessphase unterschiedliche Aufgaben erfüllen: Material oder Prozessluft ansaugen, einen Arbeitsanschluss drucklos beziehungsweise ohne aktive Förderwirkung halten und anschließend mit Überdruck fördern, ausblasen oder eine Leitung unterstützen. Stromumkehrventile ermöglichen diesen Wechsel der Betriebszustände, ohne die elektrische Drehrichtung des Seitenkanalverdichters zu verändern.
Das Ventil wird zwischen Seitenkanalverdichter und Prozessanschluss eingesetzt. Durch die interne Umschaltung werden Saug- und Druckseite so geführt, dass am Arbeitsanschluss wahlweise Vakuum oder Überdruck zur Verfügung steht. Motor und Laufrad des Verdichters laufen dabei kontinuierlich in derselben Drehrichtung. Das vermeidet eine elektrische Drehrichtungsumkehr und ermöglicht klar definierte, wiederholbare Schaltfolgen in automatisierten Anlagen.
Drei Betriebszustände sind für viele Förderprozesse besonders relevant:
• Saugbetrieb: Am Arbeitsanschluss entsteht Unterdruck. Damit lassen sich Luft, leichte Schüttgüter oder Prozessmedien über eine angeschlossene Förderstrecke ansaugen.
• Neutralstellung: Die Luft wird innerhalb des Ventils umgeführt. Am Arbeitsanschluss liegt keine aktive Saug- oder Druckwirkung an. Diese Stellung eignet sich als definierter Zwischenzustand, etwa beim Wechsel einer Prozessphase.
• Druckbetrieb: Der Arbeitsanschluss wird mit der Druckseite verbunden. Der Luftstrom kann zum Austragen, Ausblasen, Belüften oder Unterstützen eines Fördervorgangs genutzt werden.
Für die Anlagenplanung ist eine wichtige Abgrenzung erforderlich: Das Stromumkehrventil schaltet den Betriebszustand des Seitenkanalverdichters, es wählt jedoch nicht selbstständig zwischen mehreren voneinander unabhängigen Förderleitungen. Soll das Fördergut über verschiedene Leitungswege geführt werden, werden zusätzlich geeignete Wege- oder Verteilerarmaturen benötigt. Die Steuerung koordiniert dann Stromumkehrventil und Leitungsverteiler in einer sicheren Reihenfolge. So lassen sich Luftweg und Zielstrecke gezielt aufeinander abstimmen.
Die Auslegung darf sich nicht allein an Nennweiten orientieren. Entscheidend sind der tatsächliche Betriebspunkt des Seitenkanalverdichters, der erforderliche Volumenstrom, Druck beziehungsweise Vakuum, Druckverluste in Rohrleitungen, Filtern und Abscheidern sowie die Eigenschaften des Förderguts. Auch Leitungslängen, Querschnitte, Bögen, Schaltzeiten und die zulässige Belastung des Förderguts beeinflussen das Ergebnis. Bei häufigen Umschaltungen sind außerdem Schalthäufigkeit, Stellzeit und die thermische Belastung des Gesamtsystems zu berücksichtigen.
Aktuelle elektrisch betätigte Ausführungen können beispielsweise mit 24-V-Gleichspannung und Schrittmotor angesteuert werden. Je nach Bauform ist eine direkte Montage am Verdichter oder eine Einbindung in die Rohrleitung möglich. Die konkrete Ausführung muss zu Anschlussgeometrie, Einbaulage, Steuerung und Umgebungsbedingungen passen. Vor dem Umschalten sollte die Anlagensteuerung prüfen, ob der jeweilige Prozesszustand sicher verlassen werden kann. Rückmeldungen der Ventilstellung und klar definierte Freigaben erhöhen dabei die Prozesssicherheit.
Für eine technische Vorauswahl benötigt SKVTechnik insbesondere folgende Angaben: Hersteller und Typ des Seitenkanalverdichters, Volumenstrom, Druck- und Vakuumbereich, gewünschte Schaltstellungen, Anschlussmaße, Versorgungsspannung, Ansteuerung, Schalthäufigkeit, Fördermedium beziehungsweise Luftqualität, Temperaturen, Einbaulage und vorhandene Rohrleitungsführung. Erst aus diesen Daten lässt sich beurteilen, welche Ventilgröße und Einbauvariante geeignet ist.
Stromumkehrventile sind für Luftanwendungen und die jeweils freigegebenen Betriebsbedingungen auszuwählen. Einsatzgrenzen, Temperaturbereiche, zulässige Medien sowie Anforderungen an explosionsgefährdete Bereiche müssen anhand der technischen Dokumentation geprüft werden. Für Schutz- und Entlastungsfunktionen sind gegebenenfalls weitere Komponenten erforderlich. Die Verantwortung für die sichere Gesamtanlage bleibt bei Planer und Betreiber.
Weitere Informationen zur Anwendung:
https://www.skvtechnik.de/umkehrventile/stromumkehrventile-fuer-leitungswechsel-in-foerderanlagen/
Übersicht Stromumkehrventile:
https://www.skvtechnik.de/umkehrventile/
