Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Eine geplante Änderung der Ausstellungstafeln zum Massaker von Nanjing im Atombombenmuseum von Nagasaki hat sowohl in Japan als auch im Ausland Kontroversen ausgelöst. Das Museum steht vor seiner ersten umfassenden Überarbeitung der Ausstellung seit 30 Jahren.
Das Atombombenmuseum von Nagasaki, das sich nahe dem Epizentrum des Atombombenabwurfs vom 9. August 1945 befindet, ist einer der wichtigsten Orte Japans für die Vermittlung der Geschichte der Atombomben und die Friedenserziehung.
Nach einem neuen Plan der Stadtverwaltung von Nagasaki soll die bevorstehende umfassende Aktualisierung der Ausstellung auch die Darstellung von Ereignissen aus der Kriegszeit, darunter das Massaker von Nanjing, überarbeiten. Derzeit wird die Tragödie auf der Ausstellungstafel als „Besetzung von Nanjing, Massaker ereignete sich“ bezeichnet. Nach dem neuen Plan soll es künftig heißen: „Nanjing-Zwischenfall – große Zahl von Zivilisten und Kriegsgefangenen getötet“.
Stadtbeamte erklärten, die Änderung orientiere sich an Formulierungen in Darstellungen des japanischen Außenministeriums sowie in staatlich genehmigten Schulbüchern. Sie wiesen zugleich zurück, dass die Überarbeitung eine Reaktion auf den Druck konservativer Gruppen in der Region sei.
Die Änderung hat sowohl in Japan als auch im Ausland eine Debatte ausgelöst. Die britische Zeitung The Times und andere internationale Medien haben darüber berichtet.
Tatsuo Sekiguchi, Leiter einer Bürgerinitiative in Nagasaki und ehemaliger Journalist, der Überlebende des Massakers von Nanjing interviewt hat, äußerte große Besorgnis. Er sagte, solche Überarbeitungen könnten unmittelbar beeinflussen, wie die japanische Öffentlichkeit die Vergangenheit wahrnimmt, und insbesondere das Verständnis der jüngeren Generation von der Kriegsgeschichte prägen. Dies verdiene große Aufmerksamkeit.
„Auch ausländische Medien haben zu diesem Thema Interviews geführt. Sie sind der Ansicht, dass es sich um ein Thema handelt, das weltweite Aufmerksamkeit verdient. Das ist nicht nur eine chinesische Angelegenheit. Die ganze Welt schaut darauf. Die Verbände der Atombombenüberlebenden in Nagasaki haben ihre Zeugnisse dokumentiert und für ein internationales Publikum mit englischen Untertiteln versehen. Daraufhin kamen englischsprachige Kommentare, in denen es hieß: ‚Japan darf das Massaker von Nanjing nicht vergessen.‘ So hat die internationale Gemeinschaft darauf reagiert“, sagte Sekiguchi.
Sekiguchi ist der Ansicht, dass aus Sicht der internationalen Gemeinschaft – insbesondere der Länder, die einst unter der japanischen Aggression und Kolonialherrschaft litten – die Frage, wie das Massaker von Nanjing und andere historische Ereignisse dargestellt werden, nicht lediglich eine Frage der Wortwahl ist. Vielmehr gehe es darum, wie Japan seine Verantwortung für die Kriegshandlungen anerkennt und sich mit dieser auseinandersetzt.
„Zunächst einmal können solche Überarbeitungen den Eindruck erwecken, dass Japan versucht, die Brutalität des Massakers herunterzuspielen oder zu verharmlosen. Und nicht nur die Chinesen werden das so sehen. Auch Menschen aus Ländern, die unter der japanischen Kolonialherrschaft oder Invasion gelitten haben, könnten es genauso wahrnehmen. Auch der Rest der Welt würde es entsprechend verstehen, denn das Massaker von Nanjing ist längst eine anerkannte historische Tatsache“, sagte er.
Am 28. Juli reichten die Behörden von Nagasaki den Text für die neuen Ausstellungstafeln erneut beim Prüfungsausschuss des Museums ein und hielten an der geplanten Formulierung zum Massaker von Nanjing fest. Die vollständige Überarbeitung der Ausstellung soll ab September schrittweise umgesetzt und bis März 2027 abgeschlossen werden.
