Source: People’s Republic of China – State Council News in German
In den kommenden Jahren will China seine Position als eines der attraktivsten Ziele für internationale Fachkräfte deutlich ausbauen. Durch gezielte Investitionen in Spitzenforschung, eine weitere Öffnung des Hochschulsektors und die Förderung strategischer Partnerschaften soll das Land für Studierende aus aller Welt attraktiver werden.
Der 15. Fünfjahresplan Chinas (2026–2030) räumt der hochwertigen Öffnung des Bildungssektors und der Stärkung der Marke „Studieren in China“ höchste Priorität ein. Führende Vertreter aus diesem Sektor sind zuversichtlich, dass China auf dem besten Weg ist, eines der weltweit begehrtesten Ziele für internationale Studierende zu werden. „Wir sind von diesem Ziel überzeugt und werden uns auch künftig dafür einsetzen, es zu erreichen“, bekräftigte Wang Daquan, Leiter des Servicezentrums für wissenschaftlichen Austausch beim Bildungsministerium.
Steigende Attraktivität und wachsende Vielfalt
Die Daten der vergangenen drei Jahre belegen einen stetigen Aufwärtstrend: Die Zahl der Bewerber für Studienplätze an chinesischen Hochschulen steigt kontinuierlich, ihre Herkunftsländer werden vielfältiger und der Anteil der Selbstfinanzierer steigt. Besonders stark ist das Interesse an vollwertigen Studienabschlüssen; Einschreibungen für Bachelor-, Master- und Promotionsstudiengänge nehmen deutlich zu.
Wang führt diesen Trend auf mehrere Faktoren zurück. So gelten die Studiengebühren in China im internationalen Vergleich als moderat, während sich die politischen Rahmenbedingungen und die Sicherheitslage als stabil erwiesen und die Wirtschaft dynamisch wächst. Hinzu kommt die globale Expansion chinesischer Unternehmen und die Seidenstraßeninitiative, die den Absolventen attraktive Karrierechancen eröffnen – sowohl in ihren Heimatländern als auch auf der ganzen Welt.
Im akademischen Jahr 2024/25 studierten bereits 380.000 junge Menschen aus 191 Ländern und Regionen in China. Die mit 61,1 Prozent größte Gruppe stellen Studierende aus Asien, gefolgt von Studierenden aus Afrika (16,2 Prozent) und Europa (15,6 Prozent). Von den 205.000 Studierenden, die einen Abschluss anstreben, entfallen 35 Prozent auf den Postgraduiertenbereich. Mit einem Anteil von 27,8 Prozent steht das Ingenieurwesen unangefochten an der Spitze der Beliebtheitsskala.
Die Beijing International Studies University (BISU) steht exemplarisch für ein schnelles Wachstum. Nach Angaben von Vizepräsident Zheng Chengjun ist die Zahl der ausländischen Studierenden an seiner Hochschule bis März 2026 auf 1.024 gestiegen – ein Plus von 70,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark legten die teilnehmenden Länder der Seidenstraßeninitiative sowie die RCEP-Mitgliedstaaten (Regional Comprehensive Economic Partnership) zu. An der Spitze der Herkunftsländer stehen Saudi-Arabien (177 Studierende), Marokko (100) und Russland (54), gefolgt von Kasachstan und Vietnam.
Bildung als Antwort auf globale Unsicherheit
Zheng sieht in den internationalen Studierenden ein entscheidendes Bindeglied für den Handel, den Tourismus und die zwischenstaatlichen Beziehungen. Durch kulturelle Festivals und modernisierte Campus-Einrichtungen schafft die Universität ein Umfeld, in dem sich junge Menschen aus dem Ausland gut integrieren können.
Auch Zhao Zhongxiu, der Präsident der Universität für Internationale Wirtschaft und Handel (UIBE), unterstreicht die Bedeutung der Bildungszusammenarbeit als Antwort auf die globale Unsicherheit. Mit über 70 Jahren Erfahrung in der internationalen Ausbildung hat die UIBE bereits mehr als 10.000 Studierende aus über 170 Ländern ausgebildet. Ökonomisch gesehen fördern internationale Absolventen den bilateralen Handel, unterstützen Chinas Direktinvestitionen im Ausland und tragen zum Aufbau von Humankapital in ihren Heimatländern bei. Im Bereich Wissenschaft und Technik fungiert die Bildungskooperation laut Zhao als Motor für den globalen Wissensaustausch und gemeinsame Innovation.
Botschafter für das „wahre China“
Zhang Hao, Professor der Beijing Language and Culture University, verweist auf die Bedeutung der Kommunikation: Studierende seien nach ihrer Rückkehr glaubwürdige Botschafter, wenn es darum geht, ein realistisches Bild von China zu zeichnen. Um die Attraktivität weiter zu steigern, müssten Chinas Hochschulen jedoch verstärkt Spitzenplätze in globalen Rankings anstreben und Vorzeigeprogramme in Schlüsseltechnologien wie Hochgeschwindigkeitszügen, Elektromobilität und neuen Energien entwickeln.
Die Studierenden selbst schätzen vor allem die Praxisnähe des Studiums. Angelina Sanzharovskaya aus Kasachstan, die an der BISU ihren Master in russischem Dolmetschen absolviert, lobt die vielfältigen Möglichkeiten, durch Exkursionen die kulturelle Tiefe Chinas kennenzulernen. El Batoul Nejjaoui aus Marokko, die seit fast zehn Jahren in China lebt und arbeitet, nutzt ihr Studium, um ein tieferes Verständnis für die chinesische Wirtschaft und Stadtentwicklung zu gewinnen – ein Wissen, das angesichts der wachsenden globalen Bedeutung Chinas immer wertvoller wird.
