Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Von Wang Xuemei
Die diesjährigen Maifeiertage, die vom 1. bis 5. Mai fielen, zeigten ein lebendiges Bild der chinesischen Wirtschaft. Die Zahl der Reisen wurde auf über 1,52 Milliarden geschätzt, was einem Anstieg von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht und einen neuen Rekord darstellt. Die hohe Mobilität, die robuste Konsumnachfrage und die anhaltende Produktionstätigkeit spiegelten die Stärke der Binnennachfrage und die Widerstandsfähigkeit des chinesischen Wirtschaftsmodells wider.
Reisewelle: Ein Land in Bewegung
Die Menschen nutzten vor allem die freien Tage, um ihr Fernweh zu stillen. Die Touristenattraktionen waren nicht nur von Chinesen gut besucht – auch der Inbound-Tourismus boomte. Allein am 2. Mai verzeichnete der Grenzübergang Hengqin im südchinesischen Zhuhai 148.000 Ein- und Ausreisen – ein Plus von 15,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und ein neuer Tagesrekord. Dies zeigt die verstärkte Reisetätigkeit zwischen dem Festland und den beiden Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao.
Doch nicht nur der Personenverkehr legte zu. Nach Angaben des Verkehrsministeriums transportierte Chinas Eisenbahnwesen vom 27. April bis zum 3. Mai 80,81 Millionen Tonnen Güter (+1,63 Prozent). Zugleich wurden in den erfassten Häfen 278,23 Millionen Tonnen Waren umgeschlagen (+7,64 Prozent).
Neuer Konsum: Vom Haben zum Erleben
Die Art des Konsums hat sich während der Feiertage spürbar gewandelt. Es ging den Menschen weniger darum, „was man kauft“, sondern vielmehr darum, „wie man etwas erlebt“. Nach Angaben des Handelsministeriums stiegen die Besucherzahlen in 78 wichtigen Fußgängerzonen und Einkaufsvierteln zwischen dem 1. und 4. Mai im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent, die Umsätze sogar um 5,3 Prozent. Besonders auffällig: Die Online-Plattform Douyin, die chinesische Version von TikTok, verzeichnete einen Anstieg der Gruppenkaufumsätze für Hotels um 86 Prozent im Jahresvergleich. Auch die Ausgaben für Wellness und Erholung lagen um über 50 Prozent über dem Niveau vor den Feiertagen.
Das beweist auch der Erfolg konkreter Erlebnisangebote. So zog das Themenviertel „The Longest Day in Chang’an“ in Xi’an täglich 8.000 Besucher an. Gleichzeitig stiegen die Suchanfragen nach Aktivitäten wie Flusswanderungen und Bergsteigetouren auf den Plattformen Fliggy und Xiaohongshu (RedNote) um 130 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Es ist eindeutig ein Beleg dafür, dass erlebnisorientierter Konsum zu einem wichtigen Motor der Binnennachfrage wird“, sagte Dong Yu, stellvertretender Direktor des China Institute for Development Planning der Tsinghua-Universität. Dieser neue Sektor verbinde verschiedene Wirtschaftsbereiche: Gastronomie, Unterkunft, Verkehr, Reiseaktivitäten, Einkauf und Unterhaltung.
Doch nicht nur bei Reisen und Freizeitaktivitäten zeigte sich ein Wandel im Konsumverhalten. Auch außerhalb des Tourismussektors gab es bemerkenswerte Entwicklungen. Vor allem die Inzahlungnahmeprogramme für alte Geräte und technologische Innovationen beflügelten den Konsum enorm. KI-Brillen, einst ein Nischenprodukt, finden inzwischen zunehmend Interesse bei Verbrauchern. Im Rahmen der Internationalen Konsumsaison „Shopping in China“ sind über 100 Veranstaltungen geplant – unter anderem allein zu den Maifeiertagen und zum diesjährigen Drachenbootfest. Hinzu kommt eine Aktion der „Su Super League“, der Amateurfußballliga der Provinz Jiangsu: Über die Bezahl-App „Yunshanfu“ können Verbraucher an der Verlosung von staatlichen Konsumgutscheinen und Subventionen des Kreditkartenunternehmens UnionPay teilnehmen. Das hat die Nachfrage zusätzlich angekurbelt.
Parallel dazu haben etwa 30 Städte Ende April bis Anfang Mai Frühjahrsferien eingeführt. Das veranlasste viele Familien, bereits vor dem 1. Mai zu verreisen, und entlastete so die typischen Staus an den Feiertagen. Die Kombination aus Frühjahrsferien und Maifeiertag hat das Reiseverhalten grundlegend verändert: Immer mehr Touristen verzichten auf die sogenannten „Spezialeinheiten-Trips“, also extrem straff geplante Kurztrips. Stattdessen bleiben sie länger an einem Zielort, um in die lokale Kultur einzutauchen.
Dieser Trend spiegelt sich auch in den Buchungsdaten wider. Laut der On-Demand-Lieferplattform Meituan entfielen 75 Prozent der Hotelvorbuchungen auf touristische und Freizeitzwecke. Besonders gefragt waren längere Aufenthalte: Die Buchungen für Unterkünfte mit sieben oder mehr Nächten stiegen im Jahresvergleich um über 40 Prozent, Selbstfahrertouren sogar um mehr als 50 Prozent. Daten des Online-Reiseportals Qunar zeigen, dass die verlängerten Reisefenster vor und nach den Feiertagen die Überlastung beliebter Ziele und Verkehrsknotenpunkte spürbar verringerten.
Ein Beispiel ist die 19-jährige Rao Yufei. Sie verbrachte fünf Tage in Luoyang in der zentralchinesischen Provinz Henan, besuchte Museen, Tempel, Grotten und ließ sich in traditioneller Hanfu-Kleidung fotografieren. „Jeder Ort hat seine Geschichte. Wer hetzt, verpasst die eigentliche Freude einer Kulturstadt“, sagte sie.
Lü Ning, Dekanin der Tourismusfakultät der Beijing International Studies University, erklärte, die Verbindung von Schülerferien und gesetzlichen Feiertagen sei ein erfolgreiches politisches Experiment. Dadurch hätten sich die Besucherströme entzerrt und der Tourismus auch in kleineren Städten und ländlichen Gebieten sei gefördert worden.
Tatkraft vor Ort: Keine Pause für Entwicklung
Während der Feiertage waren viele Arbeiter und Angestellte im Einsatz. So trat im Autonomen Gebiet Guangxi der Zhuang das Bauprojekt am Qingnian-Schleusen des Pinglu-Kanals in eine neue Phase ein. Im Nordosten Chinas trieben Landwirte die Frühjahrsbestellung mit technischer Unterstützung zügig voran. In der Küstenprovinz Zhejiang beschleunigte sich der Aufbau der KI-Industrie – sowohl das Training von Modellen als auch branchenspezifische Anwendungen machten Fortschritte. Im Hafen Tianjin wurden zudem Elektrofahrzeuge, Hightech-Ausrüstungen und chemische Erzeugnisse in alle Welt verschifft.
Die Maifeiertage sind damit mehr als nur eine statistische Bestätigung von Chinas Wirtschaftskraft. Anstelle einer reinen quantitativen Expansion zeichnen sie ein mehrdimensionales Bild des Wandels: Dazu gehört die pulsierende Mobilität von Menschen und Gütern, die das Land in Bewegung hält. Dazu gehört auch der Wandel im Konsum hin zu mehr Qualität und bewussteren Erlebnissen. Und dazu gehört der unermüdliche Einsatz vor Ort – in Infrastruktur, Hightech und Logistik – der auch an Feiertagen nicht pausiert. Unterstützt durch neue politische Impulse und technologische Innovationen gewinnt die chinesische Wirtschaft an Substanz. Sie bleibt damit auch künftig ein nachhaltiger Motor für die Entwicklung des Landes.
