Source: Deutsche Nachrichten
Frauen im erwerbsfähigen Alter nutzen künstliche Intelligenz deutlich seltener als Männer. Am 23. April 2026 haben das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und die Initiative D21 dazu die Studie „Digital Gender Gap – Schwerpunkt 2026: Künstliche Intelligenz“ vorgelegt. Laut IAB und Initiative D21 setzen 37 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer KI ein. Bei der intensiven Nutzung schrumpft der Abstand auf einen Prozentpunkt, wenn Beschäftigte an einer vom Arbeitgeber finanzierten Weiterbildung teilgenommen haben. Wie eine strukturierte Grundschulung mit Abschlussnachweis aussehen kann, zeigt die Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen mit ihrem Onlinekurs zur KI-Kompetenz mit prüfbarem Teilnahmezertifikat.
Personalabteilungen planen im November 2026 vielerorts die Weiterbildungsbudgets für das kommende Jahr. Die Studie liefert für diese Planung eine Unterscheidung, die in Budgetrunden selten gemacht wird: Nicht jeder Lernweg wirkt für Frauen und Männer gleich.
Was die Studie misst und wo der Gender AI Gap am größten ist
Ausgewertet wurden laut IAB und Initiative D21 die Angaben einer Analysestichprobe von 4.806 Personen zwischen 14 und 69 Jahren. Grundlage sind bevölkerungsrepräsentative Daten des D21-Digital-Index aus dem Juli 2024. Als intensive Nutzung zählt die Studie den Einsatz von KI mindestens einmal im Monat, als seltene Nutzung mindestens einmal im Halbjahr. Drei Befunde der Studie ordnen den Abstand zwischen Frauen und Männern ein:
- Unbereinigt beträgt der Gender AI Gap 16 Prozentpunkte, 37 Prozent der Frauen gegenüber 53 Prozent der Männer.
- Nach Berücksichtigung von Alter, Bildung, Einkommen, beruflicher Position, Einstellungen und Kompetenzen bleiben 8 Prozentpunkte.
- In der Generation Z+, den Jahrgängen 1996 bis 2010, nutzt jeder zweite Mann KI intensiv, aber nicht einmal jede dritte Frau – ein Abstand von fast 20 Prozentpunkten.
Der Befund zur jüngsten Gruppe widerspricht einer verbreiteten Erwartung. Bisher nahm der digitale Abstand zwischen den Geschlechtern in jüngeren Jahrgängen ab, beim Einsatz von KI ist es nach den Daten von IAB und Initiative D21 umgekehrt. Mit steigendem Alter sinkt die KI-Nutzung insgesamt, und der Unterschied verliert an statistischer Bedeutung.
Wie betriebliche Weiterbildung und Eigeninitiative den Abstand verändern
Wer sich in den vergangenen zwölf Monaten neues digitales Wissen angeeignet hat, nutzt KI laut der Studie um 13 Prozentpunkte häufiger. Das gilt für selbst initiiertes Lernen ebenso wie für Weiterbildungen, die der Arbeitgeber bezahlt. Frauen profitieren von eigeninitiiertem Lernen stärker: Ihre KI-Nutzung steigt um 15 Prozentpunkte, die der Männer um 8 Prozentpunkte. Eigeninitiative kommt nach IAB und Initiative D21 allerdings häufiger bei Männern vor; sie setzt Zeit und Freiraum im Alltag voraus, die bei zusätzlicher Sorgearbeit oft fehlen.
Soziales Lernen über Kolleginnen, Kollegen, Familie oder Freundeskreis vergrößert die Lücke dagegen. Nur Männer profitieren davon signifikant. Wie ein Betrieb eine strukturierte Schulung aufsetzt, statt das Thema dem Flurgespräch zu überlassen, beschreibt ein Leitfaden zur praktischen Umsetzung von KI-Schulungen für Beschäftigte der Provimedia GmbH, von der Auswahl der Zielgruppen bis zur Wiederholung.
Welche Rolle der europäische Vergleich für die KI-Nutzung spielt
Der Abstand ist keine deutsche Besonderheit, fällt in einer breiteren Messung aber kleiner aus. Das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) hat seinen Statistikartikel zur KI-Nutzung im April 2026 aktualisiert. Laut Eurostat haben 2025 in der EU 35 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen zwischen 16 und 74 Jahren generative KI genutzt. Eurostat zählt dabei jede Nutzung in den drei Monaten vor der Befragung, auch die private. Deutschland lag 2025 laut Eurostat mit 32,2 Prozent knapp unter dem EU-Wert von 32,7 Prozent.
Die unterschiedlichen Werte gehen auf unterschiedliche Fragen zurück. Eurostat misst generative Werkzeuge in allen Lebensbereichen, die Studie von IAB und Initiative D21 die Nutzung von KI durch Erwerbsfähige. Beide Erhebungen zeigen denselben Befund: Frauen setzen KI seltener ein, und Alter und Bildung beeinflussen die Nutzung stark.
„Die Lücke entsteht nicht aus fehlendem Interesse, sondern aus der Frage, wer im Team zuerst ausprobieren darf. Wer KI nur über Kollegengespräche weitergibt, gibt sie ungleich weiter. Eine gemeinsame Grundschulung für alle ist deshalb weniger eine Pflichtübung als eine Frage der Fairness im Betrieb“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Woran Personalabteilungen die Planung für 2027 ausrichten
Die Daten der Studie stammen aus dem Juli 2024, die generative KI hat sich seither weiter verbreitet. Ob der Abstand seitdem gewachsen oder geschrumpft ist, zeigt erst eine neue Erhebung. Eurostat plant die nächste Aktualisierung seines Statistikartikels zur KI-Nutzung für April 2027. Für die Weiterbildungsplanung 2027 ergeben sich aus der Studie drei praktische Schritte. Schulungen finden regelmäßig und nah an den eigenen Aufgaben statt, das Ausprobieren bekommt Zeit im Arbeitsalltag, und die Teilnahme bleibt nicht allein der Eigeninitiative überlassen.
