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Chinas Kulturerbe wird zum Exportschlager

Chinas Kulturerbe wird zum Exportschlager

Source: People’s Republic of China – State Council News in German

Auf der 139. Chinesischen Import- und Exportmesse (Kanton-Messe) in Guangzhou rücken Produkte mit starkem kulturellem Bezug in den Mittelpunkt. Handtaschen mit Porzellanglanz und Hightech-Löwentänze lassen die Grenzen zwischen Museum und Marktplatz verschwimmen. Chinesische Aussteller setzen vermehrt auf emotionales Storytelling und immaterielles Kulturerbe, um Chinas Profil im Ausland zu schärfen.

Die Messehallen in der südchinesischen Metropole Guangzhou wirken in diesen Tagen weniger wie reine Verkaufsflächen, sondern präsentieren sich als lebendige Galerien. Wo früher schlichte, funktionale Lederwaren dominierten, drängen sich nun Einkäufer aus aller Welt um Exponate mit tiefer kultureller Erzählkraft. Besonders gefragt sind Produkte, die das reiche immaterielle Kulturerbe Chinas mit modernem Lifestyle verbinden. Dies spiegelt einen markanten neuen Trend im chinesischen Außenhandel wider: weg vom reinen Preiswettbewerb, hin zu höherwertigen Markenartikeln mit kultureller Tiefe.

In der geschäftigen Lederwarenhalle sorgte eine Kollektion für Lederwaren für besonderes Interesse: Handtaschen, die aus der Ferne in filigranen, bunten Mustern schimmern. Bei näherer Betrachtung offenbart sich ein porzellanartiger Glanz, der aus winzigen Fragmenten besteht. Es handelt sich um eine Adaption der über 300 Jahre alten Chaozhou-Porzellaneinlegetechnik, ein immaterielles Kulturerbe aus der Region Chaoshan. Was früher ausschließlich die Dächer traditioneller Tempel zierte, findet nun durch die Guangzhou Guxiou Leather Goods Co. seinen Weg in die Modemetropolen der Welt.

Mit diesem Ansatz hat das Unternehmen den Sprung auf die internationale Bühne gewagt. Nach Angaben von Wang Weilong, dem Sales Manager des Unternehmens, ist die Resonanz groß: Für die 2027er-Kollektion liegen bereits Bestellungen aus Italien, Ungarn und Spanien vor, manche Modelle kommen auf 400 Einzelbestellungen. Ein brasilianischer Einkäufer betonte vor Ort, dass Konsumenten heute verstärkt nach Produkten mit „Seele“ suchen – also nach Accessoires, die kulturelle Substanz und einen hohen Wiedererkennungswert besitzen.

Zusätzlichen Rückenwind erhält die Branche auch aus der Popkultur. So hat der Erfolg des im Chaoshan-Dialekt gedrehten Films „Dear You“ das Interesse an der regionalen Kultur gestärkt. Während Übersee-Chinesen in Südostasien eine tiefe emotionale Bindung zu diesen Produkten haben, schätzen Käufer aus Europa und Südamerika vor allem die frische, unverbrauchte Ästhetik der Designs.

Diese Verbindung aus Kulturerbe und zeitgenössischem Design zieht sich durch alle Phasen der Messe. Der Konzern Guangzhou Textile Industry & Trade Holding stellte beispielsweise eine Linie von T-Shirts vor, die mit der feinen „Guangdong-Stickerei“ (auch Yue-Stickerei genannt) veredelt sind. Ziel ist es, traditionelles Handwerk aus den Museen direkt in den Alltag der Menschen zu holen. Zudem kooperiert das Unternehmen mit einer Modemarke aus Singapur, um die Ästhetik der Lingnan-Kultur – der Kulturregion rund um Guangdong, Hongkong und Macao – auf das Niveau der internationalen Haute Couture zu heben.

Auch aus anderen Regionen Chinas kommen kulturelle Impulse. Ein Unternehmen aus Chengdu zeigte filigrane Flechtwaren aus Palmblättern, eine 200 Jahre alte Handwerkskunst aus dem Bezirk Xinfan. Solche Produkte zeigen exemplarisch, wie chinesische Anbieter in der globalen Wertschöpfungskette aufsteigen wollen. Neben dem reinen Warenverkauf rückt der Export von Geschichten, Emotionen und kulturellen Motiven in den Vordergrund.

Die Messe selbst flankiert diesen Wandel durch ein Rahmenprogramm, das Wirtschaft und Kultur eng verknüpft. Besucher wurden mit robotergestützten Yingge-Tänzen sowie Drachen- und Löwentänzen empfangen. Ein weiteres Highlight war das Debüt der Daliang-Fischlaternen aus Shunde. Diese eleganten Leuchtkörper verbinden klassische Handwerkskunst mit modernem Industriedesign und entwickelten sich schnell zum Liebling von Hoteliers und Inneneinrichtern aus dem asiatischen Raum.

Neben technologischem Fortschritt in Bereichen wie KI-gestützter Chirurgie oder Gehirn-Computer-Schnittstellen zählen in diesem Jahr kulturnahe Produkte zu den heimlichen Stars der Messe. Die 139. Kanton-Messe, die am Dienstag in Guangzhou zu Ende ging, verzeichnete nach offiziellen Angaben 314.000 ausländische Einkäuferinnen und Einkäufer aus 220 Ländern und Regionen – ein Zuwachs von 1,1 Prozent im Vergleich zur 138. Ausgabe.

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