Source: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
Ein Schwerpunkt von Wiens Rede waren aktuelle regulatorische Entwicklungen wie der Solvency-II-Review und die Insurance Recovery and Resolution Directive, die EU-Richtlinie zur Harmonisierung des Rechtsrahmens für die Sanierung und die Abwicklung von Versicherungsunternehmen. Die Exekutivdirektorin verdeutlichte: „Bei wichtigen Regulierungsprojekten drängen wir darauf, Komplexität zu reduzieren und mehr Proportionalität zuzulassen. Ohne dabei das Sicherheitsniveau zu senken. Oder anders gesagt: Wir wollen so viel Beschleunigung zulassen wie möglich. Und gezielt dort ausbremsen, wo das nötig ist.“
Im Solvency-II-Review habe sich die BaFin erfolgreich dafür eingesetzt, künftig mehr Proportionalität zu ermöglichen. So würden relativ kleine Versicherer mit einem wenig komplexen Risikoprofil künftig als small and non-complex undertakings (SNCU) eingestuft und könnten somit bestimmte Erleichterungen unmittelbar nach Anzeige bei der BaFin direkt in Anspruch nehmen. Auch Unternehmen, die nicht als SNCU eingestuft werden, könnten bestimmte Erleichterungen auf Antrag in Anspruch nehmen, sofern das Risikoprofil das zulässt.
Kapitalanforderungen dürfen nicht aufgeweicht werden
Die Exekutivdirektorin unterstrich jedoch auch, in welchen Bereichen die BaFin wenig Spielraum für Erleichterungen sehe. Das gelte insbesondere für die Kapitalanforderungen. Die aktuell hohe Unsicherheit an den Märkten verdeutliche deren Bedeutung. „Das Risiko kurzfristiger Verwerfungen an den Kapitalmärkten ist hoch. Wir erwarten daher von den Unternehmen, dass sie ihre tatsächlichen Risiken sorgfältig einschätzen. Gerade in diesen Zeiten sind ausreichende Kapitalpuffer wichtig“, betonte Wiens.
Neben aktuellen Regulierungsthemen ging Wiens auf den intensiveren Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die Relevanz einer wirksamen Governance der Versicherer ein. Auch mit Blick auf diese beiden Themen erläuterte sie die aktuellen Prioritäten der Versicherungsaufsicht. Ob die BaFin als Bremser oder Beschleuniger agiere, hänge stets von den Umständen ab. „Aufsicht bedeutet beides: Beschleunigung ermöglichen und bremsen, wenn nötig. Das ist das Spannungsfeld, in dem wir agieren“, fasste Wiens zusammen.
Die vollständige Rede von Julia Wiens steht hier zur Verfügung.
