Source: Deutsche Nachrichten
Blumenerden für Hobbygärtner auf dem deutschen Markt enthielten 2025 laut dem Industrieverband Garten (IVG) im Durchschnitt noch 33 Prozent Torf. Das geht aus der jährlichen Erhebung hervor, die der IVG und die Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen (GGS) am 11. Mai 2026 vorgestellt haben. Insgesamt setzte die Branche 2025 rund 7,9 Millionen Kubikmeter Substrate und Erden aus deutscher Produktion ab. Die Torfminderungsstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums sieht vor, dass der Einsatz von Torf im Hobbybereich bis 2026 endet. Welche Pflanzmedien ganz ohne Erde auskommen, erklärt das Fachportal der Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen in einer Übersicht über Anbaumedien für die Hydroponik.
Bis zum Ende des Zieljahres für den Torfausstieg im Hobbygarten bleiben damit im November 2026 wenige Wochen. Die Strategie setzt nach Angaben des Ministeriums auf freiwilligen Verzicht von Erdenindustrie, Erwerbsgartenbau und Hobbygärtnern.
Vor dem Ende des Zieljahres liegt der Torfanteil in Blumenerden bei einem Drittel
Nach der IVG-Erhebung verkaufte die Branche 2025 rund fünf Millionen Kubikmeter Blumenerden für den Hobbybereich, davon 4,1 Millionen Kubikmeter im deutschen Markt und 0,9 Millionen Kubikmeter im Export. Im deutschen Consumer-Markt blieb der Torfanteil an den eingesetzten Ausgangsstoffen laut IVG 2025 bei 33 Prozent. Der Anteil vollständig torffreier Erden am Consumer-Gesamtmarkt stieg nach denselben Angaben auf 30 Prozent.
Die Richtung ist seit Jahren dieselbe. Laut einer Mitteilung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) vom 8. Januar 2024 lag der Torfanteil in Blumenerden 2019 noch bei 61 Prozent und 2022 bei 43 Prozent. Die FNR informiert in einem eigenen Themenportal über Torfersatzstoffe und Forschungsprojekte.
„Ein Drittel Torf im Sack ist ein Fortschritt, aber kein Ausstieg. Für Hobbygärtner ist die Entscheidung heute einfacher als vor fünf Jahren, weil torffreie Erden im Regal stehen. Wer umsteigt, sollte allerdings wissen, dass sich Gießen und Düngen ändern“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Warum die Erdenindustrie die Torfreduktion am Limit sieht
Im Erwerbsgartenbau ist der Abstand zum Ziel größer. Der Torfanteil in Profisubstraten für den deutschen Markt sank nach der IVG-Erhebung vom Mai 2026 auf 61 Prozent, der Anteil torffreier Erden am professionellen Gesamtmarkt blieb 2025 bei sechs Prozent. Für diesen Bereich nennt die Strategie des Ministeriums das Jahr 2030 als Ziel für einen weitgehenden Ersatz. Insgesamt setzte die Industrie 2025 in der Produktion 4,3 Millionen Kubikmeter Torf ein, nach 4,7 Millionen im Jahr 2024; dazu kamen 4,4 Millionen Kubikmeter andere organische und 0,3 Millionen Kubikmeter mineralische Ausgangsstoffe.
Der stellvertretende Geschäftsführer des IVG sieht die Anforderungen aus der Politik in der Praxis an Grenzen stoßen und plädiert dafür, torfreduzierte Erden stärker in den Fokus zu rücken. Ganz ohne Erde und Torf arbeitet die Hydrokultur, bei der Pflanzen ihre Nährstoffe aus einer Lösung beziehen. Wie das funktioniert und wann es sich lohnt, beschreibt das Fachportal in seiner Erklärung zur Hydroponik ganz ohne Substrat.
Welche Ausgangsstoffe den Torf in Erden und Substraten ersetzen
Mengenmäßig führen vier organische Ersatzstoffe, die das Bundeslandwirtschaftsministerium auf seiner Themenseite zur Torfverwendung vom 24. März 2026 beziffert:
- Grünkompost mit rund 1.530.000 Kubikmetern im Jahr
- Holzfaser und Holz mit rund 887.000 Kubikmetern im Jahr
- Rindenhumus mit rund 270.000 Kubikmetern im Jahr
- Kokosprodukte mit rund 130.000 Kubikmetern im Jahr
Nach der IVG-Erhebung bleibt Torf für die Industrie der wichtigste Rohstoff, gefolgt von Grüngutkompost und Holzfasern. Der Verband verweist auf lange und teure Lieferwege bei importierten Rohstoffen und fordert, die heimische Gewinnung von Torf und Ersatzrohstoffen zu stärken.
Was sich mit torffreier Erde beim Gießen und Düngen ändert
Torffreie Erde verhält sich anders als ein torfreiches Substrat. Pflanzen in torffreier Erde müssen laut der FNR regelmäßiger gedüngt und öfter bewässert werden. Die FNR begründet die Strategie mit dem Klimaschutz: Torf besteht laut der Agentur zu etwa 50 Prozent aus Kohlenstoff, der durch Abbau und gärtnerische Nutzung nach und nach als Treibhausgas frei wird.
In der Hydrokultur stellt sich die Frage nach Torf nicht, weil ein mineralisches Medium wie Blähton oder gar kein Substrat die Wurzeln hält. Nährstoffe und Wasser kommen gezielt über die Lösung. Für Zimmerpflanzen und Kräuter auf der Fensterbank ist sie damit eine Möglichkeit, ganz ohne Blumenerde auszukommen.
Bis zum Branchentag im November richtet sich der Blick auf die Zahlen für 2026
Für den 19. November 2026 hat der IVG die deutsche und internationale Erdenindustrie zum Branchentag Erden und Substrate ins niederländische Cuijk eingeladen. Ob der Hobbybereich die Zielmarke 2026 erreicht, zeigt erst die nächste Jahreserhebung von IVG und GGS über das Absatzjahr 2026. Hobbygärtner, die für die Saison 2027 einkaufen, finden Hinweise zur Auswahl auf der Verbraucherseite Erden & Substrate.info von IVG und GGS; torfreduzierte Produkte enthalten weiterhin einen Anteil Torf.
