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Vom Sparen zum Investieren: Warum junge Menschen jetzt mehr als eine gute App brauchen

Vom Sparen zum Investieren: Warum junge Menschen jetzt mehr als eine gute App brauchen

Source: Deutsche Nachrichten
Junge Menschen interessieren sich für ihre finanzielle Zukunft. Sie sparen, investieren zunehmend am Kapitalmarkt und beschäftigen sich früher mit Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Gleichzeitig sind ihre finanziellen Spielräume begrenzt, die Zahl möglicher Anlageentscheidungen wächst und die Informationssuche verlagert sich immer stärker in digitale Kanäle und zunehmend auch zu Künstlicher Intelligenz. Drei aktuelle Untersuchungen zeichnen hierzu ein bemerkenswert konsistentes Bild: das Vermögensbarometer 2026 des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), die aktuelle Weltspartagsstudie des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) und die NextGen Studie 2026 der Gesellschaft für Qualitätsprüfung.

Die Untersuchungen setzen unterschiedliche Schwerpunkte und betrachten nicht exakt dieselben Altersgruppen. Gerade deshalb ist es interessant, ihre Ergebnisse miteinander zu verbinden. Denn zusammengenommen entsteht das Bild einer jungen Generation, die finanziell keineswegs desinteressiert ist. Im Gegenteil: Sie will gestalten. Aber zwischen dem Wunsch nach Vermögensaufbau und einer langfristig tragfähigen Finanzentscheidung liegt ein Weg, auf dem Banken eine wichtige Rolle spielen können. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob junge Menschen investieren wollen. Die strategisch wesentlich interessantere Frage ist, wer ihnen hilft, daraus eine langfristig gute Finanzentscheidung zu machen.

Junge Menschen blicken optimistischer auf ihre finanzielle Zukunft

Das Vermögensbarometer 2026 des DSGV liefert dafür zunächst ein bemerkenswert positives Signal. Obwohl sich die finanzielle Stimmung in der Gesamtbevölkerung etwas eingetrübt hat, hebt sich die junge Generation deutlich ab. 67 Prozent der 16- bis 29-Jährigen rechnen damit, dass sich ihre finanzielle Situation bis zum Jahr 2028 verbessern wird. Damit ist der Optimismus in dieser Altersgruppe deutlich ausgeprägter als in allen anderen Altersgruppen. Gleichzeitig besitzen bereits 34 Prozent der 16- bis 29-Jährigen Wertpapiere. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es sogar 37 Prozent. Das Vermögensbarometer spricht deshalb zu Recht von einer Entwicklung vom klassischen Sparen hin zum Investieren.

Das ist für Banken eine wichtige Botschaft. Junge Menschen interessieren sich nicht ausschließlich für ein kostenloses Girokonto, Mobile Payment oder eine gute Banking-App. Eine wachsende Gruppe beginnt bereits früh, sich mit der nächsten Stufe ihrer finanziellen Entwicklung auseinanderzusetzen: Wie baue ich Vermögen auf? Wie investiere ich langfristig? Welches Risiko kann ich eingehen? Wie viel Liquidität sollte verfügbar bleiben? Und wann wird aus Sparen eigentlich Altersvorsorge? Genau an diesem Punkt verändert sich die Rolle einer Bank. Wer jungen Menschen lediglich einen technisch komfortablen Zugang zum Depot bietet, schafft zwar eine wichtige Voraussetzung für das Investieren. Orientierung entsteht dadurch jedoch noch nicht automatisch.

Aus Sparern werden Anleger und das ist gut so

Besonders deutlich wird die Veränderung beim Thema Altersvorsorge. Laut DSGV-Vermögensbarometer haben 64 Prozent der Befragten bereits Maßnahmen für ihre finanzielle Absicherung im Alter ergriffen oder planen entsprechende Schritte. Unter denjenigen, die vorsorgen oder dies planen, setzen mittlerweile 25 Prozent auf Aktien und 24 Prozent auf ETFs. Im Vorjahr lagen diese Werte noch bei 21 beziehungsweise 18 Prozent.

Kapitalmarktbasierte Anlageformen gewinnen damit auch bei einem Thema an Bedeutung, das traditionell besonders stark von Sicherheit geprägt war. Diese Entwicklung ist grundsätzlich positiv. Ein langer Anlagehorizont bietet jungen Menschen Möglichkeiten, die ältere Generationen in dieser Form nicht mehr besitzen. Gleichzeitig erhöht eine größere Produktauswahl aber den Bedarf an Einordnung. Ein ETF-Sparplan beantwortet beispielsweise noch nicht die Frage, welcher monatliche Sparbetrag sinnvoll ist. Ein Depot erklärt nicht, welcher Teil des vorhandenen Geldes langfristig investiert werden kann und welcher als kurzfristig verfügbare Reserve benötigt wird. Und die Aussicht auf langfristige Kapitalmarktrenditen sagt noch nichts darüber aus, welche zwischenzeitlichen Wertschwankungen ein konkreter Mensch finanziell und emotional tragen kann. Genau deshalb sollte die aktuelle Entwicklung nicht auf den einfachen Satz reduziert werden, junge Menschen hätten den Kapitalmarkt für sich entdeckt.

Der Übergang vom Sparen zum Investieren ist vor allem ein Übergang von einer relativ einfachen zu einer deutlich anspruchsvolleren finanziellen Entscheidung.

Die BVR-Studie zeigt die zweite Seite: Der Wille zum Sparen trifft auf begrenzte Spielräume

Die aktuelle Untersuchung des BVR zum Weltspartag 2026 ergänzt diese Perspektive um einen entscheidenden Punkt: Junge Menschen haben Ziele, aber sie können nicht beliebig viel Geld zurücklegen. Über alle Befragten hinweg werden nach der repräsentativen Kantar-Befragung im Auftrag des BVR durchschnittlich rund 200 Euro monatlich gespart. Für die eigenen finanziellen Ziele halten die Menschen jedoch etwa 275 Euro für notwendig. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche monatliche Sparlücke von rund 75 Euro.

Bei jungen Menschen fällt die Differenz besonders groß aus. Die 20- bis 29-Jährigen sparen nach eigenen Angaben gut 210 Euro im Monat. Um ihre persönlichen Sparziele zu erreichen, hielten sie jedoch knapp 380 Euro für erforderlich. Die Differenz beträgt damit fast 170 Euro monatlich. Der BVR weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Sparlücke nicht mit einer Altersvorsorgelücke gleichgesetzt werden darf. In dieser Lebensphase konkurrieren unterschiedliche Ziele miteinander: Rücklagen, Ausbildung, Mobilität, Wohnen, größere Anschaffungen, Vermögensaufbau und Altersvorsorge.

Gerade diese Differenz macht das Thema für die Beratungsqualität so interessant. Denn wenn Geld unbegrenzt verfügbar wäre, ließen sich viele Ziele gleichzeitig verfolgen. Beratungsqualität wird aber gerade dann relevant, wenn Ressourcen knapp sind und Entscheidungen getroffen werden müssen. Soll zunächst eine ausreichend große Liquiditätsreserve entstehen? Wie viel kann anschließend langfristig investiert werden? Welche Ziele haben Vorrang? Wie flexibel muss das Geld verfügbar bleiben? Welche Sparrate ist nicht nur rechnerisch wünschenswert, sondern über Jahre realistisch durchzuhalten? Und nicht zu vergessen: Welche Absicherungen bzw. Versicherungen sind in der jeweiligen Lebensphase wichtig?

Aus einem vermeintlich einfachen Thema wie „Ich möchte monatlich 200 Euro sparen“ wird damit schnell eine Frage der ganzheitlichen Finanzplanung.

Die eigentliche Knappheit liegt in der Orientierung und weniger in der Information

Hinzu kommt ein grundlegender Wandel im Informationsverhalten. Noch nie konnten junge Menschen so schnell auf Finanzwissen zugreifen wie heute. ETFs, Aktien, Kryptowährungen, Rentenlücke, Zinseszinseffekt oder Diversifikation lassen sich innerhalb weniger Sekunden recherchieren. YouTube, Instagram, TikTok, Finanzportale, Finfluencer, Vergleichsportale und zunehmend KI-Systeme liefern rund um die Uhr Antworten. Die NextGen Studie 2026 der Gesellschaft für Qualitätsprüfung zeigt, wie weit diese Entwicklung bereits fortgeschritten ist. Für die Untersuchung wurden 1.000 Menschen zwischen 18 und 30 Jahren befragt. Bei einer konkreten Geld- oder Vorsorgefrage würden 18 Prozent zunächst ein KI-Tool wie ChatGPT nutzen. 17 Prozent nennen Freunde oder Familie, 15 Prozent Google und 14 Prozent die persönliche Beratung als erste Anlaufstelle. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich die Rangfolge verändert, sobald nach Vertrauen gefragt wird: Hier liegt die persönliche Beratung mit 26 Prozent an erster Stelle.

Das ist aus unserer Sicht eine der strategisch wichtigsten Entwicklungen im Banking. Die erste Information und die endgültige Entscheidung müssen nicht mehr aus derselben Quelle stammen. Ein junger Mensch kann eine erste Frage bei ChatGPT stellen, anschließend ein Video ansehen, einen ETF vergleichen, die Website seiner Bank besuchen und erst danach einen persönlichen Berater kontaktieren. Die Customer Journey verläuft damit nicht mehr linear von der Bankinformation zum Bankprodukt. Sie beginnt häufig außerhalb der Bank. Für Institute ergibt sich daraus eine neue Herausforderung: Sie müssen bereits dort relevant sein, wo der Kunde seine erste Frage stellt.

Digitale Sichtbarkeit wird Teil der Beratungsqualität

Genau hier berühren sich die Erkenntnisse der Studien mit unserer Arbeit im Young Finance Award und dem Bankentest „NextGen Bank 2027“. Wenn junge Menschen nach „ETF für Anfänger“, „Wie viel sollte ich mit 25 für die Rente sparen?“, „Welche Bank passt zu jungen Kunden?“ oder „Wie beginne ich mit dem Vermögensaufbau?“ suchen, beginnt bereits eine finanzielle Entscheidungsreise.

Eine Bank muss deshalb nicht nur digital erreichbar sein. Sie muss digital erklärungsfähig sein. Das bedeutet: Inhalte müssen auffindbar, verständlich und fachlich belastbar sein. Komplexe Sachverhalte müssen so erklärt werden, dass junge Menschen daraus einen nächsten sinnvollen Schritt ableiten können. Gleichzeitig muss deutlich werden, an welcher Stelle allgemeine Informationen nicht mehr ausreichen und individuelle Beratung sinnvoll wird. Genau dieser Zusammenhang ist für „NextGen Bank 2027“ zentral. Eine moderne Bank für junge Kundinnen und Kunden zeichnet sich nicht allein dadurch aus, dass ihre App schnell funktioniert oder dass sie auf Instagram präsent ist. Entscheidend ist das gesamte digitale Ökosystem: Wie leicht findet ein Interessent relevante Informationen? Wie verständlich werden finanzielle Themen erklärt? Gibt es eine erkennbare Finanzplanung? Wie glaubwürdig ist die Kommunikation über verschiedene Kanäle hinweg? Und wie einfach gelingt der Übergang von der digitalen Information zu weiterer Unterstützung?

Die digitale Customer Journey wird damit selbst zu einem Qualitätsmerkmal.

Eine gute App ist Voraussetzung, aber längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr

Die NextGen Studie bestätigt gleichzeitig, dass junge Menschen nicht zwischen Technologie und persönlicher Beratung wählen möchten. 78 Prozent der Befragten bewerten persönliche Beratung als wichtig oder eher wichtig. Gleichzeitig sehen lediglich 53 Prozent ihre heutige Hauptbank in diesem Bereich als gut oder sehr gut aufgestellt. Zwischen Erwartung und wahrgenommener Leistung besteht damit eine Differenz von 25 Prozentpunkten. Noch deutlicher wird der hybride Anspruch beim Blick auf das ideale Leistungspaket: Eine Kombination aus persönlicher Beratung, ganzheitlicher Finanzplanung in der App, einem Chat mit echten Beraterinnen und Beratern sowie modernen Investmentmöglichkeiten wie flexiblen ETF-Sparplänen erreicht eine Akzeptanz von bis zu 67 Prozent der Zielgruppe. Das widerspricht einem häufig verwendeten Narrativ, nach dem junge Kunden traditionelle Banken vor allem deshalb verlassen würden, weil sie keine persönliche Beratung mehr benötigen. Tatsächlich verändert sich vielmehr die Erwartung an diese Beratung.

Wer bereits mit Informationen aus Apps, Videos, Suchmaschinen oder KI-Systemen in ein Gespräch kommt, benötigt keinen Berater, der lediglich Produktwissen wiedergibt. Der Mehrwert muss an einer anderen Stelle entstehen: bei der Einordnung. Welche Information ist für die persönliche Situation relevant? Welche Annahme aus einer Onlineberechnung ist realistisch? Welche Risiken wurden möglicherweise unterschätzt? Welche unterschiedlichen Ziele konkurrieren miteinander? Und welche Entscheidung lässt sich mit dem vorhandenen Einkommen dauerhaft durchhalten? Je einfacher Informationen digital verfügbar werden, desto höher wird aus unserer Sicht der Anspruch an den Mehrwert persönlicher Beratung.

Finanzbildung wird zur Brücke zwischen Information und Entscheidung

Damit gewinnt auch Finanzbildung eine neue Bedeutung. Finanzbildung sollte nicht ausschließlich darin bestehen, Begriffe wie ETF, Diversifikation oder Inflation erklären zu können. Entscheidend ist, ob Menschen dieses Wissen auf ihre eigene Situation übertragen können. Der BVR verweist in seiner Studie selbst darauf, dass finanzielle Bildung helfen kann, vorhandene finanzielle Spielräume besser zu nutzen und gleichzeitig aber fehlende finanzielle Möglichkeiten nicht ersetzen kann.

Finanzbildung darf nicht den Eindruck erwecken, jedes finanzielle Problem lasse sich allein durch besseres Wissen lösen. Wer schlicht nicht genügend Einkommen zur Verfügung hat, kann eine bestehende Sparlücke nicht durch eine bessere Erklärung beseitigen. Sehr wohl kann Finanzbildung aber helfen, Entscheidungen zu priorisieren.

Wer versteht, warum eine Liquiditätsreserve andere Aufgaben erfüllt als ein langfristiger ETF-Sparplan, kann vorhandene Mittel besser strukturieren. Wer den Zusammenhang zwischen Anlagehorizont, Renditechance und Risiko versteht, kann eine bewusstere Entscheidung treffen. Und wer weiß, wie stark ein früher Beginn und ein langer Zeitraum wirken können, kann auch kleine Sparbeträge anders beurteilen. Genau deshalb betrachten wir Finanzbildung nicht als kommunikatives Zusatzangebot einer Bank, sondern zunehmend als Teil einer modernen Kundenbeziehung. Mit dem Testformat „NextGen Finanzbildung“ innerhalb des Young Finance Award untersuchen wir deshalb, wie sichtbar, verständlich und handlungsorientiert Banken Finanzwissen vermitteln. Dabei geht es nicht nur um die Menge an Content, sondern um die Frage, ob daraus tatsächlich Orientierung entstehen kann.

Altersvorsorge wird zum Stresstest moderner Bankqualität

Besonders deutlich treffen alle drei Studien beim Thema Altersvorsorge aufeinander. Das DSGV-Vermögensbarometer zeigt die zunehmende Offenheit gegenüber Aktien und ETFs bei der Vorsorge. Die BVR-Ergebnisse zeigen gleichzeitig, dass gerade junge Menschen zwischen hohen Sparzielen und begrenzten finanziellen Möglichkeiten abwägen müssen. Unsere NextGen Studie wiederum dokumentiert, dass digitale Informationswege selbstverständlich geworden sind, persönliche Beratung aber weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt.

Damit entsteht ein sehr konkreter Beratungsauftrag. Eine junge Kundin oder ein junger Kunde möchte beispielsweise 200 Euro monatlich investieren. Die Frage lautet dann nicht nur, welcher ETF angeboten werden kann. Zunächst muss geklärt werden, welche finanziellen Reserven bereits vorhanden sind, welche kurzfristigen Ziele bestehen, welche Verpflichtungen absehbar sind und welcher Teil der Sparrate tatsächlich langfristig für die Altersvorsorge vorgesehen werden kann. Anschließend stellen sich weitere Fragen: Welcher Anlagehorizont besteht? Welche Risiken können und sollen getragen werden? Wie verändert sich die Planung, wenn Einkommen, Familienplanung oder Wohnsituation wechseln? Welche bestehenden Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher oder privater Vorsorge müssen berücksichtigt werden? Und wie lässt sich die Strategie regelmäßig überprüfen?

An genau solchen Fragen zeigt sich der Unterschied zwischen einem Produktangebot und einer Finanzplanung. Aus diesem Grund haben wir den Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“ mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Altersvorsorge ausgerichtet. Denn kaum ein anderes Thema eignet sich so gut, um zu prüfen, ob eine Bank lediglich Produkte erläutert oder tatsächlich Zusammenhänge herstellt, Ziele strukturiert und Kunden bei einer langfristigen Entscheidung unterstützt.

Junge Kunden gewinnt man digital

Für Regionalbanken ergibt sich daraus eine besondere Chance. Sie können die digitale Geschwindigkeit und Nutzerfreundlichkeit spezialisierter Anbieter nicht ignorieren. Gleichzeitig müssen sie versuchen, ihre traditionellen Stärken – Nähe, Vertrauen und persönliche Beratung – in eine moderne Customer Journey zu übersetzen.

Das bedeutet auch, dass die klassische Trennung zwischen „digital“ und „persönlich“ zunehmend an Bedeutung verliert. Ein guter digitaler Inhalt kann der Beginn einer persönlichen Beratung sein. Eine Beratung kann wiederum durch digitale Finanzplanung vorbereitet und anschließend digital begleitet werden. Ein Chat kann eine einfache Frage beantworten und bei einem komplexeren Anliegen unmittelbar in ein Gespräch führen.

Die erfolgreiche Bankbeziehung der Zukunft besteht deshalb nicht aus einem einzelnen Kanal. Sie entsteht aus einem System, in dem die einzelnen Kontaktpunkte sinnvoll aufeinander aufbauen.

Die NextGen Studie zeigt zudem, wie stark der Wettbewerb um diese Beziehung bereits geworden ist. Nur sieben Prozent der jungen Befragten nutzen ausschließlich Angebote ihrer Hauptbank. Multibanking ist damit längst Normalität. Zahlungsdienste, Neobroker, Wallets, Neobanken und spezialisierte Apps konkurrieren um einzelne Teile der finanziellen Kundenbeziehung. Die Hauptbank besitzt deshalb kein automatisches Anrecht mehr darauf, auch der Partner für Geldanlage, Vermögensaufbau oder Altersvorsorge zu sein. Sie muss diesen Anspruch jeden Tag neu begründen.

Die Chance für Regionalbanken liegt in der Verbindung

Aus den drei Untersuchungen lässt sich aus unserer Sicht deshalb keine Forderung nach maximaler Digitalisierung ableiten. Ebenso wenig wäre die Schlussfolgerung richtig, junge Menschen wollten möglichst viele Finanzprodukte angeboten bekommen.

Die Chance liegt in der Verbindung. Junge Menschen zeigen Interesse am Kapitalmarkt. Sie haben langfristige Ziele. Gleichzeitig müssen sie mit begrenzten finanziellen Spielräumen umgehen. Sie suchen Informationen zunehmend selbstständig und digital. Bei komplexeren Entscheidungen bleibt Vertrauen in persönliche Orientierung jedoch besonders wichtig.

Eine Regionalbank kann genau an dieser Schnittstelle eine starke Position einnehmen. Sie kann digital auffindbar sein, verständliche Finanzbildung bereitstellen und einfache Investmentmöglichkeiten anbieten. Gleichzeitig kann sie dort persönliche Beratung einsetzen, wo allgemeine Informationen in eine individuelle Entscheidung übersetzt werden müssen. Das verlangt allerdings eine andere Form der Beratung als in der Vergangenheit. Die Kernleistung besteht zunehmend weniger darin, exklusiv über Informationen zu verfügen. Diese Informationen sind heute nahezu überall erhältlich. Diese Kernleistung besteht darin, Relevanz herzustellen.

Vom Produktanbieter zum finanziellen Orientierungspartner

Damit verändert sich letztlich das Selbstverständnis einer modernen Hausbank. Ein Produktanbieter beantwortet die Frage: „Was können wir Ihnen anbieten?“

Ein finanzieller Orientierungspartner beginnt mit einer anderen Frage: „Was möchten Sie erreichen und welche Entscheidung passt zu Ihrer heutigen Situation und Ihren langfristigen Zielen?“ Dieser Unterschied wirkt auf den ersten Blick klein. Tatsächlich verändert er aber die gesamte Customer Journey.

Er verändert die Inhalte auf der Website, die Gestaltung einer Banking-App, die Rolle von Social Media, den Einsatz von KI und Chatbots und nicht zuletzt das persönliche Beratungsgespräch. Ein Artikel über ETFs ist dann nicht nur Content-Marketing. Er hilft einem jungen Menschen dabei, einen finanziellen Zusammenhang zu verstehen.

Ein Vorsorgerechner ist nicht nur ein Leadgenerator. Er muss seine Annahmen nachvollziehbar machen. Eine Banking-App ist nicht nur ein Instrument für Überweisungen. Sie kann helfen, Ziele, Rücklagen und langfristige Anlagen strukturiert zu betrachten.

Und das Beratungsgespräch ist nicht mehr der Ort, an dem die Informationsvermittlung beginnt. Es ist zunehmend der Punkt, an dem bereits vorhandene Informationen bewertet, priorisiert und auf die individuelle Lebenssituation übertragen werden.

Drei Studien und eine gemeinsame Botschaft

Das DSGV-Vermögensbarometer, die BVR-Weltspartagsstudie und unsere NextGen Studie sind methodisch nicht identisch. Die betrachteten Altersgruppen unterscheiden sich ebenso wie die Fragestellungen und die Untersuchungsdesigns. Ihre Prozentwerte sollten deshalb nicht unmittelbar miteinander verrechnet oder als ein gemeinsamer Datensatz interpretiert werden.

In ihrer grundsätzlichen Richtung ergänzen sich die Ergebnisse jedoch bemerkenswert gut. Das Vermögensbarometer zeigt eine junge Generation mit Optimismus und wachsender Kapitalmarktorientierung. Die BVR-Studie macht deutlich, dass dieser Generation gleichzeitig keine unbegrenzten finanziellen Mittel zur Verfügung stehen und gerade junge Erwachsene eine erhebliche Differenz zwischen ihren Sparzielen und ihrem tatsächlichen Sparvolumen wahrnehmen. Die NextGen Studie zeigt schließlich, wie sich diese Zielgruppe informiert und welche Anforderungen sie an Banken stellt: digital, verständlich und gleichzeitig persönlich.

Daraus entsteht aus unserer Sicht eine klare Aufgabe für Banken. Aus Interesse muss Verständnis werden. Aus Sparbereitschaft muss ein realistischer Finanzplan entstehen. Und aus Information muss eine fundierte Entscheidung werden.

Fazit: Die entscheidende Frage ist nicht, ob junge Menschen investieren wollen

Junge Menschen sind bereit, Verantwortung für ihre finanzielle Zukunft zu übernehmen. Sie investieren zunehmend, interessieren sich für Vermögensaufbau und beschäftigen sich mit ihrer Altersvorsorge. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Datenlage, dass ihre finanziellen Möglichkeiten nicht beliebig groß sind und sie in einem immer komplexeren Informationsumfeld Entscheidungen treffen müssen.

Genau darin liegt eine der größten Chancen für Banken. Wer jungen Menschen nur einen Depotzugang anbietet, konkurriert vor allem über Preis und Benutzerfreundlichkeit. Wer dagegen hilft, finanzielle Ziele zu strukturieren, Zusammenhänge verständlich zu machen, Entscheidungen einzuordnen und eine langfristig tragfähige Strategie zu entwickeln, schafft einen Mehrwert, der weit über ein einzelnes Produkt hinausgeht.

Deshalb lautet die entscheidende Frage aus unserer Sicht nicht mehr: Wollen junge Menschen investieren?

Die aktuellen Studien liefern darauf längst eine Antwort. Die wichtigere Frage lautet: Wer hilft ihnen, aus dieser Bereitschaft eine langfristig gute Finanzentscheidung zu machen? Hier treffen Finanzbildung, digitale Leistungsfähigkeit und persönliche Beratungsqualität unmittelbar aufeinander. Genau an dieser Schnittstelle entscheidet sich, welche Banken für die nächste Generation tatsächlich relevant bleiben.

Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH. Weil wir Qualität prüfen.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV): Vermögensbarometer 2026: Sicherheit und Investieren gehören zusammen, veröffentlicht am 27. Oktober 2026. Repräsentative Kantar-Befragung von mehr als 4.800 Menschen ab 16 Jahren.
  • Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR): Weltspartag 2026: BVR-Studie zeigt kleinere Sparlücke. Repräsentative Kantar-Befragung zum Sparverhalten, zu Sparzielen und zur Sparlücke in Deutschland, veröffentlicht am 20. Oktober 2026.
  • Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH: NextGen Studie 2026: Erwartungen, Nutzungsverhalten und Angebotspräferenzen junger Bankkundinnen und -kunden. Repräsentative Untersuchung mit mehr als 1.000 jungen Erwachsenen.
  • Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH: Ergebnispräsentation und Zusammenfassung der NextGen Studie 2026. Zusammenfassung der Kernergebnisse zu Banknutzung, persönlicher Beratung, digitaler Finanzplanung, KI-Nutzung, Investmentangeboten und Multibanking.

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