Source: Deutsche Nachrichten
Einheitliche Pipeline-Phasen, aktuelle CRM-Daten und aussagekräftige Kennzahlen helfen, Verkaufschancen realistisch einzuschätzen. Das schafft eine bessere Grundlage für Entscheidungen im Vertrieb und für die anschließende Produktionsplanung.
Warum Forecasts unzuverlässig werden
Im Maschinen- und Anlagenbau liegen zwischen dem ersten Gespräch und einem Auftrag oft viele Schritte. Technische Anforderungen müssen geklärt, Budgets freigegeben und mehrere Personen in die Entscheidung einbezogen werden. Ein Forecast soll trotz dieser Unsicherheiten zeigen, mit welchen Aufträgen das Unternehmen rechnen kann. Dafür braucht es mehr als eine Liste offener Verkaufschancen.
Häufig fehlen in der Pipeline entscheidende Informationen: Wie weit ist die technische Klärung? Wann will der Kunde entscheiden? Ist das Budget bestätigt? Was wurde als nächster Schritt vereinbart? Werden solche Angaben nicht regelmäßig aktualisiert, bleiben Projekte im Forecast, obwohl sich ihre Voraussetzungen verändert haben.
Hinzu kommen unterschiedliche Bewertungen. Eine Person hält eine Chance bereits für abschlussnah, eine andere würde sie noch einer frühen Phase zuordnen. Solange die Kriterien dafür nicht gemeinsam festgelegt sind, wirkt der Forecast präziser, als er tatsächlich ist.
Pipeline-Phasen klar definieren
Eine gute Pipeline ist ein gemeinsames Steuerungsmodell. Jede Phase sollte beschreiben, welchen Stand ein Projekt erreicht hat und welche Informationen dafür vorliegen müssen. Eine Bezeichnung wie „Phase 3“ ist erst dann aussagekräftig, wenn alle Beteiligten dieselben Bedingungen damit verbinden.
Für eine fortgeschrittene Phase könnten beispielsweise eine vorliegende technische Spezifikation, eine bestätigte Ansprechperson auf Kundenseite, ein geklärtes Budget und ein geplanter Entscheidungszeitpunkt erforderlich sein. Die passenden Kriterien hängen vom jeweiligen Vertriebsprozess ab. Entscheidend ist, dass sie überprüfbar sind und im Team einheitlich angewendet werden.
Drei Fragen helfen bei der Gestaltung der Pipeline:
[*]Welche Informationen müssen in jeder Phase vorliegen?
[*]Ab wann gehört ein Projekt in den Forecast?
[*]Und wann ist eine Verkaufschance konkret genug, um sie auch in der Produktionsplanung zu berücksichtigen?
Gerade die letzte Frage ist im Anlagenbau wichtig: Ein möglicher Auftrag und eine belastbare Grundlage für die Kapazitätsplanung sind nicht immer dasselbe.
Welche Daten im CRM helfen
Eine Verkaufschance lässt sich besser bewerten, wenn ihr aktueller Stand für andere nachvollziehbar dokumentiert ist. Dazu gehören insbesondere der Projektstatus, das erwartete Auftragsvolumen, der geplante Entscheidungszeitpunkt, relevante Ansprechpersonen, offene technische Fragen und die nächste verbindliche Aktivität.
Dabei sollten Teams zwischen Fakten und Einschätzungen unterscheiden. Ein versandtes Angebot, eine bestätigte Budgetfreigabe oder ein vereinbarter Termin lassen sich dokumentieren. Eindrücke wie „gute Stimmung“ oder „hohes Interesse“ können ebenfalls hilfreich sein, ersetzen diese Informationen aber nicht.
Für die Bewertung einer Chance lohnt sich deshalb ein kurzer Blick auf konkrete Fragen:
- Welche fachlichen oder technischen Punkte sind bereits geklärt?
- Ist der Entscheidungsprozess auf Kundenseite bekannt?
- Gibt es eine verlässliche zeitliche Einschätzung?
- Ist der wirtschaftliche Nutzen für den Kunden beschrieben?
- Welcher nächste Schritt ist mit wem und für wann vereinbart?
Solche Kriterien verringern den Interpretationsspielraum. Sie helfen zudem, ein Projekt nach längerer Zeit wieder aufzunehmen, ohne dessen Stand allein aus Gesprächsnotizen oder der Erinnerung einzelner Personen rekonstruieren zu müssen.
Kennzahlen für die Vertriebssteuerung
Nicht jede verfügbare Kennzahl verbessert den Forecast. Sinnvoll ist eine Auswahl, die sowohl Ergebnisse als auch die Entwicklung der Pipeline sichtbar macht. Zu den Ergebniskennzahlen zählen etwa Auftragsvolumen, Forecast-Genauigkeit, Abschlussquote und durchschnittliche Dauer des Vertriebszyklus. Qualifizierte Gespräche, Folgeaktivitäten und neu angelegte Chancen zeigen ergänzend, ob sich ausreichend neue Projekte entwickeln.
Wichtig ist außerdem die Verteilung des erwarteten Volumens auf frühe, mittlere und späte Pipeline-Phasen. Eine gut gefüllte Pipeline bietet wenig Planungssicherheit, wenn fast alle Chancen noch am Anfang stehen. Umgekehrt sollte bei fortgeschrittenen Projekten erkennbar sein, auf welchen bestätigten Informationen ihre Bewertung beruht.
Ein nützliches Warnsignal ist Inaktivität. Hat sich bei einer Verkaufschance über Wochen nichts Nachvollziehbares bewegt, sollte das Team ihre Einstufung prüfen. Eine lange Verweildauer ist bei komplexen Projekten nicht automatisch ein Problem. Fehlen jedoch ein aktueller Status und ein nächster Schritt, steigt die Unsicherheit im Forecast.
Kennzahlen werden erst dann zum Steuerungsinstrument, wenn das Team daraus Maßnahmen ableitet: Welche technische Frage muss geklärt werden? Bei welchem Projekt droht eine Verschiebung? Wer übernimmt die nächste Aktivität? Wenige regelmäßig besprochene Kennzahlen sind dafür oft hilfreicher als ein umfangreicher Bericht ohne klare Konsequenzen.
Was ein Dashboard zeigen sollte
Ein Dashboard soll wichtige Fragen schnell beantworten. Für den Maschinen- und Anlagenbau sind vor allem drei Perspektiven hilfreich: Wie verteilen sich Verkaufschancen auf die Pipeline-Phasen? Wie entwickelt sich das erwartete Auftragsvolumen über die Zeit? Und welche Projekte sind für den Übergang in die Produktionsplanung bereits ausreichend konkret?
Dazu braucht das Management einen Blick auf Veränderungen, nicht nur auf Summen. Welche Projekte haben seit der letzten Besprechung Fortschritte gemacht? Wo sind technische oder kaufmännische Punkte offen? Welche Entscheidungen haben sich verschoben? Eine kurze Zusammenfassung je Verkaufschance kann diese Entwicklung leichter erkennbar machen.
CRM-Lösungen wie Microsoft Dynamics 365 Sales können definierte Phasen, erforderliche Angaben und Dashboards abbilden. Power BI kann zusätzlich Daten aus mehreren Bereichen zusammenführen. Der Nutzen solcher Übersichten hängt allerdings davon ab, ob die zugrunde liegenden Projektinformationen gepflegt und die angezeigten Kennzahlen im Unternehmen gleich verstanden werden.
Datenpflege im Alltag erleichtern
Wenn ein CRM nur als zusätzliche Dokumentationspflicht wahrgenommen wird, leidet häufig die Qualität der Einträge. Klare Regeln allein lösen das nicht. Teams brauchen einen erkennbaren Nutzen: weniger Rückfragen zum Projektstand, schnellere Vorbereitung auf Kundengespräche und bessere Entscheidungen über Prioritäten.
Hilfreich sind deshalb schlanke Mindestangaben pro Phase und einfache Regeln für Aktualisierungen. Nach einem wichtigen Kundengespräch sollte beispielsweise feststehen, was sich am Projektstand geändert hat, welche Punkte offen sind und wann die nächste Aktivität folgt. So bleibt die Pipeline aktuell, ohne dass jede Verkaufschance mit unnötigen Feldern überladen wird.
KI-Funktionen können unterstützen, etwa indem sie Informationen zu einer Verkaufschance zusammenfassen, auf längere Inaktivität hinweisen oder nächste Schritte vorschlagen. Bei komplexen Vertriebsprojekten bleiben diese Hinweise eine Hilfe für das Team. Die Einordnung von Kundenentscheidungen, technischen Risiken und realistischen Terminen erfordert weiterhin fachliche Prüfung.
Fazit
Ein belastbarer Forecast entsteht nicht erst im Managementbericht. Er beginnt bei klar definierten Pipeline-Phasen und sorgfältig gepflegten Verkaufschancen. Wenn Fakten von Einschätzungen getrennt, wenige relevante Kennzahlen regelmäßig besprochen und Veränderungen früh sichtbar werden, können Vertrieb und Produktion auf einer gemeinsamen Grundlage planen.
Arineo GmbH
Die Arineo GmbH unterstützt mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung und dem produktiven Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Als Microsoft Solutions Partner, mehrfaches Mitglied im Inner Circle for Microsoft AI Business Solutions und SAP Gold Partner verbindet Arineo KI und KI-Agenten mit Geschäftsprozessen und Plattformen wie Microsoft Dynamics 365 und Microsoft 365. Zum Portfolio gehören ERP, CRM, Customer Experience, Automation, Modern Workplace sowie Data und Analytics.
Arineo beschäftigt rund 400 Mitarbeitende an 18 Standorten in Europa und China. Das Göttinger Stiftungsunternehmen befindet sich im Verantwortungseigentum seiner Mitarbeitenden und ist damit dauerhaft unabhängig. Seit 2023 trägt Arineo das Siegel berufundfamilie.
