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Zuckersteuer: Mehrheit skeptisch – aber Befürworter wollen sogar mehr als eine Softdrink-Abgabe

Zuckersteuer: Mehrheit skeptisch – aber Befürworter wollen sogar mehr als eine Softdrink-Abgabe

Source: Deutsche Nachrichten
Das Kabinett hat zwar die Zuckersteuer beschlossen, doch in der Union wächst bereits der Widerstand. In der Unionsfraktion wollen mehr als 20 Abgeordnete dagegen stimmen. Das spiegelt die Stimmungslage der Bevölkerung durchaus wider:Über die Hälfte der Deutschen hält eine Zuckersteuer nicht für sinnvoll. Und wer sie unterstützt, möchte allerdings meist mehr Produkte einbeziehen als nur zuckergesüßte Getränke. Das zeigt eine ganz akutell erhobene Studie des Marktforschungsinstituts Innofact.

Die Zuckersteuer überzeugt eine Mehrheit der Befragten nicht: Knapp über 57 Prozent halten sie grundsätzlich für nicht sinnvoll, rund 43 Prozent für sinnvoll. Zugleich zweifeln viele an den politischen Motiven. 70,6 Prozent vermuten, dass es der Bundesregierung ausschließlich oder überwiegend um zusätzliche Steuereinnahmen geht. Nur 26,5 Prozent sehen die Gesundheit der Bevölkerung und die Entlastung der Krankenkassen im Vordergrund. Insbesondere mit dem Alter wächst das Misstrauen gegenüber den politischen Motiven: 74 Prozent der 50- bis 79-Jährigen vermuten hinter der Zuckersteuer vor allem zusätzliche Steuereinnahmen. Unter den 30- bis 49-Jährigen sind es 69,5 Prozent, unter den 18- bis 29-Jährigen 63 Prozent. Das ist nicht von der Hand zu weisen: Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) rechnet immerhin mit 820 Millionen Euro Einnahmen im ersten Jahr. Im Haushalt zählt derzeit jeder Euro.  

Deutliche Unterschiede zeigen sich nach Bildung und Einkommen. Unter Befragten mit abgeschlossenem Hochschulstudium halten 65 Prozent eine Zuckersteuer für sinnvoll, unter Menschen mit Volks- oder Hauptschulbildung lediglich rund 32 Prozent. Bei einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen ab 4.000 Euro liegt die Zustimmung bei 56,4 Prozent, unter 2.000 Euro bei 33,7 Prozent. Auch beim Alter zeigen sich Unterschiede: Am skeptischsten sind die 30- bis 49-Jährigen – nur rund 38 Prozent halten eine Zuckersteuer für sinnvoll. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 43 Prozent, bei den 50- bis 79-Jährigen rund 46 Prozent.

Der Entwurf sieht ab dem 1. Juli 2027 insgesamt 26 Cent pro Liter auf gesüßte Getränke ab fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter vor, ab acht Gramm 32 Cent. Das geht interessanterweise den positiv eingestellten Befragten nicht weit genug: Dreiviertel der 442 Befürworter wünschen sich sogar eine Besteuerung über zuckergesüßte Getränke hinaus. Knapp 32 Prozent dieser Gruppe würden sämtliche Produkte mit hohem Zuckergehalt einbeziehen – etwa auch Fruchtjoghurt, Fertigmüsli, Ketchup und Fertigsoßen. Weitere rund 21 Prozent wollen alle zuckerreichen Getränke erfassen, einschließlich Fruchtsäften und Smoothies. Ein Fünftel spricht sich zusätzlich für eine Steuer auf offensichtlich zuckerreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten und süße Brotaufstriche aus. Nur rund 27 Prozent der Befürworter würden die Abgabe auf zuckergesüßte Getränke wie Cola, Softdrinks und Energydrinks begrenzen. Fazit: Zucker bleibt ein Thema.

Zur Studie: Innofact befragte Anfang Oktober 2026 online 1.033 Menschen zwischen 18 und 79 Jahren bevölkerungsrepräsentativ. Bei der Grundsatzfrage standen ausschließlich „sinnvoll“ und „nicht sinnvoll“ zur Auswahl.

MIL OSI