Source: Deutsche Nachrichten
Das Bundesumweltministerium hat den Auftrag zur Entwicklung einer mobilen Entsorgungsanlage auf See erteilt. Er geht an die Bietergemeinschaft DSTAR, die aus drei Unternehmen besteht: Dynasafe Demil Systems AB (Schweden) plant, baut und betreibt Lösungen und Anlagen für die sichere und umweltfreundliche Entsorgung konventioneller und chemischer Munition; SeaTerra GmbH (Wandlitz) ist spezialisiert in der Kampfmittelsondierung und -räumung; und die Werft Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft SE (Lemwerder) entwickelt und baut Spezialschiffe. Die Anlage, die anschließend gebaut werden soll, soll die nach den Weltkriegen in Nord- und Ostsee verklappte Altmunition bergen und unschädlich machen. Das Fraunhofer ICT ist mit Armin Keßler, Laura Wachter und Conrad Waßmner im Sofortprogramm als Teil des interdisziplinären Projektteams für Sicherheitsfragen verantwortlich.
Im Rahmen des Sofortprogramms soll die Machbarkeit einer sicheren, effizienten und umweltgerechten Bergung und Entsorgung von Munitionsaltlasten in einem exemplarischen Munitionsversenkungsgebiet in der Ostsee nachgewiesen werden. Hierbei kommen erprobte Technologien der Meerestechnik, der Prozess- und Verfahrenstechnik, der Kampfmittelbeseitigung sowie in den letzten Jahren entwickelte Lösungsansätze mit einem hohen technologischen Reifegrad zum Einsatz. Die Erkenntnisse daraus dienen Bund und Ländern als Grundlage für den systematischen Einstieg in die industrielle Beseitigung von Munitionsaltlasten in deutschen Meeresgebieten.
Jüngste Aufgaben waren unter anderem die Definition der umfangreichen und hochkomplexen Anforderungen der zu bauenden Offshore-Munitionsentsorgungsanlage in enger Absprache mit den anderen Projektteams. Die Anlage soll auf einer etwa 100 mal 50 Meter großen Hubinsel installiert werden. Zu den Anforderungen an die Versuchsanlage zählten beispielsweise die Vermeidung von Störungsfällen, die Vermeidung von Kontamination mit Gefahrstoffen, Definition von Sicherheitsabständen, Redundanzen und Ausfallsicherheit.
Das Fraunhofer ICT bringt seine langjährige und fundierte Expertise in den Bereichen Explosivstoffe und Sicherheitskonzepte in das Projekt ein. Sie umfasst den sicheren Umgang mit Explosivstoffen, die Bewertung und Einordnung von Explosivstoffrisiken, die Einschätzung von Gefahrenbereichen sowie systematische Risikoanalysen, Explosionsschutz sowie Prozess- und Anlagensicherheit.
Mit diesem Schritt wird ein weiterer wichtiger Meilenstein für den Schutz von Nord- und Ostsee erreicht. Die nach den Weltkriegen dort versenkte Munition stellt nämlich durch Korrosion und Zerfall eine erhebliche Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Die Plattform wird die erste solche Anlage weltweit sein und soll damit nicht nur zum Meeresschutz beitragen, sondern auch die Entwicklung einer neuen industriellen Technologie voranbringen.
