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Konsum wird in China zum Wachstumsmotor Exklusiv

Konsum wird in China zum Wachstumsmotor Exklusiv

Source: People’s Republic of China – State Council News in German

Von Oliver Eschke

Die lange Feiertagsperiode in China rund um das Mondfest (25. September) und den Nationalfeiertag (1. Oktober) zeigt, wie breit, modern und dynamisch der chinesische Binnenmarkt mittlerweile geworden ist. Dabei wird auch die wachsende Bedeutung des Konsums für die Wirtschaftsentwicklung deutlich.

Wer verstehen will, wohin sich Chinas Wirtschaft entwickelt, sollte auf die „Goldene Woche“ schauen. Vom 1. bis 7. Oktober 2026 zählte das Verkehrsministerium 2,142 Milliarden überregionale Personenreisen, im Schnitt 306 Millionen pro Tag und damit 0,6 Prozent mehr als im Tagesmittel der Feiertage 2025. Die Bahn steigerte ihr tägliches Fahrgastaufkommen sogar um 12,7 Prozent. Allein am 1. Oktober beförderte sie 25,2 Millionen Menschen und stellte damit einen neuen Tagesrekord auf.

Was Inlandsreisen angeht, so wurden während der siebentägigen Feiertage 826 Millionen Reisen verzeichnet, woraus sich laut dem Ministerium für Kultur und Tourismus fast 740 Milliarden Yuan (etwa 99 Milliarden Euro) Tourismusausgaben ergaben. Im vergleichbaren Tagesdurchschnitt stiegen die Werte gegenüber 2025 um 6,3 Prozent bzw. 4,3 Prozent.

Touristen besuchen die historische Gemeinde Guandu in Kunming in der südwestchinesischen Provinz Yunnan. (Foto vom 3. Oktober 2026, Hu Chao/Xinhua)

Weil zwischen Mondfest und Nationalfeiertag nur drei Arbeitstage lagen, verbanden viele Reisende beide Ferien mit der Formel „Take 3 Days Off, Rest 13“ mit nur drei Urlaubstagen zu einer 13-tägigen Auszeit. Dies schuf für viele Menschen genügend Zeit für ausgiebige Reisen. Im Jahresvergleich verzeichneten die Buchungszahlen bei verschiedenen Online-Reiseplattformen ein kräftiges Wachstum: Die Zahl der Touristen für Aufenthalte in vier oder mehr Städten stieg bei Qunar um 53 Prozent; die Flugbuchungen über mehr als 2.000 Kilometer legten bei Meituan um 76 Prozent zu. Bei Tuniu entfielen 26 Prozent der Buchungen auf Reisen von zehn Tagen und mehr. Der Yongle-Palast im kleinen Kreis Ruicheng in Shanxi zählte – ausgelöst durch einen Animationsfilm – rund 80.000 Besuche und damit über 50 Prozent mehr als im Vorjahr.

Streben nach Erlebnissen statt reinen Produktkäufen

Laut Mehrwertsteuer-Rechnungsdaten stiegen die durchschnittlichen Tagesumsätze in den konsumnahen Dienstleistungsbranchen um 19,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr: Tourismus und Unterhaltung legten um 23,6 Prozent zu, Kultur und Kunst um 20,9 Prozent, der Sport sogar um 29,4 Prozent. Dies zeigt, dass sich der chinesische Konsum vom reinen Warenkauf hin zu Freizeit, Kultur und Erlebnissen verlagert. Genau diesen Wandel beschreiben Ökonomen seit Jahren als einen wichtigen Motor für ein stärker binnenmarktgetriebenes Wachstumsmodell.

Kunden stehen in einem Duty-Free-Geschäft der China Duty Free Group am Riyue-Platz in Haikou an der Kasse Schlange. (Foto vom 7. Oktober 2026, Yang Guanyu/Xinhua)

Das heißt jedoch keinesfalls, dass der Warenkonsum stagnierte; auch er wuchs, vor allem dort, wo die Politik gezielt Impulse setzt. Das Inzahlungnahmeprogramm für Konsumgüter führte beispielsweise allein an den ersten drei Feiertagen zum Nationalfeiertag zu Umsätzen von 19,63 Milliarden Yuan, wovon 3,48 Millionen Verbraucher profitierten. Die Umsätze mit Haushaltsgeräten, Audio- und Videogeräten stiegen während der siebentägigen Feiertage um 40,1 Prozent, bei Smartphones, Wearables und anderen Kommunikationsgeräten gab es mit einem Plus von 119,8 Prozent mehr als eine Verdoppelung. In 78 vom Handelsministerium beobachteten Einkaufsstraßen wuchsen die Umsätze in den ersten drei Tagen um 5,3 Prozent, der zollfreie Einkauf auf Hainan um 8,85 Prozent auf 358 Millionen Yuan. Das ist bemerkenswert, denn der Einzelhandel insgesamt war zuvor von Januar bis August nur um 1,1 Prozent gewachsen. Die Feiertage zeigen also, wie viel Kaufkraft sich in China mobilisieren lässt, wenn Anlass, Angebot und Förderung zusammenkommen.

Grüner Urlaub

Besonders deutlich wird der Strukturwandel auf den Autobahnen. An den dortigen Ladesäulen wurden während der Ferien 6,71 Millionen Ladevorgänge mit insgesamt 163 Millionen Kilowattstunden registriert. Die tägliche Lademenge lag um 51,42 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Verkehr mit New Energy Vehicles (NEV) wuchs um 35 Prozent, was in Kombination zeigt, dass der Ausbau der Infrastruktur mit der Nachfrage Schritt hält. China verfügt inzwischen über mehr als 24 Millionen Ladeeinrichtungen, das größte Netz der Welt.

Auch digitale und intelligente Produkte prägen den Konsum. In den ersten drei Ferientagen wurden 1,71 Millionen solcher Geräte verkauft. Wie stark diese Produkte in den Alltag eingezogen sind, wurde vielerorts sichtbar: Im südwestchinesischen Chengdu etwa tanzten Roboter zu Motiven der Sichuan-Oper, an der Einkaufsmeile Chunxi Road arbeitete ein humanoider Roboter als Filialleiter. Auch auf dem Weltmarkt zeigt sich die starke Stellung Chinas: Im ersten Halbjahr 2026 entfielen rund 97 Prozent der weltweiten Auslieferungen humanoider Roboter auf Hersteller aus diesem Land.

Offen für die Welt

Schließlich zeigt die „Goldene Woche“ Chinas Öffnung. Mit 15,46 Millionen Grenzübertritten lag das Aufkommen 6,7 Prozent über dem Vorjahr. China gewährt aktuell Staatsangehörigen aus 50 Ländern eine einseitige visumfreie Einreise. Ausländer überquerten in den ersten acht Monaten 2026 rund 61,3 Millionen Mal die Grenze, 19,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Sowohl die Beträge als auch die Zahl der Transaktionen ausländischer Nutzer über WeChat Pay nahmen um über 80 Prozent zu. Von Januar bis Juli gaben Besucher aus dem Ausland 263,6 Milliarden Yuan in China aus – ein Plus von 27,8 Prozent.

Wenn man all dies zusammennimmt, kommt man zu einem eindeutigen Ergebnis. Die „Goldene Woche“ 2026 belegt, dass der Konsum in China zu einer tragenden Säule der Wirtschaft geworden ist. Er wird vielfältiger, qualitätsorientierter, grüner und digitaler. Moderne Infrastruktur, eine gezielte Förderpolitik und kaufkräftige, reisefreudige Menschen mit mittlerem Einkommen greifen dabei ineinander. Für Deutschland und Europa ist das eine gute Nachricht, denn ein starker chinesischer Binnenmarkt eröffnet Chancen für Tourismus, Konsumgüter und Technologie und macht China zu einem noch interessanteren Partner.

Der Autor ist langjähriger Ostasienexperte, war lange Jahre für internationale und chinesische Organisationen tätig und arbeitet nun als freier Journalist in China. Die Meinung des Autors spiegelt die Position unserer Webseite nicht notwendigerweise wider.

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