Source: Deutsche Nachrichten
Die Frage, ob eine Anlage zum persönlichen Vermögensaufbau passt, rückt dabei nicht selten in den Hintergrund.
Dabei beginnt eine vernünftige Vermögensstrategie eigentlich an einer anderen Stelle: bei der Frage, was überhaupt geschützt und erhalten werden soll.
Denn Vermögen aufzubauen ist nur die eine Seite. Die andere besteht darin, das Erreichte nicht durch unnötige Risiken wieder aufs Spiel zu setzen. Genau hier liegt der Unterschied zwischen Spekulation und langfristigem Vermögensschutz.
Rendite ist nicht alles
Natürlich ist Rendite wichtig. Ohne Wachstum lässt sich langfristig kaum Vermögen aufbauen. Wer jedoch ausschließlich auf die höchste mögliche Rendite schaut, betrachtet nur einen Teil des Bildes.
Eine Anlage kann beispielsweise hohe Gewinnchancen bieten und gleichzeitig erhebliche Verlustrisiken mit sich bringen. Das ist nicht automatisch schlecht. Es muss nur zur eigenen finanziellen Situation, zum Anlagehorizont und zur persönlichen Risikobereitschaft passen.
Problematisch wird es, wenn aus einer langfristigen Geldanlage plötzlich eine Wette auf die nächste Kursbewegung wird.
Dann entscheidet nicht mehr die grundsätzliche Qualität einer Anlage, sondern zunehmend die Frage: Habe ich zum richtigen Zeitpunkt gekauft? Steigt der Kurs weiter? Sollte ich verkaufen? Oder lieber noch warten?
Wer so investiert, steht schnell vor dem Bildschirm und verfolgt Kurse wie ein Fußballfan die letzten Minuten eines spannenden Spiels.
Vermögensaufbau sollte jedoch nicht permanent von Nervosität begleitet sein.
Vermögensschutz beginnt mit der richtigen Perspektive
Wer Vermögen schützen möchte, muss zunächst verstehen, wovor er es eigentlich schützen will.
Das kann Inflation sein. Es können steigende Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Krisen, Währungsschwankungen oder politische und geopolitische Veränderungen sein. Auch eine zu starke Abhängigkeit von einer einzigen Anlageklasse kann ein Risiko darstellen.
Die BaFin weist regelmäßig darauf hin, dass Finanzanlagen unterschiedlichen Risiken ausgesetzt sind und Anleger ihre persönliche Situation und Risikotragfähigkeit berücksichtigen sollten. Auch die Entwicklungen an den Finanzmärkten zeigen immer wieder, wie schnell sich Erwartungen verändern können.
Dabei geht es nicht darum, Krisen vorherzusagen. Das kann niemand zuverlässig.
Es geht vielmehr darum, das eigene Vermögen so aufzustellen, dass nicht jedes unerwartete Ereignis sofort zu einem existenziellen Problem wird.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Sachwerte können eine andere Funktion erfüllen
Sachwerte spielen in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle. Sie unterscheiden sich von klassischen Geldwerten dadurch, dass ihnen ein realer wirtschaftlicher Wert zugrunde liegt.
Gold ist dafür das bekannteste Beispiel. Ein Goldbarren ist kein Zahlungsversprechen einer Bank und keine Forderung gegenüber einem Unternehmen. Er ist ein physischer Gegenstand mit einem weltweit bekannten Marktwert.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Gold immer steigt oder keine Preisschwankungen kennt. Auch Gold kann deutlich an Wert verlieren oder über längere Zeiträume seitwärts laufen.
Seine Stärke liegt vielmehr in seiner besonderen Funktion innerhalb einer Vermögensstruktur.
Das wird auch bei der Betrachtung der weltweiten Währungsreserven deutlich. Gold wird von Zentralbanken weiterhin als strategischer Bestandteil ihrer Reserven gehalten. Die Europäische Zentralbank beschreibt unter anderem Diversifikation und den Schutz vor geopolitischen Risiken als Gründe für die zunehmende Bedeutung von Gold in den Reserven.
Für private Anleger lässt sich daraus nicht automatisch ableiten, dass jeder einen bestimmten Prozentsatz seines Vermögens in Gold investieren sollte. Die Situationen sind zu unterschiedlich.
Aber es zeigt: Gold wird nicht nur von Anlegern gekauft, die auf einen steigenden Preis wetten. Es besitzt auch eine Funktion als langfristiger Vermögensbaustein.
Nicht alles auf eine Karte setzen
Ein vernünftiger Vermögensaufbau besteht deshalb selten aus einer einzigen Anlageform.
Liquidität hat ihre Berechtigung. Sie sorgt dafür, dass unerwartete Ausgaben bezahlt werden können und man nicht bei jeder finanziellen Veränderung Vermögenswerte verkaufen muss.
Wertpapiere können langfristiges Wachstum ermöglichen.
Sachwerte können eine zusätzliche Ebene in die Vermögensstruktur bringen.
Und innerhalb der Sachwerte wiederum gibt es unterschiedliche Eigenschaften. Gold und Silber werden beispielsweise sowohl als Edelmetalle als auch als Wertaufbewahrungsmittel betrachtet. Technologiemetalle und Seltene Erden sind dagegen stärker von industrieller Nachfrage, technologischer Entwicklung und globalen Lieferketten abhängig.
Diversifikation bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Produkte zu besitzen.
Sie bedeutet, verschiedene Risiken miteinander zu verbinden.
Wie bei einem Haus: Ein einziges Fundament kann stabil sein. Mehrere tragende Elemente machen das Gebäude jedoch widerstandsfähiger, wenn sich die Bedingungen verändern.
Vermögensschutz ist keine Panikstrategie
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, Vermögensschutz mit Angst zu verbinden.
Wer Gold kauft, erwartet nicht zwangsläufig den nächsten großen Börsencrash. Wer Sachwerte besitzt, rechnet nicht automatisch mit einer Währungsreform.
Vermögensschutz kann auch einfach bedeuten, sich nicht vollständig von einer einzigen Entwicklung abhängig zu machen.
Das ist eigentlich eine sehr nüchterne Überlegung.
Auch eine Versicherung wird nicht abgeschlossen, weil man sich jeden Tag einen Schaden wünscht. Man schließt sie ab, weil man nicht weiß, ob und wann ein bestimmtes Risiko eintreten wird.
Ähnlich kann eine breiter aufgestellte Vermögensstruktur funktionieren.
Warum langfristiges Denken oft schwerfällt
Das größte Problem beim langfristigen Vermögensaufbau ist manchmal gar nicht die Auswahl der Anlage.
Es ist der Mensch selbst.
Wenn die Kurse steigen, entsteht schnell die Angst, etwas zu verpassen. Fallen die Kurse, wächst die Angst vor weiteren Verlusten. Beides kann zu Entscheidungen führen, die mit der ursprünglichen Strategie wenig zu tun haben.
Wer dagegen vorher festlegt, welche Aufgabe eine Anlage innerhalb des eigenen Vermögens übernehmen soll, schafft eine wichtige Orientierung.
Dann lautet die Frage nicht mehr:
„Was macht der Kurs morgen?“
Sondern:
„Welche Funktion erfüllt diese Anlage für mein Vermögen?“
Das ist ein kleiner Unterschied in der Formulierung – aber ein großer Unterschied in der Denkweise.
Gold ist kein Ersatz für eine komplette Vermögensstrategie
Bei aller Bedeutung von Sachwerten sollte man deshalb auch nicht ins andere Extrem verfallen.
Gold zahlt keine Zinsen und keine Dividenden. Sein Preis kann schwanken. Physische Edelmetalle müssen sicher gelagert werden und beim Kauf und Verkauf entstehen je nach Produkt und Anbieter Kosten.
Auch deshalb sollte Gold nicht als magische Lösung für jedes finanzielle Problem betrachtet werden.
Der sinnvollere Ansatz besteht darin, unterschiedliche Anlageformen nach ihren jeweiligen Eigenschaften zu betrachten.
Genau diese ausgewogene Betrachtung ist auch bei der Diversifikation entscheidend. GranValora beschreibt in seinem Beitrag „Diversifikation – warum muss mein Vermögen auf drei Beinen stehen?“ die unterschiedlichen Funktionen von Liquidität, Wachstum und Sachwertorientierung.
Vermögen erhalten heißt auch Kaufkraft erhalten
Ein weiterer Punkt wird bei Geldanlagen häufig unterschätzt: Der nominale Betrag auf dem Konto sagt wenig darüber aus, was man sich davon tatsächlich leisten kann.
Wenn Preise über Jahre steigen, sinkt die Kaufkraft eines unveränderten Geldbetrages.
Wer heute 100.000 Euro besitzt, hat zwar in zehn Jahren nominal immer noch 100.000 Euro. Entscheidend ist jedoch, welche Waren und Dienstleistungen sich dann dafür kaufen lassen.
Vermögensschutz bedeutet deshalb nicht nur, eine bestimmte Zahl auf einem Kontoauszug zu bewahren.
Es geht darum, die wirtschaftliche Substanz des Vermögens möglichst langfristig zu erhalten.
Ein anderer Blick auf Geldanlage
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Geldanlage muss nicht ständig aufregend sein.
Ein gutes Vermögen muss nicht jeden Tag Schlagzeilen produzieren. Es muss nicht bei jeder Marktbewegung neu ausgerichtet werden.
Viel wichtiger ist eine klare Struktur.
Wer ausreichend Liquidität besitzt, langfristig investiert und zusätzlich reale Werte berücksichtigt, kann sein Vermögen auf mehrere Säulen stellen. Welche Gewichtung sinnvoll ist, hängt dabei immer von der persönlichen Situation, dem Anlagehorizont und den eigenen Zielen ab.
Spekulation kann Teil einer Strategie sein. Sie sollte aber nicht mit Vermögensschutz verwechselt werden.
Denn wer bereits Vermögen aufgebaut hat, sollte sich irgendwann eine andere Frage stellen als nur: „Wie viel kann ich gewinnen?“
Die vielleicht wichtigere Frage lautet:
„Wie kann ich dafür sorgen, dass mein Vermögen auch dann Bestand hat, wenn die Zeiten einmal schwieriger werden?“
Häufige Fragen
Ist Vermögensschutz dasselbe wie eine möglichst sichere Geldanlage?
Nein. Vermögensschutz bedeutet nicht, dass eine Anlage keinerlei Schwankungen aufweisen darf. Es geht vielmehr darum, Risiken bewusst zu verteilen und die Abhängigkeit von einzelnen Anlageformen zu reduzieren.
Ist Gold für den Vermögensschutz geeignet?
Gold kann ein sinnvoller Bestandteil einer langfristig ausgerichteten Vermögensstruktur sein. Es sollte jedoch nicht als alleinige Anlage betrachtet werden.
Warum sind Sachwerte interessant?
Sachwerte verkörpern einen realen wirtschaftlichen Wert. Edelmetalle wie Gold und Silber können dabei eine andere Funktion erfüllen als beispielsweise liquide Geldanlagen oder Wertpapiere.
Muss man für Vermögensschutz auf Rendite verzichten?
Nein. Vermögensschutz und Vermögensaufbau schließen sich nicht aus. Entscheidend ist, unterschiedliche Ziele und Risiken miteinander zu verbinden.
