Source: Deutsche Nachrichten
Datendiebstahl, Spionage und Sabotage kosten deutsche Unternehmen 2026 zwischen 211 und 270,8 Milliarden Euro. Vorgestellt haben die Zahlen der Digitalverband Bitkom und das Bundesamt für Verfassungsschutz am 26. August 2026 in einer gemeinsamen Bundespressekonferenz. Grundlage ist eine telefonische Befragung von 1.003 Unternehmen ab zehn Beschäftigten und einem Jahresumsatz ab einer Million Euro, erhoben in den Kalenderwochen 16 bis 23 des Jahres 2026. Für Betriebe mit mehreren Standorten rückt damit der verschlüsselte Fernzugriff über ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) in den Blick, also die Frage, wofür Unternehmen ein eigenes VPN einsetzen.
Fast alle befragten Betriebe melden Angriffe oder vermuten sie
Nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz waren 96 Prozent der befragten Unternehmen von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen oder vermuten einen solchen Vorfall. 63 Prozent registrierten eine Zunahme der Cyberangriffe. Auf digitale Angriffe entfallen 76 Prozent der Schadenssumme, das sind 160,4 bis 205,8 Milliarden Euro.
Die Angriffsarten verschieben sich dabei laut der Erhebung deutlich:
- Ransomware traf 25 Prozent der Unternehmen, nach 34 Prozent im Vorjahr
- Schäden durch automatisierte Anrufe meldeten 14 Prozent, nach drei Prozent im Vorjahr
- Schäden durch Deepfakes meldeten acht Prozent, nach vier Prozent im Vorjahr
- Digitale Sabotage nannten 57 Prozent, das Abfangen von Kommunikation 54 Prozent
Erpressungssoftware geht damit zurück, während Angriffe zunehmen, die auf Täuschung und auf abgefangene Kommunikation setzen.
Die Zuordnung zu fremden Nachrichtendiensten steigt das dritte Jahr in Folge
Der Anteil der betroffenen Unternehmen, die mindestens einen Angriff der vergangenen zwölf Monate einem fremden Nachrichtendienst zuordnen können, liegt laut der Erhebung bei 37 Prozent. Im Vorjahr waren es 28 Prozent, im Jahr 2023 sieben Prozent. Nach China führten 52 Prozent der Betroffenen Spuren zurück, nach Russland 49 Prozent, dem Iran ordneten neun Prozent einen Angriff zu, nach vier Prozent im Vorjahr.
Zugleich verbessert sich die Aufklärung: Nach Angaben des Digitalverbands erhielten 50 Prozent der betroffenen Unternehmen von Behörden Hinweise, die ihnen weitergeholfen haben, gegenüber 35 Prozent im Vorjahr.
„Eine Schadenszahl in dieser Größenordnung beeindruckt und hilft im Betrieb wenig. Interessanter ist die Verschiebung der Methoden, denn sie sagt, welche Wege gerade offen stehen“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Der Fernzugriff verbindet die beiden auffälligsten Angriffswege
Abgefangene Kommunikation und digitale Sabotage haben eine gemeinsame Voraussetzung: einen Zugang von außen, der schwach abgesichert ist. Verteilte Standorte, Heimarbeitsplätze und Geräte von Dienstleistern erweitern diesen Rand, ohne dass die Zahl der Zugänge zentral sichtbar wäre.
Ein verschlüsselter Tunnel allein löst das nicht. Er wirkt erst zusammen mit einer Verwaltung, die weiß, welches Gerät welchen Zugang hat, und die ihn wieder entziehen kann. Wie eng beides zusammenhängt, beschreibt eine Darstellung dazu, wie sich Firmengeräte zentral verwalten lassen im Fachportal der Provimedia GmbH.
Auch außerhalb der Firmennetze bleibt die Betroffenheit hoch
Der private Bereich zeigt ein ähnliches Bild. Laut dem Cybersicherheitsmonitor des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention waren elf Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer allein im Vorjahr von einer Straftat im Internet betroffen. Von den Betroffenen berichten 88 Prozent von einem Schaden, ein Drittel von finanziellen Verlusten. Befragt wurden dafür im Januar 2026 mehr als 3.000 Personen ab 16 Jahren in deutschen Haushalten mit Internetzugang.
Die häufigsten Delikte waren laut der Befragung Betrug beim Onlineshopping mit 22 Prozent und beim Onlinebanking mit 13 Prozent, gefolgt von übernommenen Konten mit 14 Prozent und Phishing mit zwölf Prozent.
Woran sich das kommende Jahr messen lässt
Der Digitalverband erhebt die Zahlen zum Wirtschaftsschutz jährlich; die nächste Ausgabe wird zeigen, ob der Rückgang bei Erpressungssoftware anhält oder nur eine Verlagerung war. Aussagekräftig ist dabei weniger die Schadenssumme als der Anteil der Unternehmen, die einen Angriff überhaupt bemerken und zuordnen können.
Für den laufenden Betrieb folgt daraus eine unspektakuläre Aufgabe: eine aktuelle Liste aller Fernzugänge, ein dokumentierter Weg, sie zu entziehen, und eine Prüfung, welche Geräte diese Zugänge tatsächlich nutzen.
