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Aktuelle Studie zur Altersvorsorge: Für Banken ergibt sich daraus ein klarer Beratungsauftrag

Aktuelle Studie zur Altersvorsorge: Für Banken ergibt sich daraus ein klarer Beratungsauftrag

Source: Deutsche Nachrichten
Fehlendes Interesse ist offenbar nicht das zentrale Problem der privaten Altersvorsorge. Viele Menschen wissen, dass sie zusätzlich für den Ruhestand vorsorgen sollten. Ein erheblicher Teil wäre auch grundsätzlich dazu bereit. Zwischen diesem Vorsorgebewusstsein und dem tatsächlichen Handeln stehen jedoch unterschiedliche Hürden: fehlender finanzieller Spielraum, mangelndes Vertrauen in die langfristige Verlässlichkeit von Vorsorgelösungen und teilweise auch zu wenig Wissen oder Orientierung. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts INSA Consulere im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Vom 31. Juli bis zum 3. August 2026 wurden insgesamt 2.004 Personen ab 18 Jahren online befragt. Die Ergebnisse sind für Banken in mehrfacher Hinsicht relevant. Sie zeigen nicht nur ein grundsätzlich vorhandenes Potenzial für mehr private Vorsorge. Sie machen zugleich deutlich, dass Kundinnen und Kunden je nach Alter, Einkommen und persönlicher Situation ganz unterschiedliche Unterstützung benötigen. Genau diese Fähigkeit zur individuellen Einordnung wird im Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“ mit seinem Schwerpunkt Altersvorsorge zu einem entscheidenden Qualitätsmerkmal.

100 Euro mehr könnten das Vorsorgeverhalten deutlich verändern

Im Mittelpunkt der DIA-Befragung steht eine hypothetische, aber aufschlussreiche Frage: Angenommen, den Befragten stünden dauerhaft 100 Euro pro Monat zusätzlich zur Verfügung; würde dies etwas an ihrer privaten Altersvorsorge verändern? Über alle Altersgruppen hinweg antworten 52 Prozent, dass sie in diesem Fall erstmals privat für das Alter vorsorgen oder ihre bestehende Altersvorsorge erhöhen würden. 36 Prozent würden ihr Vorsorgeverhalten nicht verändern. Elf Prozent können oder wollen sich nicht festlegen. Noch deutlicher fällt die Bereitschaft bei den jüngeren Altersgruppen aus. Von den 18- bis 29-Jährigen würden 65 Prozent den zusätzlichen finanziellen Spielraum für den Aufbau oder die Ausweitung ihrer privaten Altersvorsorge nutzen. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 62 Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen 57 Prozent und selbst unter den 50- bis 59-Jährigen noch 53 Prozent. Damit zeigt sich in allen Altersgruppen zwischen 18 und 59 Jahren eine absolute Mehrheit, die bei dauerhaft besseren finanziellen Möglichkeiten zusätzlich vorsorgen würde. Erst bei den 60- bis 69-Jährigen halten sich Zustimmung und Ablehnung mit jeweils 46 Prozent die Waage. Bei den Befragten ab 70 Jahren überwiegt die Gruppe, die ihr Vorsorgeverhalten nicht mehr verändern würde. Die Ergebnisse dürfen nicht als Prognose verstanden werden, dass zusätzliche 100 Euro automatisch und vollständig in Vorsorgeprodukte fließen würden. Die Frage bildet eine hypothetische Absicht ab. Dennoch liefert sie einen wichtigen Hinweis: Die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge ist größer, als es die tatsächliche Vorsorgeaktivität vieler Menschen vermuten lässt.

Nicht fehlende Priorität, sondern fehlender Spielraum ist das größte Hindernis

Gefragt nach dem persönlich größten Hindernis für den Aufbau einer ausreichenden privaten Altersvorsorge nennen 43 Prozent der Befragten zu wenig finanziellen Spielraum. Dieser Faktor liegt damit deutlich vor allen anderen Antwortmöglichkeiten. An zweiter Stelle folgt mit 29 Prozent ein zu geringes Vertrauen in die langfristige Verlässlichkeit von Finanz- und Vorsorgeprodukten. Zehn Prozent nennen fehlendes Wissen oder mangelnde Orientierung bei der Auswahl geeigneter Vorsorgelösungen. Lediglich acht Prozent geben an, kein Interesse an Altersvorsorge zu haben oder ihr keine ausreichende Priorität einzuräumen.

Diese Verteilung verändert die Perspektive auf das vermeintliche Vorsorgedefizit. Viele Menschen handeln nicht deshalb zu wenig, weil ihnen ihre finanzielle Zukunft gleichgültig wäre. Häufig fehlen entweder die wirtschaftlichen Möglichkeiten oder das Vertrauen, sich langfristig an eine Vorsorgelösung zu binden. Aus Sicht der Gesellschaft für Qualitätsprüfung lässt sich daraus eine zentrale These ableiten:

Private Altersvorsorge scheitert häufig nicht am fehlenden Willen, sondern an der fehlenden Verbindung aus finanziellem Spielraum, Vertrauen und verständlicher Orientierung.

Eine gute Bank muss deshalb mehr leisten, als die Bedeutung der Altersvorsorge zu betonen oder einzelne Produkte anzubieten. Sie muss zunächst erkennen, welche Hürde im konkreten Fall tatsächlich besteht.

Unterschiedliche Einkommen, unterschiedliche Beratungsaufträge

Besonders deutlich wird dies beim Blick auf die Einkommensgruppen. Unter den Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1.000 Euro nennen 62 Prozent den fehlenden finanziellen Spielraum als größtes Hindernis. Mit zunehmendem Einkommen sinkt dieser Anteil. Bei einem Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro oder mehr sind es noch 33 Prozent. Beim Vertrauen zeigt sich dagegen eine nahezu gegenläufige Entwicklung. In der niedrigsten Einkommensgruppe nennen zwölf Prozent ein zu geringes Vertrauen in die langfristige Verlässlichkeit von Finanz- und Vorsorgeprodukten. In der höchsten untersuchten Einkommensgruppe steigt dieser Anteil auf 38 Prozent und wird dort sogar zum meistgenannten Hindernis. Damit entstehen zwei unterschiedliche Beratungsaufträge. Bei begrenztem Einkommen muss eine Bank zunächst realistisch prüfen, welcher Beitrag überhaupt dauerhaft tragbar ist. Dabei darf Altersvorsorge nicht isoliert betrachtet werden. Notwendige Liquiditätsreserven, existenzielle Absicherungen, laufende Verpflichtungen und mögliche Verschuldungsrisiken müssen in die Analyse einbezogen werden. Bei höheren Einkommen steht dagegen häufiger die Frage im Mittelpunkt, welcher Lösung langfristig vertraut werden kann. Kunden wollen nachvollziehen können, wie Kosten, Renditechancen, Risiken, steuerliche Rahmenbedingungen und Flexibilität zusammenspielen. Sie erwarten Transparenz darüber, was garantiert ist, welche Annahmen lediglich Modellcharakter haben und wie sich eine Lösung bei veränderten Lebensumständen anpassen lässt. Ein einheitliches Verkaufskonzept kann diesen unterschiedlichen Ausgangslagen nicht gerecht werden. Erforderlich ist eine individuelle Finanzanalyse, die nicht mit einem Produkt beginnt, sondern mit den persönlichen Zielen, Möglichkeiten und Bedenken des Kunden.

Vertrauen wird zum entscheidenden Qualitätsfaktor

Dass 29 Prozent der Befragten mangelndes Vertrauen als größtes Hindernis nennen, ist für Banken ein besonders wichtiger Befund. Vertrauen lässt sich nicht durch eine Werbeaussage oder ein Qualitätssiegel allein herstellen. Es entsteht im gesamten Prozess – vom ersten digitalen Kontakt über das Beratungsgespräch bis zur langfristigen Betreuung. Verbraucher müssen erkennen können, warum eine bestimmte Lösung empfohlen wird, welche Alternativen bestehen und welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind. Ebenso wichtig ist die Frage, ob die Empfehlungen auch bei kritischen Nachfragen nachvollziehbar bleiben. Gute Beratung darf deshalb Unsicherheiten nicht überdecken. Sie muss deutlich machen, welche Entwicklungen nicht zuverlässig vorhergesagt werden können und wie eine Vorsorgestrategie mit diesen Unsicherheiten umgeht. Gerade bei langfristigen Verträgen, kapitalmarktbasierten Lösungen oder neuen geförderten Angeboten ist diese Transparenz unverzichtbar. Vertrauen entsteht zudem nicht erst im persönlichen Gespräch. Viele Interessenten informieren sich zunächst auf der Website einer Bank, in der Banking-App, über soziale Medien, Suchmaschinen oder KI-Anwendungen. Finden sie dort überwiegend Produktwerbung, unverständliche Fachbegriffe oder schwer vergleichbare Leistungsversprechen, kann die Vertrauensbildung bereits vor dem ersten Kontakt scheitern.

Der digitale Ersteindruck muss Orientierung schaffen

Der neue Digital-Check im Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“ trägt dieser Entwicklung Rechnung. Er wurde vollständig überarbeitet und inhaltlich erweitert. Mit dem Schwerpunkt Altersvorsorge rückt stärker in den Mittelpunkt, wie Banken das komplexe Thema bereits digital aufbereiten und ob Interessenten einen verständlichen Zugang erhalten. Entscheidend ist nicht allein, ob eine Bank Informationen zur Altersvorsorge veröffentlicht. Maßgeblich ist, ob diese Informationen aus Sicht der Verbraucher hilfreich, nachvollziehbar und handlungsorientiert sind. Werden Zusammenhänge verständlich erklärt? Können Interessenten ihre Ausgangssituation besser einordnen? Werden Chancen, Risiken und mögliche Zielkonflikte transparent dargestellt? Ist der Weg zu einer weiterführenden Analyse oder persönlichen Beratung leicht erkennbar? Digitale Angebote können die persönliche Beratung dabei sinnvoll vorbereiten. Sie können Wissen vermitteln, erste Fragen beantworten und Kunden dazu befähigen, ihre eigene Situation bewusster zu reflektieren. Sie ersetzen jedoch nicht automatisch die individuelle Einordnung. Eine überzeugende Bank verbindet daher beide Ebenen: einen verständlichen digitalen Einstieg und eine persönliche Beratung, die aus allgemeinen Informationen einen individuellen Vorsorgeplan entwickelt.

Junge Menschen wollen vorsorgen, aber sie benötigen mehr Orientierung

Besonders aufschlussreich sind die Ergebnisse für die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen. 65 Prozent würden mit dauerhaft 100 Euro zusätzlichem finanziellem Spielraum erstmals vorsorgen oder ihre bestehende Vorsorge erhöhen. Damit ist die Handlungsbereitschaft bei den Jüngsten am stärksten ausgeprägt. Gleichzeitig unterscheiden sich ihre Hindernisse von denen älterer Befragter. Bei jungen Erwachsenen liegen mangelndes Vertrauen in Finanz- und Vorsorgeprodukte mit 31 Prozent und fehlender finanzieller Spielraum mit 30 Prozent nahezu gleichauf. Darüber hinaus nennen 18 Prozent fehlendes Wissen oder mangelnde Orientierung. Dieser Wert ist deutlich höher als bei den meisten älteren Altersgruppen.

Die Ergebnisse passen zu den Erkenntnissen der „NextGen Studie 2026“ der Gesellschaft für Qualitätsprüfung. Junge Menschen nutzen selbstverständlich digitale Informationsquellen, Banking-Apps, soziale Medien und zunehmend KI-Anwendungen. Dennoch bewerten 78 Prozent persönliche Beratung mindestens als wichtig. Gleichzeitig sehen nur 53 Prozent diese Erwartung bei ihrer Bank ausreichend erfüllt. Die junge Generation ist damit weder vorsorgefern noch grundsätzlich beratungsfern. Sie stellt aber andere Anforderungen. Informationen müssen verständlich, digital zugänglich und auf die eigene Lebenssituation übertragbar sein. Persönliche Beratung soll nicht bevormunden oder lediglich ein Produkt erklären. Sie soll unterschiedliche Informationen einordnen, Zielkonflikte sichtbar machen und bei einer selbstbestimmten Entscheidung unterstützen. Gerade beim Einstieg in die Altersvorsorge liegt darin eine große Chance für Regionalbanken. Wer junge Kundinnen und Kunden früh begleitet, ihre finanziellen Möglichkeiten ernst nimmt und mit flexiblen Schritten beginnt, kann eine langfristige Kundenbeziehung aufbauen.

Aus zusätzlichem Spielraum muss ein tragfähiger Plan werden

Die in der DIA-Umfrage verwendeten 100 Euro stehen sinnbildlich für den finanziellen Spielraum, der zwischen Vorsorgeabsicht und tatsächlichem Handeln liegen kann. Gute Beratung darf sich allerdings nicht darauf beschränken, diesen Betrag unmittelbar in ein Produkt zu übertragen. Zunächst muss geprüft werden, ob der zusätzliche Betrag tatsächlich dauerhaft verfügbar ist. Ebenso wichtig ist die Frage, ob andere finanzielle Prioritäten bestehen. Eine ausreichende Liquiditätsreserve, die Absicherung existenzieller Risiken oder der Abbau teurer Schulden können im Einzelfall dringlicher sein als der sofortige Abschluss einer zusätzlichen Altersvorsorge. Erst danach stellt sich die Frage, wie ein verfügbarer Vorsorgebetrag sinnvoll eingesetzt werden kann. Dabei spielen Zeithorizont, Risikobereitschaft, Flexibilität, bestehende Ansprüche, steuerliche Aspekte und persönliche Ziele eine zentrale Rolle. Bei jüngeren Menschen kann außerdem eine dynamische Strategie sinnvoll sein: mit einem zunächst überschaubaren Beitrag beginnen und diesen bei steigenden Einkommen schrittweise erhöhen. Dadurch wird Vorsorge nicht als starre Belastung wahrgenommen, sondern als anpassbarer Prozess, der mit der beruflichen und persönlichen Entwicklung wächst.

Nachbetreuung gehört zur Altersvorsorgeberatung

Altersvorsorge ist keine einmalige Entscheidung. Einkommen, Familienstand, Wohnsituation, berufliche Entwicklung, gesetzliche Rahmenbedingungen und persönliche Ziele können sich über Jahrzehnte verändern. Eine ursprünglich passende Strategie muss daher regelmäßig überprüft werden. Genau deshalb gehört eine strukturierte Nachbetreuung zur Beratungsqualität. Banken sollten nicht erst dann Kontakt aufnehmen, wenn ein neues Produkt verkauft werden kann. Sinnvoll sind regelmäßige Gespräche darüber, ob Sparraten noch angemessen sind, sich Versorgungslücken verändert haben oder bestehende Lösungen angepasst werden sollten. Vor allem die Frage nach zusätzlichem finanziellem Spielraum bietet dafür einen konkreten Ansatz. Gehaltserhöhungen, das Ende einer Kreditrate oder andere Veränderungen im Haushaltsbudget können Möglichkeiten eröffnen, die Altersvorsorge zu erhöhen. Eine gute Bank erkennt solche Anlässe, ohne daraus einen automatisierten Verkaufsimpuls zu machen. Sie nutzt sie für eine erneute Analyse und eine informierte Entscheidung des Kunden.

Altersvorsorge wird zum Qualitätstest für die beste Bank vor Ort

Die neuen Ergebnisse des Deutschen Instituts für Altersvorsorge zeigen eine grundsätzlich ermutigende Ausgangslage: Die Bereitschaft, mehr für das Alter zu tun, ist in weiten Teilen der Bevölkerung vorhanden. Insbesondere jüngere Menschen würden zusätzliche finanzielle Möglichkeiten häufig für ihre Vorsorge einsetzen. Damit aus dieser Bereitschaft tatsächliches Handeln entsteht, müssen jedoch unterschiedliche Hürden überwunden werden. Bei einigen Menschen fehlt vor allem der finanzielle Spielraum. Andere zweifeln an der Verlässlichkeit der angebotenen Lösungen. Wieder andere benötigen mehr Wissen und Orientierung.

Für Banken folgt daraus, dass gute Altersvorsorgeberatung nicht standardisiert beginnen kann. Sie muss zunächst die individuelle Hürde erkennen. Erst dann können passende Lösungen entwickelt werden. Genau an diesem Anspruch orientiert sich der Schwerpunkt Altersvorsorge im Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“. Die Gesellschaft für Qualitätsprüfung untersucht, wie überzeugend Banken den digitalen Einstieg, die persönliche Analyse, die verständliche Beratung und die langfristige Begleitung miteinander verbinden. Die beste Bank vor Ort wird nicht allein daran zu erkennen sein, dass sie Altersvorsorgeprodukte anbietet. Sie wird daran zu erkennen sein, dass sie Menschen befähigt, vorhandene finanzielle Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen, Vertrauen in ihre Entscheidung zu entwickeln und ihre Vorsorge dauerhaft an die eigene Lebenssituation anzupassen. Denn die Bereitschaft ist da. Entscheidend ist jetzt, ob Banken daraus gemeinsam mit ihren Kundinnen und Kunden einen tragfähigen Plan machen.

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