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Photon Energy im Krisenmodus

Photon Energy im Krisenmodus

Source: Deutsche Nachrichten
Der Anleihekurs des Solarunternehmens Photon Energy scheint kein Halten zu kennen. Insolvenzen in der Firmengruppe, ausgesetzte Kuponzahlungen und eine Anleihe über nominal 78,9 Mio. €, die in einem Jahr zurückgezahlt werden muss – die Photon Energy Group steckt in ernsten Schwierigkeiten.

Das operative Geschäft von Photon Energy ist eigentlich solide: Der Betrieb von über 134,7 MWp verteilt sich auf 103 Photovoltaikkraftwerke vornehmlich in Osteuropa. Die Kernmärkte sind Tschechien (15 MWp), Rumänien (51,6 MWp), Ungarn (57,5 MWp), die Slowakei (10,4 MWp) und Australien (0,1 MWp). Hinzu kommen kaufmännische und technische Dienstleistungen für 1,2 GW Photovoltaik-Kraftwerke externer Betreibergesellschaften – ein wachsender und lukrativer Geschäftszweig.

Am 23. November 2027 muss die Solarfirma jedoch knapp 79 Mio. € für eine mit 6,5 % verzinste Anleihe (ISIN DE000A3KWKY4) an die Investoren zurückzahlen. Nur der Glaube daran schwindet bei den Anleiheinhabern. Normalerweise würde eine neue Anleihe aufgelegt und ein Umtausch angeboten. Dieser Weg ist aktuell jedoch versperrt, da der Anleihekurs zu stark gefallen ist und nur noch bei ca. 11 % liegt. Hinzu kommt, dass die vierteljährliche Zinszahlung seit Jahresanfang zum Unmut der Investoren ausfällt bzw. aufgeschoben wird.

Ein Mix aus verschiedenen Faktoren

Die Situation, in der sich Photon Energy befindet, ist ein Mix aus selbstverschuldeten, aber auch externen Einflussfaktoren. Daher lässt sich die Lage des Photovoltaikbetreibers nicht mit der Situation der erneuerbaren Energien im Allgemeinen oder im Spezifischen mit Unternehmen wie ABO Energy oder der Energiekontor AG vergleichen.

Die Anleihe von Photon wurde 2021 mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Kupon von 6,5 % p.a. platziert. Dies geschah vornehmlich bei Privatinvestoren, aber auch bei einer Reihe von institutionellen Anlegern. Einer der größten Käufer der Anleihe war zu jener Zeit wohl der Anleihefonds der KFM Deutsche Mittelstand AG, welcher im Juni 2023 geschlossen und dann in die Abwicklung überführt wurde. Der Anleihenkurs gab – ohne Unternehmensnachricht – dramatisch nach. Hier dürfte der Kapitalmarkt von bevorstehenden Verkäufen ausgegangen sein. Die Anleihe war „angeschlagen“, das Vertrauen von Investoren aufgrund fallender Kurse beschädigt.

Strategisch verzettelte sich der Emittent und investierte in nahe- und fernabliegende Geschäftsfeldern. Der Kauf des Stromhändlers Lerta aus Polen, welcher den Einstieg in den operativen Stromhandel darstellen sollte, stand von Beginn unter keinem guten Stern. Fehlerhafte CO2-Zertifikate führten letztlich zur Insolvenz des Stromhändlers, es entstand ein zweistelliger Millionenschaden. Ein schwerer Schlag für die Photon Energy Group und die Finanzierung der Rückzahlung der Anleihe. Mit der PhotonWater investierte der Emittent in ein Start-up (Wasserreinigung von PFAS Rückständen) das mit dem Kerngeschäft – dem Betrieb von PV Anlagen – nichts zu tun hat. Die PhotonWater sollte im aktuellen Krisenmodus ganz oben auf der Verkaufsliste stehen.

Es braucht Liquidität

Die Photon Energy muss Liquidität generieren, was auch möglich sein sollte. Sind doch über 30 MWp Kraftwerksleistung in Rumänien für eine Refinanzierung und somit Schaffung von Liquidität vorhanden, ohne die Substanz der Gruppe zu gefährden. Ein niedriger zweistelliger Mio. Betrag könnte die notwendige Beinfreiheit für eine Restrukturierung ermöglichen.

Hinzu kommt, dass eine ganze Reihe von namhaften Investoren weiterhin in die Anleihe investiert sind, allen voran das mit öffentlichen Geldern ausgestattete Schwergewicht Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Der Gründer und CEO von Photon Energy Georg Hotar – er hält ca. 30% der Aktien – sieht sich folglich Anleihenhaltenden gegenüber, welche die Belange der Anleihenhaltenden zu vertreten wissen. Zumal, die Photon Energy in der Rechtsform der niederländischen N.V. firmiert und somit in Distress Situation, wie der jetzigen, den Kreditgebern verpflichtet sind und nicht den Eigenkapitalgebern.

Im Wesentlichen wird die Stromproduktion aus Solarenergie der Schlüssel zur Rückzahlung der Anleihe sein müssen und auch können. Aber, dies wird nicht bis zum 23. November 2027 erfolgen können. Deswegen lädt die Gesellschaft zur Gläubigerversammlung ein. Auf der Tagesordnung werden die Konditionen für eine Restrukturierung der Anleihe stehen und somit einen Weg aus dem Krisenmodus zu ermöglichen.

Andrew Murphy, Murphy&Spitz Nachhaltige Vermögensverwaltung AG

Autor Andrew Murphy ist Fondsmanager des Murphy&Spitz Green Bond Funds und in Photon Energy investiert. In der Woche vom 01. bis 08. September 2026 sollen die Anleihegläubiger der Photon Energy-Anleihe 2021/27 (ISIN: DE000A3KWKY4) im Rahmen einer Abstimmung ohne Gläubigerversammlung über mehrere vorbereitende Maßnahmen zur Restrukturierung der Anleihe abstimmen.

Anleihen Finder Datenbank

Unternehmensanleihe der Photon Energy N.V. 2021/27

Unternehmensanleihe der Photon Energy N.V. 2017/22 (getilgt)

Hier finden Sie den Original-Artikel: 

“Photon Energy im Krisenmodus” – Ein Beitrag von Andrew Murphy

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