Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Milliardeninvestitionen in Automobilkomponenten, Halbleiter und Spezialchemie: Ausländische Unternehmen richten ihren Schwerpunkt in China zunehmend auf Hochtechnologie aus. Getrieben wird die Dynamik von Chinas Transformation zum Innovationsstandort sowie der Neuordnung globaler Lieferketten.
In den chinesischen Wirtschaftszentren häufen sich die Ankündigungen neuer Großprojekte. In Wuxi in der ostchinesischen Provinz Jiangsu wurde kürzlich ein großes Projekt für Forschung, Entwicklung und Produktion im Bereich Recycling von Fahrzeugen und wichtigen Fahrzeugkomponenten vereinbart. Das von Stellantis und dem chinesischen Unternehmen Tianqi gemeinsam finanzierte Projekt umfasst die Wiederaufarbeitung wichtiger Fahrzeugkomponenten sowie die Forschung, Entwicklung und Produktion von Antriebsbatterien. Das geplante Umsatzvolumen liegt bei mehr als zehn Milliarden Yuan, umgerechnet 1,3 Milliarden Euro. Ebenfalls in Jiangsu baut der französische Industriegase-Hersteller Air Liquide seine Kapazitäten aus, während Ruihua Technology ein Projekt im Wert von 10,5 Milliarden Yuan für intelligente Fahrzeugcockpits, intelligente Pflegebetten und Präzisionsbauteile vorantreibt.
Im südchinesischen Guangzhou begann der Bau des Halbleiterstandorts von Donghan Semiconductor, einer Tochtergesellschaft des südkoreanischen Herstellers STI. Mit einer Gesamtinvestition von über zehn Milliarden Yuan sollen dort AMB-Keramiksubstrate (Active Metal Brazing) gefertigt werden – ein Schlüsselmaterial für Leistungshalbleiter in Elektrofahrzeugen, intelligenten Stromnetzen und 5G-Netzen.
Auch in Shanghai bauen europäische Branchengrößen ihre Präsenz aus. Der deutsche Werkstoffhersteller Covestro plant hier eine neue MDI-Anlage im Weltmaßstab – ein Ausgangsprodukt für Polyurethan-Hartschaumstoffe. Die Anlage mit einer Jahreskapazität von 660.000 Tonnen soll bis 2030 in Betrieb genommen werden. Laut einem Unternehmensvertreter belaufen sich die Investitionen auf 1,5 bis 2 Milliarden Euro.
Diese Projektankündigungen decken sich mit den jüngsten Handelsdaten: So wurden im ersten Halbjahr 170,33 Milliarden Yuan ausländischer Investitionen in Chinas Hightech-Industrien eingesetzt, was einem Plus von 33,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit entfielen 42,4 Prozent der landesweit tatsächlich genutzten ausländischen Investitionen auf diesen Bereich (plus 12,2 Prozentpunkte). Besonders kräftig wuchsen die Zuflüsse in Forschungs-, Entwicklungs- und Designdienstleistungen (plus 82 Prozent) sowie in die Herstellung von Elektronik- und Kommunikationsgeräten (plus 52 Prozent).
Zhang Xiaotao, Direktor des Zentrums für Internationale Investitionen an der Zentralen Universität für Finanzen und Wirtschaftswissenschaften betont, dass Chinas Attraktivität nicht mehr primär auf Kostenvorteilen beruhe, sondern auf Innovationskraft, hochqualifizierten Entwicklern und lückenlosen Lieferketten. Laut Chen Jianwei, Professor am Nationalen Forschungsinstitut für Öffnung nach außen der Universität für Internationale Wirtschaft und Handel, sichern sich multinationale Konzerne damit gezielt Marktanteile im Zuge der Neuordnung globaler Wertschöpfungsketten.
Dieser Trend wird von politischem Rückenwind flankiert: Zur Investitionssicherung sieht der aktuelle 15. Fünfjahresplan (2026–2030) unter anderem vor, qualifizierte, ausländisch investierte Unternehmen bei Börsengängen und der Finanzierung im Inland zu unterstützen. Zudem setzen Regionen wie Shanghai, Chongqing und die Provinz Zhejiang gezielte Anreize für die Gründung lokaler F&E-Zentren und die Reinvestition von Gewinnen.
