Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Sofortlieferungen auf einen Klick, Kauf intelligenter Haushaltshelfer, Shopping in smarten Malls oder Museumsbesuche mit KI-gestützten Reiseführern – digitale Konsumszenarien wie diese sind in China vielerorts längst Alltag und bereichern die Verbraucherlandschaft.
Laut dem „Bericht zur Entwicklung des digitalen Konsums 2025“, veröffentlicht von der Abteilung für Politik und internationale Zusammenarbeit des China Internet Network Information Center (CNNIC), belief sich das Gesamtvolumen von Chinas digitalem Konsum im ersten Halbjahr 2025 auf 9,37 Billionen Yuan (1,36 Billionen US-Dollar) – das entsprach 46,5 Prozent aller privaten Konsumausgaben. Die Zahl der Nutzer digitaler Konsumangebote kletterte auf über 958 Millionen – 68,1 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes. Der Digitalkonsum, zu dem der Verbrauch digitaler Produkte, Dienstleistungen und Inhalte sowie alle digital abgewickelten Konsumausgaben zählen, hat sich also zu einem bedeutenden Motor des chinesischen Verbrauchermarkts gemausert.
„Meet China“: Dieses Terminal für Inbound-Tourismus vereint Funktionen wie Produktsuche, Hintergrund-Stories, mehrsprachige Interaktions-Features und bequeme Zahlungsmöglichkeiten per ausländischer Bankkarte. Unsere Aufnahme zeigt einen Benutzer, der einen am Terminal ausgedruckten Einkaufsbeleg in die Kamera hält. (Foto: Chen Haoming / Xinhua )
Vielfältigere Konsumentengruppen
Da die Dividenden der Internettechnologie zunehmend der gesamten Bevölkerung zugutekommen, beschränkt sich die Gruppe der digitalen Kundschaft nicht mehr nur auf bestimmte Altersgruppen, ein bestimmtes Geschlecht oder ausgewählte Wohnorte. Zu den neuen Shoppingakteuren im Netz zählen neben den Vertretern der Generation Z und Menschen ab 60 Jahren auch immer mehr Frauen sowie die Landbevölkerung.
„Meine Mutter und ihre Freundinnen aus der Tanzgruppe kaufen ihre Tanzkleidung, Sportschuhe und Lautsprecher inzwischen alle online – völlig routiniert“, berichtet Frau Guo, die in Beijing arbeitet. Ihre Mutter lebt in einem kleinen Dorf in Xuchang in der Provinz Henan. War sie früher beim Onlineshopping noch auf die Hilfe ihrer Tochter angewiesen, bestellt die ältere Dame heute selbstständig in Livestreaming-Shops, kauft Gutscheine und lässt sich Essen liefern. Möglich macht dies die zunehmende Verbreitung digitaler Infrastruktur. Derzeit gibt es in Chinas ländlichen Regionen rund 249 Millionen digitale Konsumenten – 26 Prozent aller Digitalkäufer sitzen also heute auf dem Land.
Längst bestellen auch nicht mehr nur die Jungen online. In China shoppen heute 117 Millionen Menschen über 60 im Netz – das entspricht 12,2 Prozent aller Onlinekäufer. Sie vergleichen gerne Preise, lassen sich aber auch in Livestreams zu Spontankäufen hinreißen. Die Generation Z (1995–2009) ist mit 261 Millionen Menschen allerdings noch immer die treibende Kraft im digitalen Konsum. Besonders intelligente Produkte, digitale Inhalte und Konsumangebote, die emotionalen Ausgleich schaffen, treffen den Nerv dieser Zielgruppe.
Li Yongjian, Professor an der Fakultät für Angewandte Ökonomie der Universität der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften (UCASS), weist darauf hin, dass die tiefgreifende Verschmelzung digitaler Technologien mit traditionellen Konsumszenarien die Verbraucherlandschaft aktuell nachhaltig verändere. „Immer mehr junge Menschen kehren für Arbeit oder Selbstständigkeit in ihre Heimatregionen zurück. Mit im Gepäck haben sie neue Konsumkonzepte und Geschäftsmodelle, was in kleineren Städten erhebliche Konsumpotenziale freisetzt.“
Neue Perspektiven: Ausländische Besucher probieren im Ausstellungsraum von Hangzhou Lingban Technology neueste Produkte wie die Rokid KI-Brille aus.
Anime und Fanartikel als Zugpferde
Als im vergangenen Jahr der Abspann der 170. Folge der chinesischen 3D-Animationsserie „A Record of a Mortal’s Journey to Immortality“ über die Bildschirme flimmerte, dauerte dieser geschlagene 19 Minuten. Der Grund: eine Danksagungsliste, auf der die Nutzer-IDs von rund 80.000 Unterstützern eines Fanartikel-Crowdfundings gemeinsam mit den Namen der Produktionsmitarbeiter erschienen. Das über das Videoportal Bilibili durchgeführte Crowdfunding übertraf bereits nach 29,5 Stunden die Marke von zehn Millionen Yuan (rund 1,46 Millionen US-Dollar) und schloss letztlich mit über 40,25 Millionen Yuan (rund 5,86 Millionen US-Dollar) ab – ein neuer Rekord für IP-basierte Merchandise-Crowdfunding-Projekte in China.
Es war ein anschauliches Beispiel für die sogenannte „Goods Economy“. Der Begriff „Goods“ steht hier für Originaldesignprodukte, die auf berühmten Kultur-IPs wie Animationen, Spielen oder Romanen basieren. Seit 2025 verbreitet sich diese Konsumsparte über die digitalen Medien rasch. Dem CNNIC-Bericht zufolge kaufen mehr als 90 Millionen Menschen in China online Blindboxen, IP-bezogene Merchandise-Artikel sowie Anime-Produkte.
Die „Goods Economy“ trägt mit ihrem kreativen Design und kulturellen Gehalt zur Befriedigung kultureller Konsumbedürfnisse bei, fördert die Verzahnung von Kulturwirtschaft und Digitalökonomie und belebt zugleich den stationären Einzelhandel. In über 60 zentralen Geschäftsvierteln in Millionenstädten wie Beijing, Shanghai, Hefei und Zhengzhou entstehen derzeit spezielle Konsumflächen für Anime- und IP-Produkte. Ehemals traditionelle Malls ziehen durch die Ansiedlung von Anime-Marken samt entsprechender Veranstaltungen gezielt junge Zielgruppen an.
Branchenkenner weisen darauf hin, dass die „Goods Economy“ auch traditionelle Branchen wie Gastronomie und Kinos zu Kooperationen mit Anime-IPs anrege. Daraus entstünden vielfältige „Pan-Anime“-Angebote. Insbesondere die strategische Vermarktung von Markenpremieren, Erstausstellungen und Erstpräsentationen könne dazu beitragen, „probierfreudigen Konsum“ in langfristige Kundenbindung umzuwandeln.
Besucher testen intelligente Geräte auf der 28. Beijing International High-Tech Expo (CHITEC).
Künstliche Intelligenz als Motor
„Dieses Ding aufzusetzen, ist echt genial! Man sieht beim Musikhören die Songtexte, kann sich navigieren lassen und auch Übersetzungen nutzen – super praktisch“, sagt Herr Cheng aus Beijing, der im Einkaufszentrum Xisanqi MixC gerade eine KI-Brille ausprobiert hat. Ihm wurde erklärt, dass aktuelle KI-Brillen nicht nur mit großen Sprachmodellen verbunden seien und mehr Funktionen böten, sondern auch an individuelle Sehstärken (einschließlich Hornhautverkrümmung) angepasst werden könnten – für den täglichen Gebrauch.
Der KI-Hype hat also ebenfalls tiefgreifende Auswirkungen auf den digitalen Konsum. Die Palette an Produkten und Dienstleistungen mit Smart-Funktionen wächst rasant. Bereits 2025 gab es über einhundert verschiedene KI-Endgeräte – darunter KI-Smartphones, KI-Computer und KI-Brillen. Beflügelt durch die neuen Technologien hat sich der digitale Konsum inzwischen auf nahezu alle Lebensbereiche ausgeweitet: Von Ernährung und Kleidung über Wohnen und Transport bis hin zu sozialen Kontakten, Entertainment, Gesundheit, Bildung, Kultur und Tourismus. Umfragen zeigen, dass 88,4 Prozent der chinesischen Konsumenten den Einsatz von KI im Konsumumfeld erwarten. Bei jungen Menschen liegt dieser Wert sogar bei über 90 Prozent.
In der Provinz Shaanxi erlebte Deng Na aus der Inneren Mongolei erstmals die Vorteile eines KI-Reiseführers. Im Miniprogramm „Reisen in Shaanxi“ auf WeChat gab sie Informationen wie Reisegruppengröße, Budget und Vorlieben ein. Daraufhin erstellte ihr die KI-gestützte Reisebegleitung „Xiao Qi“ (deren Figur auf einem braunen Riesenpanda aus dem Qinling-Gebirge basiert) automatisch einen detaillierten Reiseplan – inklusive Sehenswürdigkeiten, Routenplanung, Kostenübersicht und Buchungstipps für beliebte Museen. „Mit den automatisch im Miniprogramm eingeblendeten Gutscheinen konnte ich ermäßigte Eintrittskarten für Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen kaufen. Ich habe dabei so viel gespart, dass es für einen Restaurantbesuch gereicht hat. Die App hat sich also wirklich gelohnt.“ Nach der Reise teilte Deng ihre guten Erfahrungen mit dem KI-gestützten Miniprogramm daher bereitwillig über die sozialen Medien.
Dies ist nur eines der vielen Anwendungsszenarien von „Bo Guan“, einem großen KI-Modell für den Kultur- und Tourismussektor der Provinz Shaanxi. Als vertikales Branchenmodell ermöglicht es jedem Nutzer eine maßgeschneiderte Reiseplanung und stellt somit praktische, passgenaue Dienste zur Verfügung.
Xu Zhifa, Direktor des Instituts für Industrie- und Planungsforschung der Chinesischen Akademie für Informations- und Kommunikationstechnologie (CAICT), weist darauf hin, dass KI den Konsum in Richtung intelligent gesteuerter Entwicklung vorantreibe, gekennzeichnet durch smarte Interaktion, aktive Anpassung, Integration äußerer Szenarien und die Verbindung von virtuellen und realen Räumen.
Bei Fuß! Dieser Besucher der Weltkonferenz für Künstliche Intelligenz 2025 in Shanghai hat sich diesen Roboterdog der Reiseplattform Mafengwo als KI-Guide zur Seite geholt.
Vielversprechende Perspektiven
Der CNNIC-Bericht zeigt auch, dass die Konsumeinstellung chinesischer Digitalnutzer derzeit von einer Mischung aus Rationalität und Emotionalität geprägt ist. 71,1 Prozent der Onlinekäufer vergleichen Preise; gleichzeitig sind 60,6 Prozent bereit, für persönliche Interessen und emotionalen Wert tiefer in die Tasche zu greifen. Sofortlieferdienste haben sich von Frischware auf Notfallmedikamente und Geschenkartikel ausgeweitet, decken heute alle Zeitfenster und Regionen ab. Der Markt für Secondhand-Produkte hat ein Volumen von über einer Billion Yuan (146 Milliarden US-Dollar) erreicht. 143 Millionen Chinesen kaufen und verkaufen heute online gebrauchte Waren.
Um die vielfältigen und differenzierten Konsumpotenziale des digitalen Raums zu erschließen, neue Konsumformen zu entwickeln und die Konsumqualität zu heben, haben im September 2025 acht Ministerien und Kommissionen, darunter das Handelsministerium, gemeinsame „Leitlinien zur Förderung des digitalen Konsums für mehr Lebensqualität im Digitalzeitalter“ veröffentlicht. Experten zufolge ist der digitale Konsum ein entscheidender Faktor für Chinas Binnenkonjunktur sowie die qualitativ hochwertige Entwicklung der chinesischen Wirtschaft insgesamt. Mit Unterstützung durch KI stehe Chinas Wirtschaft vor tiefgreifenden Veränderungen, insbesondere die Periode des 15. Fünfjahresplans (2026–2030) verspreche eine entscheidende Phase der Expansion zu werden.
*Ye Zi ist Journalistin der People’s Daily Overseas Edition, wo das chinesische Original dieses Artikels erschien.
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