Source: Swiss Kanton Nidwalden News in German
29. Juni 2026
Er war einer der bedeutendsten Druckgrafiker der Gegenwart mit weltweiter Ausstrahlung: Pravoslav Sovak. 1926 im ostböhmischen Vysoké Mýto geboren, lebte der Künstler ab 1978 bis zu seinem Tod 2022 in Hergiswil. Anlässlich seines 100. Geburtstags widmet ihm das Nidwaldner Museum eine umfassende Ausstellung. Im Fokus stehen Werke, die sein lebenslang reflektiertes Heimweh widerspiegeln. Ein Heimweh, das seinen Ursprung im Einmarsch der sowjetischen Armee 1968 in Prag hat, das der 42-Jährige noch am selben Tag «verlässt» – so seine eigenen Worte. Die Schweiz gewährt ihm 1969 Asyl, 1978 baut er sich ein Haus mit Atelier hoch über Hergiswil, mit Blick auf den Vierwaldstättersee. Von hier bricht Sovak immer wieder auf in die Welt.
Heimat, Identität, SehnsuchtDie in Stans gezeigte Ausstellung soll keine Retrospektive im klassischen Sinn sein, sondern widmet sich einem immer wiederkehrenden Thema in Sovaks künstlerischem Werk: dem Aufsuchen von heimatspendenden Orten, Räumen und Landschaften. Die rund 100 Werke aus über sechs Jahrzehnten künstlerischen Schaffens spiegeln eindrücklich wider, wie Sovak sich mit Heimat, Identität und mit Erinnerungen an Orte und Architekturen auseinandergesetzt hat. Fasziniert von den namenlosen Weiten der Wüsten Arizonas und Utahs, von Stadtansichten, vertikalen Gebäude-Strukturen der New Yorker Wolkenkratzer oder malerischen Strand- und Meereslandschaften entstehen zeitlose Werke zu (menschenleeren) Orten der Zuflucht, zu imaginären Räumen und Plätzen, unter die sich Erinnerungen an Böhmen, an vergangene Reisen und an das Leben im Hergiswiler Haus, Garten und Umfeld mischen.
Sovak hat sich nie laut über Heimweh oder den Verlust der Heimat geäussert. Es ist sein sinnliches, technisch brillantes Œuvre, das häufig eine tiefe Sehnsucht nach Identität oder Verortung widerspiegelt und uns miterleben lässt, dass Heimat immerfort wandel- und gestaltbar ist. In einem einzigen Bild, das über acht Jahre lang entstand, spricht er es im Titel aus: Homesick. Unübersehbar zeigt sich ein ungestilltes Sehnen nach einem heimatspendenden Ort – ein Ort, der verheissungsvoll nahe über dem Horizont schwebt und doch in unerreichbarer Ferne zu liegen scheint. «Womöglich waren nicht nur Orte seine eigentliche Heimat, sondern vielmehr die Kunst; die tiefe, künstlerische Durchdringung von Landschaften und Grossstadtarchitekturen» mutmasst die Kuratorin Martina Kral, die sich mit der Kunst von Pravoslav Sovak seit vielen Jahren intensiv auseinandersetzt und den Künstler gut gekannt hatte.
Pravoslav Sovak lebte 44 Jahre lang im Kanton Nidwalden. Er lebte und arbeitete eher zurückgezogen und vernetzte sich nicht mit der regionalen Kunstszene, wie er in einem Interview 2016 festhielt: «Ich kenne in der Schweiz keinen einzigen Künstler. Wissen Sie, jeder Künstler hat seine eigenen Sorgen, aber wahrscheinlich hatte ich auch kein Glück, auf jemanden zu treffen, zu dem ich eine gute Verbindung hatte.» Und doch ist die Verbindung zwischen der Kunst von Pravoslav Sovak und seinem Heimatkanton Nidwalden intensiv. «Viele Nidwaldnerinnen und Nidwaldner besitzen Werke von Sovak. Und ein Kreis von engagierten Kunstinteressierten förderten die Präsenz und Verbreitung von Sovaks eindrücklichem Werk durch Ausstellungen und Kataloge», sagt Martina Kral, die Kuratorin der Ausstellung.
«Wir wollen mit der Ausstellung auf die Menschen zugehen und ein breites Publikum ansprechen. Die Ausstellung ist niederschwellig und alles andere als elitär!» betont die Kuratorin Martina Kral. Dieser Zugang zum Publikum zeigt sich auch im vielfältigen Begleitprogramm.
Ein vielfältiges Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung:
Eröffnung Freitag, 26. Juni, 18.30 Uhr mit Begrüssung durch Bettina Staub, Nidwaldner Museum, und Ludovit Szabo, Präsident der Stiftung Pravoslav Sovak Hergiswil. Einführung in die Ausstellung durch Martina Kral, Kuratorin
Öffentlicher Rundgang mit Martina Kral am Sonntag, 5. Juli, 14 Uhr
Matinée am 100. Geburtstag von Pravoslav Sovak: Ausgewählte Bildbetrachtungen und Einblicke in Leben und Werk des Künstlers mit Martina Kral am Sonntag, 30. August, 11.30 Uhr
Gespräch vor ausgewählten Werken mit Dietlind Antretter, Verwandte von Pravoslav Sovak, und Martina Kral am Sonntag, 30. August, 14 Uhr
Offenes Erzähl-Café: Zwei Kunstwerke, vorgestellt von Martina Kral, führen ins Thema ein: Was bedeutet Heimat und Identität? Wie äussert sich Heimweh, die Sehnsucht nach einem heimatspendenden Ort? Im gemeinsamen wertschätzenden Zusammensein können dazu persönliche Geschichten bei Tee und Kaffee geteilt werden. Am Mittwoch, 2. September, 14 Uhr.
Öffentlicher Rundgang mit Martina Kral am Sonntag, 27. September, 14 Uhr
Vermittlung und Angebote für Gruppen und SchulklassenFür Gruppen werden Führungen durch die Ausstellung angeboten. Schulklassen profitieren von Workshops, die kostenlos für Nidwaldner Schulen durchgeführt werden.
Ausstellungsdaten und Öffnungszeiten27. Juni – 4. Oktober 2026Nidwaldner Museum, Winkelriedhaus, Engelbergstrasse 54A, 6370 Stans
Öffnungszeiten:Mittwoch: 14 bis 20 Uhr, Donnerstag bis Samstag: 14 bis 17 Uhr, Sonntag: 11 bis 17 Uhr
