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Der „Geist von Shanghai“ treibt die eurasische Integration voran

Der „Geist von Shanghai“ treibt die eurasische Integration voran

Source: People’s Republic of China – State Council News in German

Was im Juni 2001 als Initiative von sechs Staaten zur Bewältigung regionaler Sicherheitsherausforderungen begann, hat sich inzwischen zum weltweit größten Regionalbündnis entwickelt. Die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) vereint heute fast die Hälfte der Weltbevölkerung und rund ein Viertel der globalen Wirtschaftskraft, angetrieben von den Grundprinzipien des sogenannten „Geists von Shanghai“.

Genau vor 25 Jahren gründeten die Staatschefs aus China, Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan in Shanghai die neue Organisation. Ein Vierteljahrhundert später ist die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) – die einzige internationale Organisation, die nach einer chinesischen Stadt benannt ist – weit über ihren ursprünglichen Sicherheitsfokus hinausgewachsen. Inzwischen ist sie mit zehn Mitgliedstaaten, zwei Beobachtern und 15 Dialogpartnern das größte Regionalbündnis der Welt und repräsentiert nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung sowie rund ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung.

Der zentrale Grund für diesen Aufstieg ist der sogenannte „Geist von Shanghai“. Dieser basiert auf Grundprinzipien wie gegenseitigem Vertrauen, Gleichberechtigung, Konsultation, dem Respekt vor der Vielfalt der Zivilisationen und dem Streben nach gemeinsamer Entwicklung. Chinas Staatspräsident Xi Jinping, der seit 2013 an jedem SOZ-Gipfel teilnahm, hebt regelmäßig hervor, dass dieser Geist dabei helfe, überkommene Konzepte wie den „Kampf der Kulturen“, den Kalten Krieg und das Nullsummen-Denken zu überwinden. Auch Kasachstans Außenminister Yermek Kosherbayev sieht darin das größte Kapital der Organisation: Ein pragmatischer Ansatz, der auf universellen Prinzipien ohne eine einzelne Ideologie in den Vordergrund zu stellen.

Das Bündnis, das ursprünglich zur Bewältigung von Sicherheitsrisiken geschaffen wurde, fördert heute stabilen Wohlstand im gesamten eurasischen Raum. Laut Yang Jin, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, ist das gegenseitige politische Vertrauen ein wichtiges Fundament gegen Unilateralismus und Hegemonialdenken. Ein zentraler Motor sei dabei die enge Verknüpfung der chinesischen Seidenstraßeninitiative mit den jeweiligen nationalen Entwicklungsstrategien der Partnerländer. Messbar ist dies etwa im Handel: Das Handelsvolumen Chinas mit den SOZ-Staaten überstieg vorzeitig die Marke von 2,3 Billionen US-Dollar, und rund 14.000 Kilometer internationale Landtransportwege werden bereits genutzt.

Dabei versteht sich China innerhalb der Organisation nicht nur als Ideengeber, sondern bringt auch konkrete Angebote ein. Auf dem jüngsten Gipfel in Tianjin vom vergangenen Jahr kündigte die chinesische Seite die Umsetzung von 100 lokalen Entwicklungsprojekten, Finanzhilfen in Höhe von zwei Milliarden Yuan (rund 295,7 Millionen US-Dollar) sowie den Bau von zehn „Luban-Werkstätten“ für berufliche Qualifizierung an. Das Ergebnis dieser Initiative zeigt eine Umfrage vom Mai: Über 90 Prozent der Jugendlichen in den Partnerstaaten bewerten Chinas Rolle bei der Modernisierung und Entwicklung ihrer Länder positiv.

Der Einfluss der SOZ reicht inzwischen über die Region hinaus in die globale Ordnung. So stellte Xi auf dem SOZ-Plus-Treffen in Tianjin unter anderem die Global- Governance-Initiative vor, um internationale Offenheit und Stabilität zu stärken. Dieses Modell stößt weltweit auf immer größeres Interesse. Ein Bericht des ISEAS – Yusof Ishak Instituts in Singapur zeigt, dass südostasiatische Staaten das Bündnis in Zeiten geopolitischer Turbulenzen zunehmend als wertvolles Wirtschaftsnetzwerk schätzen. Laut dem SOZ-Generalsekretär Nurlan Yermekbayev haben bereits 20 weitere Länder Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Für Wang Wen, den Dekan des Chongyang-Instituts für Finanzwissenschaften an der Chinesischen Renmin-Universität, zeigt sich hier Chinas multilateraler Ansatz: Die SOZ fungiert als konsensbasierte Plattform, die kleineren und mittleren Staaten Raum für Kooperation bietet, ohne sie zur geopolitischen Blockbildung oder Parteinahme zu zwingen.

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