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Hamburg und Shanghai – Eine Freundschaft auf Augenhöhe Exklusiv

Hamburg und Shanghai – Eine Freundschaft auf Augenhöhe Exklusiv

Source: People’s Republic of China – State Council News in German

In diesem Jahr wird das 40-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Shanghai und Hamburg gefeiert. Ein wichtiger Zeuge dieser Partnerschaft ist Lars Anke, der langjährig als Leiter des Hamburg Liaison Office (HLO) China tätig war und seit letztem Jahr diese Funktion wieder innehat. In einem Exklusivinterview mit China.org.cn zieht Anke eine positive Bilanz der Städtepartnerschaft. Für die Zukunft sieht er vor allem in der nachhaltigen Entwicklung, der Bewältigung des demografischen Wandels sowie in Digitalisierung und Automatisierung wichtige Felder, um das gegenseitige Verständnis weiter zu stärken.

Lars Anke, Leiter des Hamburg Liaison Office (HLO) Chinas (Mit freundlicher Genehmigung des HLO China)

China.org.cn: In diesem Jahr jährt sich die Städtepartnerschaft zwischen Shanghai und Hamburg zum 40. Mal. Sie haben diese Freundschaft sowohl im Privatleben als auch im Berufsleben hautnah miterlebt. Mit welchen Worten würden Sie die Beziehung zwischen den beiden Städten beschreiben – und warum?

Lars Anke: Eine Freundschaft auf Augenhöhe, die von Vertrauen und gelebter Verbundenheit geprägt ist, gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich und privat. Denn diese Partnerschaft lebt nicht nur von offiziellen Abkommen, sondern von den Menschen, die sie täglich mit Begeisterung und Respekt füreinander pflegen. Die Beziehung ist dynamisch und vielfältig: Es gibt zahlreiche Projekte und Kooperationen in vielen Bereichen, darunter gegenseitige Besuche politischer Delegationen, Hafenkooperation, Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, kultureller Austausch, Schüleraustausch sowie Tourismusförderung. Beispiele dieser langjährigen Zusammenarbeit finden sich sogar im Stadtbild, beispielsweise in Form des Hamburg House in Shanghai, das für die Expo 2010 errichtet wurde und heute unser Büro beherbergt. In der strukturellen Kooperation spielen unter anderem Themen der Nachhaltigkeit eine Rolle. Dies spiegelt sich auch im Hafenbereich wider, wo auf Basis der seit 2004 bestehenden Hafenpartnerschaft eine Kooperation zwischen Hamburg und Shanghai zum Aufbau eines Green Shipping Corridor besteht.

Sie haben ja eben schon kurz die Kooperation der Häfen angesprochen. Und Sie haben da einen ganz besonderen, sehr tiefen Einblick: Sie waren ja selbst jahrelang als Chefrepräsentant der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) hier in Shanghai vor Ort. Wenn Sie auf diese jahrzehntelange Beziehung schauen – wie bewerten Sie die Zusammenarbeit der beiden Riesen-Häfen heute? 

Stimmt, ich durfte diese Entwicklung tatsächlich hautnah miterleben, und ich glaube, der Wandel ist vorbildlich für moderne Städtepartnerschaften und Welthäfen: Von der Entwicklung und Steigerung des Umschlags hin zu gemeinsamer Verantwortung für Zukunftsthemen.

Der Hamburger Hafen und der Hafen von Shanghai sind seit 2004 Partnerhäfen. China ist momentan das wichtigste Partnerland für den Hamburger Hafen – ein Drittel des Containerumschlags ist mit China verbunden. Aber die Kooperation geht über reine Mengen hinaus. Es bestehen mittlerweile Vereinbarungen zum Aufbau von Green Shipping Korridoren zwischen Hamburg und verschiedenen chinesischen Häfen, allen voran Shanghai. Die globale Logistik steht noch immer vor großen Herausforderungen. Geopolitischen Spannungen, der Implementierung neuer Technologien und den Erfordernissen ökologischer Nachhaltigkeit kann nur gemeinsam begegnet werden. Unsere Partnerschaft beweist, dass ökonomische Stärke und ökologische Innovation keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig befruchten.

Shanghai und Hamburg investieren ineinander. Wie groß ist der Umfang und wie beurteilen Sie dieses gegenseitige Investitionsgefüge? Welche spezifischen, nicht austauschbaren Vorteile bieten die beiden Städte den Unternehmen der jeweils anderen Stadt?

Rund 50 Hamburger Unternehmen sind derzeit in Shanghai ansässig, z. B. Beiersdorf, Montblanc, Steinway & Sons, während mehr als 500 chinesische Unternehmen in Hamburg ihre europäischen Niederlassungen haben. Das gegenseitige Investitionsgefüge ist mittlerweile sehr ausgewogen. Shanghai bietet dynamische Marktzugänge und einen riesigen Talentpool, während Hamburg mit verlässlichem Rechtsrahmen und exzellenter Anbindung an das europäische Hinterland punktet. Beide Städte sind zudem Vorreiter bei technischer Innovation. Wirtschaftliche Kooperation ist das Lebensblut der Städtepartnerschaft. China ist einer der wichtigsten und größten Wirtschaftsräume weltweit. Die Kooperation mit China, unter anderem mit Shanghai, hat für Hamburg eine lange Tradition. Die Kooperation ist zukunftsorientiert und basiert auf gegenseitigem Respekt, Vertrauen und beidseitigem Interesse.

Auf der diesjährigen Shanghai International Flower Show wird der Hamburger Garten eingeweiht. Lars Anke (1. von rechts) ist auch dabei anwesend. (Mit freundlicher Genehmigung des HLO China)

Der Hamburger Yu Garden wurde im Jahr 2008 feierlich eröffnet. In diesem Jahr wurde auf der diesjährigen Shanghai International Flower Show der Hamburger Garten eingeweiht. Welche Rolle spielen solche Gärten für den Austausch zwischen Partnerstädten? 

Die beiden Gärten spielen eine ganz besondere Rolle für den Austausch zwischen den Partnerstädten. Im Gegensatz zu Verträgen und Dokumenten stiften sie eine tiefe emotionale Verbindung, die weit über offizielle Abkommen hinausgeht. Sie sind lebendige Symbole der kulturellen Verbundenheit, ermöglichen den Bürgern beider Städte, die Kultur des anderen direkt und sinnlich zu erleben, und schaffen so eine nachhaltige, herzliche Bindung zwischen Hamburg und Shanghai. Besonders beeindruckend war hierbei die große Anteilnahme der Shanghaier bei der Eröffnung des Gartens in Anwesenheit einer Delegation der Hamburgischen Bürgerschaft unter Leitung der Präsidentin Carola Veit. Für die Abgeordneten war das fast wie ein Stück Heimat in Shanghai.

Im Rahmen des diesjährigen 40-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft haben auch einige sehr lebendige Jugendbegegnungen stattgefunden. Da gab es doch bestimmt schon ein paar nette Aktionen, oder? Können Sie uns etwas darüber erzählen?

Auf jeden Fall, die Jugend bringt viel Dynamik in die Städtepartnerschaft. Ein wunderbares Beispiel war der Besuch der Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Carola Veit, im April in Shanghai. Da gab es einen unvergesslichen Moment: Deutsche und chinesische Jugendliche standen gemeinsam in der Küche und haben Jiaozi und traditionellen Apfelstrudel zubereitet. Das war Kulinarikdiplomatie – man hat zusammen gelacht, Rezepte ausgetauscht und Barrieren spielerisch abgebaut. Genau diese persönlichen Begegnungen sind das Herzstück unserer Partnerschaft. Neben solchen Aktionen ist auch das CHINA INN Internationale Jugendmusikfestival in Hamburg seit Jahren ein etabliertes Highlight, bei dem junge Talente über die Musik eine gemeinsame Sprache finden. Das Fundament für all das ist extrem solide: Unser Shanghai-Hamburg-Schüleraustausch besteht bereits seit 1986. Dass dieser Austausch über vier Jahrzehnte hinweg so lebendig geblieben ist, zeigt doch: Hier werden nicht nur offizielle Verträge gefeiert, sondern echte, generationenübergreifende Freundschaften fürs Leben geschlossen. Sie machen die Partnerschaft zukunftsfest.

Sie sind nun zum zweiten Mal Leiter des HLO China. Welche neuen Aufgaben haben Sie im Vergleich zu Ihrer ersten Amtszeit? In welchen Bereichen könnten Hamburg und Shanghai in den nächsten zehn Jahren ihre Zusammenarbeit noch weiter vertiefen?

Ich bin sehr dankbar, zum zweiten Mal als Leiter des Hamburg Liaison Office tätig sein zu dürfen. Vor dem Hintergrund der sich ständig verändernden Weltlage ergeben sich neue Aufgaben. Nachhaltiger Austausch und Vertrauen bleiben dabei das Fundament der Freundschaft zwischen Hamburg und Shanghai. In den nächsten zehn Jahren wollen wir die bewährte Zusammenarbeit festigen und gemeinsam Wege bei der nachhaltigen Entwicklung erkunden. Die Herausforderung des demografischen Wandels stellt sowohl China als auch Deutschland vor ähnliche Herausforderungen. Hier kann gemeinsam an Lösungen gearbeitet werden. Digitalisierung und Automatisierung bieten darüber hinaus in vielen Bereichen Chancen und Möglichkeiten. Insbesondere halte ich aber die Fortsetzung und Vertiefung des zivilgesellschaftlichen Austausches für wichtig. In diesen herausfordernden Zeiten ist die Stärkung des gegenseitigen Verständnisses von herausgehobener Bedeutung. Hier kann die Städtepartnerschaft einen wichtigen Beitrag leisten. Hochrangige politische Besuche im laufenden Jahr werden hier sicher viele neue Impulse setzen. Gerade auch im Bereich der medizinischen Forschung und Entwicklung, aber auch im kulturellen Austausch werden sich noch mehr Kooperationen entwickeln. Besonders freue ich mich auch auf eine Ausstellung „Moin Nonghao“ zum Thema der Städtepartnerschaft später im Jahr im Shanghai History Museum.

Herr Anke, vielen Dank für das Gespräch.

Über Lars Anke: 

Als Sinologe, Geschichts- und Politikwissenschaftler hat sich Lars Anke bereits während seines Studiums in China mit den Aktivitäten deutscher Institutionen und Unternehmen in der Region befasst. Von 2006 bis 2019 war er als Leiter des HLO China tätig. 2017 wurde Herr Anke mit dem ,,Shanghai Magnolia Silver Award” ausgezeichnet. Seit April 2019 ist er als Leiter Vertriebsprojekte für internationale Projekte und Strategie der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) verantwortlich. Seit September 2020 ist er des Weiteren als Chief Representative Asia/Pacific des Unternehmens in Shanghai tätig. Seit Januar 2025 leitet Lars Anke zusätzlich auch wieder das Hamburg Liaison Office China als Chief Representative.

MIL OSI