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„Wir wollen fokussierter, schlanker und profitabler werden“ – Interview mit Heiko Wuttke, CEO der PNE AG

„Wir wollen fokussierter, schlanker und profitabler werden“ – Interview mit Heiko Wuttke, CEO der PNE AG

Source: Deutsche Nachrichten
Mit einer neuen fünfjährigen Unternehmensanleihe (Zinskupon zwischen 6,75% und 7,75% p.a.) über bis zu 65 Mio. Euro stellt die PNE AG frühzeitig die Weichen für die weitere Unternehmensentwicklung. Die Emission dient nicht nur der Refinanzierung der bestehenden Anleihe, sondern soll auch die finanzielle Flexibilität für die Umsetzung der umfangreichen Projektpipeline erhöhen. Gleichzeitig blickt der Windpark- und Photovoltaik-Entwickler auf einen erfolgreichen Jahresauftakt 2026 zurück. Im Gespräch mit dem Anleihen Finder erläutert CEO Heiko Wuttke die Beweggründe für die neue Anleihe, die strategischen Prioritäten des Unternehmens und die Perspektiven für die kommenden Jahre.

Anleihen Finder: Herr Wuttke, die PNE AG begibt eine neue Unternehmensanleihe mit einem Volumen von bis zu 65 Mio. Euro. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Emission und warum bleibt eine Unternehmensanleihe weiterhin ein passendes Finanzierungsinstrument für PNE?

Heiko Wuttke: Wir nutzen bewusst den aktuellen Zeitpunkt, um uns frühzeitig zu refinanzieren und Planungssicherheit zu schaffen. Die Laufzeit der ausstehenden Anleihe endet im kommenden Jahr und wir legen Wert auf eine langfristige Finanzierungsbasis und eine robuste Liquidität. Diese ist eine wichtige Voraussetzung zur Realisierung unserer Wachstumsoptionen, um unsere Pipeline effizient zu entwickeln und gleichzeitig auf Marktveränderungen reagieren zu können. Anleihen sind dabei als Baustein unserer im Banken- und Kapitalmarkt gut diversifizierten Finanzierungsstruktur seit 2013 fest etabliert.

Anleihen Finder: Für welche konkreten Projekte oder Geschäftsfelder sollen die Mittel aus der neuen Anleihe – neben der Refinanzierung der Alt-Anleihe – schwerpunktmäßig eingesetzt werden?

Heiko Wuttke: Ziel dieser vorzeitigen Refinanzierung der Unternehmensanleihe 2022/2027 ist insbesondere die Verbesserung der Finanzierungsstruktur, der Fälligkeitenstruktur des Fremdkapitals und der Verfügbarkeit des Emissionserlöses bis zur Fälligkeit 2031. Zudem soll der Emissionserlös für allgemeine Zwecke des operativen Geschäfts, wie etwa die Projektentwicklung oder die Zwischenfinanzierung bei der Projektrealisierung, verwendet werden. Die Anleihe ist für uns letztlich ein Finanzierungsinstrument, das die Flexibilität erhöht und unsere Handlungsfähigkeit stärkt. Wichtig ist dabei, hervorzuheben, dass wir stets auf eine solide Liquiditätsposition im Konzern achten.

Anleihen Finder: Mit Projektverkäufen und guten Windverhältnissen sind Sie gut ins Jahr 2026 gestartet. Wie zufrieden sind Sie mit der operativen Entwicklung der PNE AG seit Ihrem Amtsantritt Anfang 2025?

Heiko Wuttke: Es war ein durchaus intensives Jahr mit einigen Widrigkeiten, in dem dennoch einiges sehr gut gelaufen ist. So haben wir 2025 zum Beispiel eine Rekordgesamtleistung von über 376 Mio. Euro erreicht, auch wenn es ein schwaches Windjahr war. Wir sind als IPP, also Halter und Betreiber von Wind- und PV-Parks, aktiv. Insofern hatte das einen dämpfenden Einfluss auf unser Stromerzeugungsergebnis in 2025. Andererseits lief das Projektgeschäft gut. Wir haben sehr viele Projekte gebaut und auch verkauft. Darüber hinaus waren viele weitere Projekte in der Bauphase – sowohl für uns selbst als auch als Dienstleistung für andere Unternehmen.

Dazu haben wir das Jahr genutzt, um Weichen für die Zukunft zu stellen. Wir wollen fokussierter, schlanker und profitabler werden.

Anleihen Finder: Wie bewerten Sie aktuell die Entwicklung Ihrer Verschuldungskennzahlen und welche Zielgrößen verfolgen Sie mittel- bis langfristig bei Eigenkapitalquote und Leverage?

„Unsere stillen Reserven belaufen sich auf über 150 Mio. Euro“

Heiko Wuttke: Die Eigenkapitalquote liegt aktuell bei rund 13 %. Der Rückgang in den vergangenen Jahren ist im Wesentlichen auf die Bilanzausweitung im Zuge des Aufbaus unseres IPP-Portfolios zurückzuführen. Gewinne aus Projekten, die in den Eigenbestand übernommen werden, werden auf Konzernebene eliminiert. Diese eliminierten, d.h. nicht realisierten Gewinne stellen sogenannte stille Reserven dar, die nicht sofort erkennbar sind. Sie belaufen sich auf über 150 Mio. Euro. Einschließlich der stillen Reserven lag die Eigenkapitalquote zuletzt bei 23,6 %.

Daher greift der Blick auf die bilanzielle Eigenkapitalquote von zuletzt rund 13 % zu kurz. Mittelfristig streben wir eine bilanzielle Eigenkapitalquote von mindestens 20 % an und erwarten bereits im Jahr 2026 eine deutliche Steigerung.

Anleihen Finder: Wie wollen Sie die Profitabilität und die Cashflow-Generierung der Gruppe in den kommenden Jahren weiter stärken?

„Wir bauen den Eigenbestand an eigenen Wind- und Solarparks perspektivisch aus. Bereits jetzt haben wir einen Eigenbestand von 466 MW“

Heiko Wuttke: Wir setzen unter anderem auf das Transformations- und Kostensenkungsprogramm „Focus & Deliver“, auf höhere Kostendisziplin und auf eine stärkere Monetarisierung der Pipeline durch Projektverkäufe. Gleichzeitig bauen wir den Eigenbestand an eigenen Wind- und Solarparks perspektivisch aus, um stabilere, wiederkehrende Cashflows zu generieren. Bereits jetzt haben wir einen Eigenbestand von 466 MW. Der EBITDA-Beitrag aus dem Segment Stromerzeugung belief sich 2025 auf 73 Mio. Euro.

Anleihen Finder: Wie hoch ist aktuell die gesamte Projektpipeline der PNE AG über alle Technologien hinweg und welche Ausbauziele verfolgen Sie bis 2030?

Heiko Wuttke: Wir haben unsere Projektpipeline 2025 sehr bewusst bereinigt. Dies war aufgrund der veränderten Marktbedingungen – insbesondere auf den internationalen Märkten in Kanada, Spanien und Rumänien – erforderlich. Die Straffung der Pipeline ist ein wichtiger Bestandteil unserer strategischen Ausrichtung auf profitable Märkte und Projekte, wodurch sich unser Risikoprofil weiter verbessert.

Nach dieser Bereinigung liegt die Projektpipeline aktuell stabil bei rund 21,7 GW über alle Technologien hinweg. Unser Ziel ist es, dieses Niveau langfristig zu sichern und das Eigenbetriebsportfolio perspektivisch gleichzeitig auszubauen.

Anleihen Finder: Welche Bedeutung haben künftig Speicherlösungen, hybride Energieprojekte sowie Power-to-X-Anwendungen innerhalb Ihrer Unternehmensstrategie?

Heiko Wuttke: Speicher und hybride Projekte gewinnen strategisch an Bedeutung, da sie die Integration erneuerbarer Energien ermöglichen. Technologisch fokussieren wir uns dabei auf Wind onshore, Photovoltaik und Batteriespeicher (BESS). Darüber hinaus richten wir unser Geschäft künftig noch stärker auf die Netz- und Systemdienlichkeit aus. Unser Fokus liegt dabei auf integrierten, systemischen Lösungen, auch für Industriekunden.

Wir leisten damit nicht nur einen Beitrag zur Erzeugung sauberer Energie, sondern betrachten das gesamte System der Energieversorgung.

Anleihen Finder: Was unterscheidet die PNE AG heute aus Ihrer Sicht am stärksten von anderen börsennotierten Erneuerbare-Energien-Unternehmen in Europa? Welche strategischen Vorteile besitzt die PNE-Gruppe gegenüber anderen Projektentwicklern und Energieunternehmen?

„PNE zeichnet sich durch ein integriertes Geschäftsmodell aus, das Projektentwicklung, Eigenbetrieb und Servicegeschäft kombiniert“

Heiko Wuttke: PNE zeichnet sich durch ein integriertes Geschäftsmodell aus, das Projektentwicklung, Eigenbetrieb und Servicegeschäft kombiniert. Gleichzeitig verfolgen wir bewusst einen flexiblen Ansatz zwischen Verkauf und Eigenbestand. Neben den attraktiven Chancen, die das Entwicklungsgeschäft bietet, macht uns der Eigenbestand an Energieerzeugungsanlagen zum Stromproduzenten mit langfristig planbaren Erträgen. Unsere Windparks profitieren langfristig von Einspeisetarifen mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von rund 15 Jahren.

Ein wesentlicher Unterschied liegt auch darin, dass wir stärker ganzheitlich beziehungsweise systemisch denken und uns zunehmend als Anbieter von integrierten Energielösungen positionieren. Diese Kombination aus Projektverkäufen und langfristigem Betrieb schafft sowohl kurzfristige Erträge als auch langfristige, stabile Einnahmen.

Anleihen Finder: In welchen Regionen oder Märkten sehen Sie aktuell die größten Wachstums- und Investitionschancen?

„Das Geschäft mit Industriekunden, die ihre Energieversorgung dekarbonisieren wollen, gewinnt zunehmend an Bedeutung“

Heiko Wuttke: Die größten Chancen sehen wir in unseren europäischen Kernmärkten, insbesondere in Deutschland, Frankreich und Polen, wo wir bereits eine starke Pipeline haben. Gleichzeitig gewinnt das Geschäft mit Industriekunden, die ihre Energieversorgung dekarbonisieren wollen, zunehmend an Bedeutung. Märkte, die unsere Renditeerwartungen nicht erfüllen, haben wir verlassen oder werden dies tun. Diesen Schritt haben wir schon 2024 mit dem Verkauf unseres US-Geschäfts eingeleitet und mit der Veräußerung unserer Aktivitäten in UK, Schweden und Panama fortgeführt. Weitere Märkte werden 2026 folgen.

Anleihen Finder: Welche Risiken sehen Sie derzeit für die Branche – etwa durch Zinsniveau, Genehmigungsverfahren, regulatorische Veränderungen oder steigenden Wettbewerbsdruck?

Heiko Wuttke: Zu den größten Herausforderungen zählen weiterhin höhere Finanzierungskosten, langwierige Genehmigungsverfahren und Engpässe beim Netzanschluss. Gerade letzterer Punkt wird zunehmend zum limitierenden Faktor für den Ausbau erneuerbarer Energien. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist nur dann erfolgreich, wenn Netze und Systemintegration mithalten.

Anleihen Finder: Abschließend: Welche Ziele verfolgen Sie mit der PNE AG in den nächsten drei bis fünf Jahren – sowohl operativ als auch strategisch innerhalb des europäischen Marktes für erneuerbare Energien?

„Unser Ziel ist es, die PNE auf profitable Technologien und Märkte zu fokussieren“

Heiko Wuttke: Unser Ziel ist es, die PNE auf profitable Technologien und Märkte zu fokussieren. Damit wollen wir die Profitabilität deutlich steigern und mit dem perspektivischen Ausbau des Eigenbetriebs nachhaltig wachsen. Gleichzeitig wollen wir PNE stärker als integrierten Anbieter für erneuerbare Energielösungen in Europa positionieren. Dabei werden wir unsere Organisation – wie im Transformations- und Kostensenkungsprogramm Focus & Deliver vorgesehen – schlanker und effizienter machen.

Hier finden Sie den Original-ArtikelPNE-CEO Wuttke: „Wir wollen schlanker und profitabler werden“

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