Source: Deutsche Nachrichten
Während bundesweit die Unternehmensinsolvenzen auf ein neues Rekordhoch angestiegen sind, meldet die Landeshauptstadt Düsseldorf über 25 Prozent weniger Insolvenzen als im Vorjahr. Nach zwei Jahren mit stark steigenden Insolvenzzahlen verzeichnet Düsseldorf im Jahr 2025 eine spürbare Entlastung, da die Zahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich zurückgegangen ist. Insgesamt wurden 347 Insolvenzverfahren registriert, nach 481 Fällen im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von 27,9 Prozent.
Auch der Rhein-Kreis Neuss meldet rund 15 Prozent weniger Insolvenzen als im Vorjahr. Nach dem deutlichen Anstieg der letzten beiden Jahre ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Rhein-Kreis Neuss im Jahr 2025 spürbar zurückgegangen. Insgesamt wurden 155 Insolvenzverfahren gezählt, nach 183 Fällen im Jahr 2024. Das entspricht einem Rückgang von 15,3 Prozent.
Im Vergleich zur Landeshauptstadt Düsseldorf fällt der Rückgang der Insolvenzen im Rhein-Kreis Neuss moderater aus.
Dennoch ist noch Zurückhaltung bei der Bewertung der Entwicklung geboten. „Der Rückgang ist ein positives Signal, aber noch keine Entwarnung. Das wirtschaftliche Umfeld bleibt anspruchsvoll“, erklärt André Becker, Mitglied der Geschäftsleitung bei Creditreform Düsseldorf / Neuss.
Langzeitbetrachtung: Düsseldorf und der Rhein-Kreis Neuss wieder unter dem Durchschnittswert
Ein vorsichtig optimistisches Signal ergibt sich aus dem langfristigen Vergleich: Mit 347 Insolvenzen liegt Düsseldorf 2025 wieder leicht unter dem 26-jährigen Durchschnitt von 398 Fällen. Im Vorjahr war dieser Referenzwert mit 481 Insolvenzen deutlich überschritten worden. Auch der Zehnjahresdurchschnitt wurde 2025 erstmals seit 2022 wieder knapp unterschritten.
Der Rhein-Kreis Neuss liegt 2025 nicht nur unter dem Vorjahr, sondern auch unter dem langfristigen Mittel. Der 10-Jahres-Trend liegt bei 178 Insolvenzen, der 26-Jahres-Durchschnitt bei 210 Insolvenzen – 2025 bleibt mit 155 Fällen deutlich darunter.
Damit kehrt die Region nach den leichten Ausschlägen der Vorjahre wieder in eine Zone zurück, die als „normalisiert“ gelten kann, auch wenn Normalität derzeit vielerorts neu definiert wird.
Kosten- und Finanzierungsdruck bleibt hoch
Trotz rückläufiger Insolvenzzahlen bleibt das wirtschaftliche Umfeld anspruchsvoll. Hohe Standortkosten, anhaltender Personal- und Mietdruck sowie weiterhin restriktive Finanzierungsbedingungen stellen viele Unternehmen vor große Herausforderungen.
„Der Rückgang der Insolvenzen bedeutet nicht, dass sich die wirtschaftliche Lage grundlegend verbessert hat. Die Zahlen deuten darauf hin, dass Unternehmen vorsichtiger agieren, Investitionen zurückstellen und stärker auf Liquidität achten“, so Becker.
Insolvenzgeschehen – Einordnung in den bundesweiten Kontext
Seit 2022 steigt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland kontinuierlich an. Im Jahr 2025 wurde mit 23.900 Insolvenzen der höchste Stand seit zehn Jahren erreicht. Der Anstieg fiel jedoch deutlich moderater aus als in den beiden Vorjahren. Während 2023 und 2024 noch Zuwächse von jeweils über 22 Prozent verzeichnet wurden, lag das Plus 2025 bei 8,3 Prozent.
Die Insolvenzquote in Nordrhein-Westfalen ist von 90 Fällen je 10.000 Bestandsunternehmen auf 100 Fälle angestiegen und hatte damit einen besonders ausgeprägten Zuwachs. Die Landeshauptstadt und der Rhein-Kreis Neuss hingegen trotzen dem Trend des Landes- und Bundes. Insgesamt zeigt sich damit eine leichte Beruhigung des Insolvenzgeschehens, von einer eindeutigen Entwarnung kann jedoch weiterhin keine Rede sein.
Ausblick: Vorsichtiger Optimismus für 2026
Für das kommende Jahr erwartet Creditreform Düsseldorf / Neuss, dass sich die Unternehmensinsolvenzen auf einem ähnlichen Niveau einpendeln. Entscheidend wird sein, wie sich Konsum, Finanzierungskosten und geopolitische Rahmenbedingungen entwickeln. „Unternehmen, die ihre Kostenstrukturen im Griff haben und flexibel auf Marktveränderungen reagieren, verfügen aktuell über bessere Perspektiven“, so Becker abschließend.
