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Die Zoom-Revolution: Warum die neuen Meetings uns verändern

Die Zoom-Revolution: Warum die neuen Meetings uns verändern

Source: Deutsche Nachrichten
Karrieren beginnen am Konferenztisch. Was aber, wenn dieses Möbel bald der Vergangenheit angehört? Eine entscheidende Säule fürs miteinander eines jeden Unternehmens gerät gerade ins Wanken: Durch Corona hat sich eine neue Meeting-Realität etabliert. Vom „Wir am Tisch“ zum „Ich vor dem Bildschirm“. Wir verändern die äußeren Umstände an einer so sensiblen Stelle im Unternehmen, mit Auswirkungen für die Firmen, aber auch für jede und jeden Einzelnen in der Belegschaft, ohne genauer darüber nachzudenken? Was bedeutet das.

Diese Frage stellt die Journalistin und ehemalige Fernsehmoderatorin Ulrike Gehring. In ihrem Buch „Die Risiken der Zoom-Revolution“ warnt sie vor ungesehenen Folgen für Entscheidungen in Videokonferenzen und gibt handfeste Tipps, wie aus dem Zeit- und Geldfresser Meetings ein Karriereschub werden kann.

Millionenverschwendung durch unproduktive Meetings

Millionen werden verschwendet, in Meetings, die ohne sinnvolle Ergebnisse kollektiv Zeit kosten. Studien identifizieren folgende Hauptursachen für Belegschaftsfrust: Meetings werden von den Teilnehmern oft als „verlorene Zeit“ wahrgenommen, Ergebnisse bleiben vage, es erfolgen keine unmittelbaren Handlungsaufträge. Zwar wird viel geredet, doch wenig entschieden – nicht zuletzt, weil Handlungskompetenzen und Entscheidungsbefugnisse unklar sind. Zunehmend dienen Meetings nur noch der Absicherung von Entscheidungen, Verantwortungen sollen verteilt werden. Es entstehen neue Probleme – statt erhoffter Lösungen. Ein Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern verbrennt laut einer Studie von TimeInvest statistisch fast 6 Millionen € pro Jahr an Personalkosten für vergeudete Zeit. Der Wandel zu Videomeetings fördert eine passive Haltung, sagt die Fernsehfrau Ulrike Gehring und meint damit: Tendenz steigend.

Häufig werden Meetings von Mitarbeitenden zunehmend als Kontrollinstrument wahrgenommen – und bei Überschneidungen unterschiedlicher Hierarchieebenen verlieren Besprechungen gar schnell den kooperativen Charakter. Auffallend auch, dass Meetings oft als Bühne für Konkurrenzkämpfe „missbraucht“ werden: Statt gemeinsamer Strategien und Lösungen stehen persönliche Auseinandersetzung und Selbstdarstellung im Vordergrund. Wer sicherer mit seinem Video-Selbst umgeht, erhöht den Einfluss. Introvertiertere Kräfte eines Teams drohen, an Gestaltungsmöglichkeiten zu verlieren.  

Was in der Phase der Pandemie von allen als große Erleichterung begrüßt worden ist, hat sich inzwischen zum neuen Geschäftsalltag gefestigt. Seinerzeit waren alle Menschen erleichtert und geradezu elektrisiert von den neuen Möglichkeiten, die Zoom, Teams & Co. fürs Miteinander geboten haben: Besser, sich gegenseitig wenigstens auf dem Bildschirm sehen zu können, als aus dem Lockdown heraus nur miteinander zu telefonieren.

Aber Achtung: So zukunftsweisend und chancenreich die Schnellstart-Umsetzung der Vision vom mobilen Arbeitsplatz auch ist: Wir müssen uns darüber klar werden, was der Unterschied vom Präsenzmeeting zur Kommunikation über Video-Call-Kacheln bedeutet. Er beschränkt unsere Wahrnehmung enorm, er verändert die Kraftverhältnisse in Konferenzen und nimmt unmerklich Einfluss auf Entscheidungen, Betriebsklima und auf den Frustpegel von Mitarbeitern.    

„Kein Geschäft ohne Gefühl, keine Entscheidung ohne Intuition“, das ist das Credo der Medienarbeit von Ulrike Gehring. Die Frankfurter Kommunikationsexpertin und Filmproduzentin befasst sich seit Jahrzehnten mit Wahrnehmungsinstinkten von Fernsehzuschauern, warum ist wer oder was für die breite Masse interessant, was macht ein Argument spannend, wie wirken optische Reize auf unser Unbewusstes. Neben dem Rezipientenverhalten geht es in ihren Medien- und Konferenztrainings auch um unterbewusste Wirkweisen in Gesprächsrunden am Tisch, um unsichtbare Gesprächslinien, Verhaltensmuster und veränderte Wahrnehmungsprozesse.

“One bad meeting causes three more meetings”
… sagt Joe Allen, professor of organizational science, University of Utah. Ja, es gibt inzwischen sogar einen Lehrstuhl zu unproduktiven Meetings. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen untersuchen die Zusammenhänge von gestiegenem Krankenstand, schnellen Jobwechseln und vor allem dem negativen Payback für Meetingteilnehmer.

Das können wir doch besser, sagt Gehring, und sensibilisiert für ein neues Verständnis in der Meetingkultur. Das Buch „Die Risiken der Zoom-Revolution“ geht das Thema genau da an, wo all die Auswirkungen, die Wirtschaftstreibende als BuzzWords kennen, ihre Ursache hat: Was genau passiert in den Meetings, welche unbewussten Reaktionen und Verschiebungen bringt die Zoom-Revolution mit sich? Was passiert mit unserer Intuition und wie entscheidungssicher bewegen sich Unternehmen in der veränderten Kommunikation durch Remote. Wo lauern neue Risiken und Chancen. Wer die geheimen Mechanismen einer Gesprächsrunde kennt, profitiert in “alten” und neuen Meetings.

Es ist eine alarmierende Analyse für Wirtschaftstreibende und ein lohnender Denkausflug für alle, die viel Zeit in Meetings verbringen. Autorin und Wirtschaftsjournalistin Ulrike Gehring sensibilisiert für einen neuen Umgang mit Meeting-Formaten, liefert rhetorisches Rüstzeug und praxisnahe Tipps vom Medienprofi.

Ein Buch für zielstrebige Talente und all jene, die statt Zoom-Fatigue erfolgreich Schwung in ihr berufliches Selbstverständnis bringen möchten.

MIL OSI