Source: Deutsche Nachrichten
Willkommen im Kuriositätenkabinett der modernen Apotheken, wo neben Hustensaft auch Hanteln über den Tresen gehen und ein Zelt gegen Schlaflosigkeit empfohlen wird. In einer Welt, in der fast alles als gesundheitsfördernd gilt, verwandeln sich Apotheken in Alleskönner-Läden, die nicht nur Medikamente, sondern auch unerwartete Abenteuer bieten.
Stellen Sie sich vor, Sie marschieren in Ihre örtliche Apotheke, um etwas gegen den nervigen Schnupfen zu holen, und stehen plötzlich zwischen Zelten und Proteinriegeln. Nicht etwa, weil die Grippe jetzt mit Freiluftaktivitäten bekämpft wird, sondern weil die Apotheke dank neuer Gesetzgebung jetzt alles verkaufen darf, was im entferntesten Sinne als gesundheitsfördernd gilt.
Wo einst die Regale mit Hustensaft und Herzmedikamenten dicht gedrängt waren, finden sich nun Kletterseile und Yogamatten. „Für die körperliche Ertüchtigung!“, erklärt die Apothekerin mit einem Schmunzeln, während sie einem verblüfften Kunden ein Paar Laufschuhe empfiehlt, die neben der Nasensalbe präsentiert werden.
Die neue Sortimentsfreiheit hat die Apotheken in wahre Wunderkammern verwandelt. Hier ein Regal mit biodynamischen Chia-Samen, dort die Auslage mit nachhaltig produzierten Wanderrucksäcken. „Alles für Ihre Gesundheit!“, beteuert die Apothekerin, während sie einem skeptischen Rentner erklärt, dass die Proteinshakes neben der Blutdruckmedizin nicht nur den Muskelaufbau fördern, sondern auch hervorragend gegen das Vergessen helfen.
Natürlich erfordert die neue Vielfalt eine gewisse Kreativität bei der Beratung. Auf die Frage, ob denn auch etwas gegen Schlaflosigkeit angeboten wird, präsentiert die Apothekerin stolz ein Zelt. „Stellen Sie es im Garten auf und zählen Sie die Sterne – natürlicher und wirksamer kann Schlafmedizin nicht sein!“, verkündet sie mit einem Augenzwinkern.
Die Inventur in diesen neuen Zeiten gleicht einer Weltreise. Neben klassischen Medikamenten stehen nun Artikel, die man eher in einem Sportgeschäft oder einem Feinkostladen erwarten würde. Diese breite Palette sorgt nicht nur für Erheiterung bei den Kunden, sondern stellt auch die Dokumentationspflicht auf eine harte Probe. Jeder verkaufte Gegenstand, ob Heftpflaster oder Hantel, muss sorgfältig in der digitalen Patientenakte erfasst werden – für den Fall, dass die Krankenkasse wissen möchte, wie ein Kajak zur Behandlung von Rückenschmerzen beiträgt.
So mancher Kunde verlässt die Apotheke mit einem Schlauchboot unter dem Arm und einem Rezept für Vitamin D in der Tasche, während die Apothekerin bereits den nächsten Kunden berät, der wissen möchte, ob das neue, glutenfreie Paddelbrot auch gegen Weizenallergien hilft. In dieser neuen Ära der Apotheken ist der Einfallsreichtum grenzenlos, und das Abenteuer Gesundheit erhält eine ganz neue Bedeutung.
Von Engin Günder, Fachjournalist
