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Waldkongress 2024

Waldkongress 2024

Source: Switzerland – Federal Council in German

Bern, 03.09.2024 – Rede von Bundesrat Albert Rösti

(Es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrter Herr Präsident von WaldSchweiz

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft, Politik und Verbände

Sehr geehrte Mitglieder von WaldSchweiz

Sehr geehrte Damen und Herren

Lassen Sie mich beginnen mit einem Dank und einem Lob:

  • Zunächst möchte ich mich herzlich bedanken für die Einladung zu Ihrem Kongress. Ich bin gerne gekommen. Der Wald liegt mir am Herzen. Ich bin gerne im Wald, wie die allermeisten Menschen. Dort kann ich Kraft schöpfen, mich an der Natur erfreuen. Als Umweltminister weiss ich aber auch: Mit dem Wald sind einige Herausforderungen verbunden. Und damit komme ich zum Lob:
  • Dass Ihr Verband erneut einen Kongress organisiert hat, ist sehr wichtig. Gerade mit 250 000 privaten und öffentlichen Waldeigentümern – eine eindrückliche Zahl! – kann der Austausch zu brennenden Themen, der Austausch von Wissen und Lösungen bei Problemen nicht hoch genug eingestuft werden. Dieser Anlass vernetzt zudem die vielen Akteure, die ja – wie ich – alle ein gemeinsames Interesse haben, nämlich das Interesse an einem gesunden und starken Schweizer Wald. Deshalb freue ich mich, heute hier bei Ihnen zu sein.

Sie widmen sich an Ihrem Kongress der Verjüngung des Waldes. Das ist ein zentrales Thema, wie ich Ihnen an drei Bereichen aufzeigen möchte.

ERSTENS: Der Wald als Schutz vor Naturgefahren

Der Wald schützt unsere Bevölkerung vor Lawinen, vor Steinschlag und Murgängen. Rund die Hälfte unserer Wälder sind Schutzwälder. Wie wichtig sie sind, wurde uns gerade in diesem Jahr mit den Naturkatastrophen im Berggebiet mehrfach vor Augen geführt. Und persönlich füge ich bei: Aufgewachsen in Kandersteg weiss ich, welche Kraft die Natur entwickeln kann und wie wichtig die Vorsorge bei Naturgefahren ist. Die Voraussetzung für wirksame Schutzwälder ist indes, dass der Wald gesund ist. Er ist allerdings unter Druck: Phasen der extremen Trockenheit auf der einen Seite, dann wieder lange anhaltender Regen und starke Nässe auf der anderen Seite, aber auch heftiger Wind oder gar Stürme machen dem Wald zu schaffen. Die Bäume werden geschwächt und dadurch anfälliger für Insekten- oder Pilzbefall, Windwurf oder Ähnliches.

Dabei wird der Schutzwald immer wichtiger. Nicht nur, weil die Bevölkerung wächst – und mit ihr die Siedlungen und Infrastrukturen, die zu schützen sind –, sondern auch, weil mit der Zunahme von extremen Wetterereignissen die Risiken von Naturgefahren steigen.

Der Schutzwald ist die wichtigste natürliche Massnahme zum Schutz vor Naturgefahren. Er schützt Siedlungen und Verkehrswege grossflächig vor Naturgefahren. Damit ist er für viele Regionen von existenzieller Bedeutung. So trägt er etwa zur ganzjährigen Erreichbarkeit der Bergtäler bei. Und im Vergleich zu technischen Massnahmen ist er deutlich kostengünstiger. Der volkswirtschaftliche Wert der Schutzwirkung des Waldes wird auf über 4 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt.

Schutzwaldpflege ist jedoch ein Verlustgeschäft: Was mit dem Holzverkauf verdient werden kann, vermag die Kosten für die Waldpflege nicht zu decken. Daher sinkt die Motivation der Waldbesitzerinnen und -besitzer für die Waldpflege und Holzernte. So werden die Wälder aber allmählich älter, dunkler und dichter. Das ist problematisch: Wenn Schutzwälder überaltern, nimmt der Schutz ab. Deshalb braucht es – und damit sind wir eben beim Thema Ihrer Tagung – eine Verjüngung des Schutzwaldes.

Der Bundesrat räumt der Erhaltung des Schutzwaldes nicht nur in der aktuellen, sondern auch in der künftigen Wald-Strategie eine hohe Priorität ein. Etwas salopp gesagt müssen wir den Wald fit für die Zukunft machen – etwa indem wir vermehrt auf Baumarten setzen, die starker Hitze trotzen können. Der Bund erarbeitet zudem mit Hilfe der Forschung Grundlagen für den Waldbau an exponierten Standorten, damit diese Wälder weiterhin Siedlungen und Infrastrukturen wie Strassen und Bahnlinien schützen. Das soll die Widerstandskraft der Wälder stärken.

Kurz: Bund, Kantone und Waldbesitzer werden punkto Schutzwald in den nächsten Jahren noch stärker gefordert sein.

ZWEITENS: Der Wald als Hort der Biodiversität

Wichtig ist dem Bundesrat auch die Biodiversität in den Wäldern. Sie hat sich – und das ist sehr erfreulich – positiv entwickelt. Zu verdanken ist dies dem Engagement von Bund und Kantonen. Sie haben im Rahmen der «Strategie Biodiversität Schweiz», des Aktionsplans zum Schutz der Biodiversität und der Waldpolitik 2020 in die Artenvielfalt im Wald investiert – und dies mit Erfolg: Heute gibt es im Wald wieder mehr Insekten und mehr Vögel, zum Beispiel mehr Spechte. Es hat sich also für die Natur ausbezahlt, dass ökologisch wertvolle Wälder als Reservate ausgeschieden wurden und dass mehr Totholz als früher liegengelassen wird, das Tieren als Lebensraum dient.

Zu verdanken ist dieser Erfolg aber auch Ihnen, den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern. Sie bewirtschaften die Wälder naturnah, die Verjüngung der Wälder erfolgt bei Ihnen wenn immer möglich auf natürlichem Weg, und so unterstützen Sie den Kreislauf der Natur vom Samen bis eben zum Totholz.

Ich sage dies auch vor dem Hintergrund der Abstimmung über die Biodiversitätsinitiative am 22. September. Die Initiative will mehr Flächen schützen und den Schutz für bestehende Schutzgebiete noch ausdehnen. Für den Bundesrat geht dies zu weit. Das Schutzinteresse würde absolut gewichtet, das bewährte Abwägen zwischen dem Schutz der Natur und ihrer Nutzung wäre mit einem Ja nicht mehr möglich.

Das Beispiel des Waldes zeigt, dass die Förderung der Artenvielfalt ohne eine neue Gesetzgebung möglich ist. Es freut mich, dass Ihr Verband diese Einschätzung teilt, und ich danke Ihnen, dass auch Sie die Initiative zur Ablehnung empfehlen. Ein Nein ist kein Nein zur Biodiversität: Der Bund wird auch in Zukunft die Natur schützen – etwa die Lebensräume in den Wäldern – und weiterhin in Massnahmen investieren, die den Tieren und Pflanzen etwas bringen – ganz konkret, aber mit Umsicht und Augenmass.

DRITTENS: Die Bedeutung der Holzwirtschaft

Positive Nachrichten gibt es auch aus der Holzwirtschaft: Die Nachfrage nach Holzprodukten in der Schweiz steigt kontinuierlich. Der Holzverbrauch ist im Vergleich zum letzten Jahrzehnt um über 15 Prozent gestiegen.

Allerdings werden davon nach wie vor grosse Mengen auch aus dem Ausland importiert, weshalb wir hier mit einer wirksamen Strategie zur Ressource Holz Gegensteuer geben wollen.

Die zukünftige Wald- und Holzstrategie 2050 des Bundesrats setzt genau hier an. Der Bund erarbeitet sie zurzeit zusammen mit den Kantonen. Andere Sektoren wie z.B. Energie und Landwirtschaft werden dabei für eine Gesamtsicht miteinbezogen. Bewährte Elemente aus der bisherigen Waldpolitik und der Ressourcenpolitik Holz werden zusammengeführt und, wo nötig, weiterentwickelt. Damit wollen wir die Waldbesitzer und Forstbetriebe noch besser unterstützen als bisher. Ich werde Ihnen diese neue Strategie voraussichtlich im ersten Halbjahr 2025 vorstellen können.

Wichtig ist, dass die einheimische Ressource Holz nachhaltig genutzt wird. Das bedeutet: Sie soll umwelt- und sozialverträglich, regional verankert und wettbewerbsfähig sein. Am Holz hängen Tausende Arbeitsplätze: Schreiner, Förster, Ingenieurinnen verdienen ihren Lebensunterhalt mit Holz.

Diese Ressource soll aber auch gestärkt werden, damit die grosse Holznachfrage im Inland vermehrt mit Schweizer Holz gedeckt werden kann – etwa für Gebäude oder Brücken. Nutzen wir Schweizer Holz, leisten wir damit einen wichtigen Beitrag zur Pflege unserer vielfältigen Wälder und zur Sicherung ihrer Funktionen und Leistungen, die ich vorhin erwähnt habe. Auch hier gilt: Schutz und Nutzen müssen aufeinander abgestimmt sein.

Die Waldverjüngung, um auf Ihr Kongressthema zurückzukommen, wird in der Strategie Eingang finden. Zur Diskussion stehen etwa Programmvereinbarungen des Bundes für die Unterstützung von Waldeigentümern bei Verjüngungs- und Pflegemassnahmen.

Auch das Parlament setzt sich nach Kräften für den Schweizer Wald ein: Im Sommer hat der Nationalrat die Motion Ihres Präsidenten, Ständerat Daniel Fässler, angenommen, wonach der Bund weiterhin jährlich 25 Millionen Franken zusätzlich für den Wald investieren soll. Diese Zusatzmittel müssen allerdings noch vom Parlament bewilligt werden, was angesichts der angespannten Finanzlage des Bundes kritisch diskutiert wird.

Meine Damen und Herren

Damit der Wald auch in Zukunft dem Schutz unserer Bevölkerung, der Biodiversität und der Holzwirtschaft dienen kann, braucht es gute und zeitgemässe Rahmenbedingungen. Dafür werde ich mich nach besten Kräften einsetzen.

Ich wünsche Ihnen eine erspriessliche Zusammenarbeit und ebensolche Diskussionen.

DANKE – MERCI – GRAZIE!


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