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Abwärtstrend mit Folgen

Abwärtstrend mit Folgen

Source: Deutsche Nachrichten
Im vergangenen Jahr haben rund 500 Apotheken in Deutschland dicht gemacht. Der Abwärtstrend wird vor allem im langfristigen Vergleich deutlich. Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ist die Zahl seit dem Höchststand im Jahr 2008 mit rund 21.800 Apotheken rückläufig. Waren es im Jahr 2013 noch 20.662 Apotheken, sank die Zahl zu Ende 2023 auf 17.571. Binnen zehn Jahren haben mehr als 3.000 Apotheken ihren Betrieb eingestellt. Allein im ersten Quartal 2024 sank die Anzahl der Apotheken in Deutschland um 142 auf 17.429. Immer mehr Apotheken sind hierzulande nicht mehr in der Lage, den Betrieb fortzuführen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: aufgrund steigender Betriebskosten, zunehmender Konkurrenz durch Online-Apotheken und veränderter gesetzlicher Rahmenbedingungen ist der Betrieb einer Apotheke wirtschaftlich anspruchsvoller geworden. Oftmals finden Einzelfilialen – besonders auf dem Land – keine Apotheker, die gewillt sind, den Betrieb zu übernehmen.

„Pro Tag verschwindet mehr als eine Apotheke vom Markt, die genaue Zahl ist 1,36. Das muss man einfach klar kommunizieren“, formuliert es Mark Böhm, CEO bei NOVENTI Health SE, und ergänzt: „Als apothekereigenes Unternehmen spüren wir es deutlich: Die Apotheken in Deutschland stecken in einem massiven Umbruch. Die Vor-Ort-Apotheke kämpft mit Personalmangel, Bürokratie, real sinkenden Honoraren und digitaler Transformation.“ NOVENTI ist der führende Anbieter von Software, Finanzdienstleistungen und digitalen Plattformen im deutschen Gesundheitsmarkt. Mit Dienstleistungen und Produkten in den Bereichen Abrechnung, Warenwirtschaft und Branchensoftware steht das Unternehmen sämtlichen Leistungserbringern des Gesundheitswesens zur Seite. Dazu zählen unter anderem Apotheken, Arztpraxen, Physiotherapien, Sanitätshäuser, Krankenhäuser und Pflegedienste sowie deren Kunden beziehungsweise Patienten.

„Deutschland liegt in der Apothekendichte ein Drittel hinter dem EU-Schnitt und landet auf den hinteren Plätzen. Dies hat massive Auswirkungen auf die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung“, erklärt Böhm. Diese Entwicklung habe nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sehr konkrete Konsequenzen für die Bevölkerung. Die Vor-Ort-Apotheke ist eine wichtige Säule der flächendeckenden Gesundheitsversorgung. Sie bietet eine niedrigschwellige Beratung, die sowohl für Patienten als auch für das Gesundheitssystem insgesamt von großer Bedeutung sind.

Das Angebot von Apotheken umfasst weit mehr als die Abgabe rezeptpflichtiger und -freier Medikamente. Das Medikationsmanagement, Impfungen, Blutdruck- und Blutzuckermessungen sowie die spezialisierte Beratung und Versorgung von Krebspatienten mit onkologischen Arzneimitteln zählen zu den täglichen Aufgabenbereichen. Diese direkte und persönliche Interaktion und pharmazeutischen Dienstleistungen sind etwas, das Online-Apotheken nicht in derselben Qualität bieten können.

„Das Apothekensterben in Deutschland ist daher ein ernstzunehmendes Problem, denn die flächendeckende Gesundheitsversorgung ist gefährdet. Die Schließung einer Vor-Ort-Apotheke nimmt den Patienten den Zugang zu persönlicher und diskreter Beratung sowie die sofortige Medikamentenversorgung“, führt Böhm weiter aus. Wichtige pharmazeutische Dienstleistungen wie das Medikationsmanagement würden entfallen, Gesundheitschecks und Präventionsangebote, die zur Früherkennung und Vorsorge dienen, wären nur über Praxen abbildbar. Der niedrigschwellige Zugang zu Gesundheitsinformationen und Unterstützung bei der Selbstmedikation würde ebenfalls verloren gehen. Gleiches gilt für die soziale und emotionale Unterstützung, die durch vertrauensvolle Beziehungen zum Apothekenpersonal entstehen.

„Die Vor-Ort-Apotheke ist ein zentraler Ort mit gesundheitlicher, aber auch gesellschaftlicher Bedeutung, den es zu schützen gilt. Es besteht dringender Handlungsbedarf für die Vor-Ort-Apotheke, für das Gesundheitssystem, für die Gesundheit der Menschen“ skizziert NOVENTI-Vorstand Böhm und fordert: „Um das Apothekensterben aufzuhalten, benötigen Apotheker dringend eine Honorarerhöhung auf 12 Euro pro verschreibungspflichtigem Medikament. Jetzt ist die Politik gefordert.“

MIL OSI