Source: Deutsche Nachrichten
Nach acht Jahren konnte im Technischen Komittee der International Organization for Standardization (ISO) eine Einigung über die Revision der Norm für den Offsetdruckprozess erzielt werden. Die wesentlichen Änderungen beziehen sich auf Druckbedingungen, Prozesskalibrierung, Messunterlagen und Toleranzen. Um Druckbetriebe auf diese Neuerungen vorzubereiten, bietet die Fogra Anfang 2027 Schulungen an.
Die ISO 12647-2 bildet seit vielen Jahren die unverzichtbare Basis für eine wirtschaftliche, ökologische und qualitativ hochwertige Offset-Druckproduktion. Die bislang gültige Norm stammt bereits aus dem Jahr 2013. Im Jahr 2019 wurde unter aktiver Mitwirkung der Fogra eine Revision gestartet, die sich aufgrund der schwierigen Kompromissfindung aller beteiligten Länder über acht Jahre erstreckt hat. Nach langer Arbeit hat das zuständige ISO-Gremium TC130 WG3 schließlich eine Einigung erzielt. Demnach ist geplant, bis Ende 2026 eine sogenannte DIS-Version (Draft International Standard) zu veröffentlichen. Obwohl die finale Abstimmung erst im nächsten Jahr erfolgt, kann davon ausgegangen werden, dass der vorliegende Entwurf inhaltlich unverändert übernommen wird.
Die wesentlichen Neuerungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Druckbedingungen
Künftig gibt es drei Arten von Standard-Druckbedingungen: nativ, registriert und relativ.
Die zwölf nativen Druckbedingungen bilden die in der Praxis am häufigsten eingesetzten Bedruckstoffe ab und sind samt Sollwerten explizit in der Norm definiert. Dazu zählen die im Bogenoffset seit Jahren etablierten Druckbedingungen für gestrichene (FOGRA51) und ungestrichene (FOGRA52) Papiere. Bei den gestrichenen Papieren wurden jedoch die Tonwertzunahmen von Schwarz um 1,5 % im Mittelton leicht erhöht.
Als registriert gelten vollständige, d. h. mittels Testtafel charakterisierte, Druckbedingungen, die auf der Internetseite des International Color Consortium (ICC) eingetragen sind. Darunter befinden sich auch das unveränderte FOGRA51 sowie die von der Fogra und dem ProzessStandard Offsetdruck (PSO) nach wie vor empfohlenen „alten“ Druckbedingungen für den Heatset-Rollenoffsetdruck.
Weicht das vorliegende Papierweiß von einer nativen oder registrierten Druckbedingung ab, müssen die Sollfarborte entsprechend umgerechnet werden. Dadurch entsteht eine sogenannte relative Druckbedingung. Für die Umrechnung gibt die Norm geeignete Formeln an, die als Excel-Tabellen auf der Fogra-Webseite zur Verfügung stehen. Diese sind auch in den gängigen Farbmessgeräten und Softwarelösungen implementiert.
Prozesskalibrierung
Die bisher übliche Prozesskalibrierung anhand der Volltonfärbung und dichtebasierter Tonwertzunahmen wird durch zwei weitere Methoden ergänzt.
Anstelle der dichtebasierten Tonwertzunahmen (Murray-Davis) können künftig auch die farbmetrisch ermittelten ΔCTV-Werte (Colour Tone Value) herangezogen werden. Da sie auf der menschlichen Wahrnehmung beruhen, tragen sie zur gleichmäßigen Darstellung von Farbverläufen bei. Aufgrund der bislang noch begrenzten Praxiserfahrungen sollte diese Methode jedoch mit Vorsicht angewendet werden.
Bei der sogenannten NNC-Methode (Near Neutral Calibration), die auch der in den USA entwickelten G7®-Methode zugrundliegt, werden keine Sollwerte für die Tonwertzunahmen vorgegeben. Diese müssen vielmehr individuell angepasst werden, um für Übereinanderdrucke in der Nähe der Grauachse definierte Farborte zu erreichen. Obwohl die NNC-Methode Vorteile hinsichtlich einer einheitlichen Grauwiedergabe bieten kann, empfiehlt die Fogra die beiden anderen Methoden. Ausschlaggebend hierfür sind insbesondere deren geringere Komplexität sowie bessere Möglichkeiten zur Analyse und Behebung von Druckfehlern.
Für die Anwendung in der Praxis ist zu beachten, dass die verschiedenen Kalibrierverfahren zu unterschiedlichen Druckergebnissen führen können. Ebenso kann ein Druck nach der einen Methode normkonform sein, nach einer anderen jedoch nicht. Daher ist es wichtig, die anzuwendende Methode bereits im Vorfeld eindeutig festzulegen.
Messunterlagen
Im Gegensatz zur bislang gültigen Norm werden die Sollfarborte nur noch für eine weiße Messunterlage (wb) definiert. Die entsprechenden Sollwerte für eine schwarze Messunterlage (bb) hängen von der Opazität des jeweiligen Bedruckstoffs ab und müssen individuell berechnet werden. Hierfür gibt die Norm die gleichen Umrechnungsformeln wie für die relativen Druckbedingungen an.
Toleranzen
Liegt das Papierweiß außerhalb des festgelegten Toleranzbereichs, müssen die Sollfarborte, wie oben beschrieben, entsprechend umgerechnet werden.
Zudem wurden die Schwankungstoleranzen für die Volltonfärbungen aller Primärfarben auf einen einheitlichen Wert von ΔE*ab = 5 festgelegt. Das bisherige Zusatzkriterium ΔH*ab entfällt vollständig. Darüber hinaus wurde bei den Tonwertzunahmen der Mitteltonbereich bis auf 70 % erweitert.
Charakterisierungsdaten und Profile
Parallel zur Norm wurden für den Bogenoffsetdruck auf gestrichenen Papieren universelle Charakterisierungsdaten (UCD, FOGRA62) entwickelt. Diese ermöglichen ein einheitliches Druckergebnis unabhängig von der zur Prozesskalibrierung verwendeten Methode.
Umfangreiche Druckversuche haben ergeben, dass die etablierten Druckstandards für den Bilderdruckbereich sehr nahe an der neuen Referenz liegen. Folglich ist es nicht zwingend notwendig, zwei unterschiedliche Prozesskalibrierungen vorzuhalten, falls sowohl FOGRA51- als auch FOGRA62-Daten geliefert werden.
Die ECI hat auf Basis der neuen Charakterisierungsdaten bereits ein ICC-Profil erstellt (Universal-Coated_Dataset_2026_final candidate.icc), das erfolgreich getestet wurde. In Abstimmung mit weiteren internationalen Organisationen wird angestrebt, für die neue Druckbedingung PC1 ein einziges, gemeinsam empfohlenes ICC-Profil zu veröffentlichen. Damit sollen unterschiedliche Profilvarianten für dieselbe Druckbedingung vermieden und die internationale Druckdatenkommunikation vereinfacht werden. Die abschließende Abstimmung hierzu steht noch aus.
Um die Implementierung der neuen ISO 12647-2 möglichst reibungslos zu gestalten, bietet die Fogra Online-Schulungen an. Diese finden am 14. Januar 2027 und 22. Januar 2027 jeweils von 09:00 Uhr bis 11:00 Uhr statt.
Weiterführende Informationen: https://fogra.org/shop/online-schulung-standardisierung-aktualisierte-iso-12647-2
