Source: Deutsche Nachrichten
Die Hochschule Bremen (HSB) ist mit konstanten Erstsemesterzahlen in das Wintersemester gestartet: Während andere Hochschulen wegen der ausfallenden Abiturjahrgänge in Nordrhein-Westfalen (NRW) und Schleswig-Holstein in diesem Jahr Rückgänge verzeichnen, haben erneut rund 2000 Studierende ihr Studium an der HSB begonnen. Das sind ähnlich viele wie in den vergangenen Jahren. Diese Woche begrüßte die HSB ihre Erstsemester beim traditionellen Empfang in der Oberen Rathaushalle. Ein besonders feierlicher Moment war dabei die Verleihung des DAAD-Preises. In diesem Jahr ging der mit 1.000 Euro dotierte Preis vom Deutschen Akademischen Austauschdienst an Dennis Dreiling. Der HSB-Student kam im März 2022 aus Russland nach Bremen. Er erhielt die Auszeichnung unter anderem für sein Engagement für ukrainische Geflüchtete.
Dennis Dreiling studiert an der HSB den Internationalen Bachelorstudiengang Shipping and Chartering (ISSC). Der 30-Jährige hat sehr gute Leistungen und studiert deutlich schneller als in der Regelstudienzeit. Sein Engagement ist vielfältig: Seit fast zwei Jahren ist er als ehrenamtlicher Dolmetscher für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in der Geflüchtetenhilfe tätig und betreut überwiegend Menschen aus der Ukraine. Dennis Dreiling engagiert sich zudem für seinen Studiengang als Mitglied der Studienkommission und nimmt regelmäßig an weiteren ISSC-Veranstaltungen teil.
Nach Ankunft in Bremen in Aufnahmeeinrichtung gelebt
Als Dennis Dreiling im März 2022 nach Deutschland kam, hat er einige Monate in einer Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete gelebt. Dort hat er gesehen, wie viele ehrenamtlich Helfende und Mitarbeitende des DRK oder auch der AWO bei der Integration der ankommenden Geflüchteten unterstützen. „Mir wurde klar, wie wertvoll Hilfe sein kann, wenn man nicht weiß, wie bürokratische Abläufe oder auch einfache Dinge des Alltags in einem neuen Land funktionieren“, sagt der Student. „Schon damals habe ich mir vorgenommen, dass ich, sobald ich einigermaßen Deutsch sprechen kann, ebenfalls Geflüchteten helfen möchte. In dieser Zeit habe ich Menschen aus vielen verschiedenen Ländern kennengelernt, darunter auch aus der Ukraine. Da ich vor meiner Auswanderung mein ganzes Leben in Russland verbracht habe, fühle ich mich in besonderem Maße verantwortlich für den Angriffskrieg, den Russland gegen die Ukraine führt. Für mich persönlich ist es daher eine Selbstverständlichkeit, die Ukrainerinnen und Ukrainer zu unterstützen.“ Mittlerweile hat der 30-Jährige die deutsche Staatsbürgerschaft.
DAAD-Preisträger: „Demokratie gemeinsam schützen und stärken“
„Ich beglückwünsche Dennis Dreiling ganz herzlich zu der Auszeichnung und danke ihm sehr für sein außerordentliches Engagement“, sagte die Konrektorin für Studium, Lehre und Internationalisierung, Prof. Dr. Annika Maschwitz. Sie übergab den Preis und moderierte die feierliche Veranstaltung im Rathaus. DAAD-Preisträger Dennis Dreiling: „Für mich unterstreicht diese Auszeichnung, wie wichtig soziales Engagement für Studierende ist“, sagte er in seiner Rede vor den Studierenden. „Neben Studium ist die Zeit zwar oft knapp. Aber ich möchte alle ermutigen, sich zu engagieren. Ehrenamt muss nicht viel Zeit kosten. Es bedeutet, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen. Verantwortung tragen wir auch für unsere Demokratie, denn sie ist nicht selbstverständlich. Sie lebt davon, dass wir einander zuhören und uns gegenseitig unterstützen. Lassen Sie uns unsere Demokratie gemeinsam schützen und stärken.“
Bremer Stadtmusikanten: „divers und gemeinsam stark“
Dass auch das Märchen der Bremer Stadtmusikanten den Weg von Studierenden stärken kann, machte Rektor Prof. Dr. Konrad Wolf in seiner Rede deutlich: „Es hat viel mit unserer Zeit zu tun: Die vier Tiere waren in einer schwierigen Situation, ihre Zukunft war unsicher – und sie waren sehr divers.“ Die Lösung von Esel, Hund, Katze und Hahn: Trotz ihrer Unterschiede haben sie sich zu einer sozialen Gruppe zusammengetan und beschlossen, ihre gewohnte Welt zu verlassen. „Das war ein großer Schritt“, so der Rektor.„Sie gingen raus, kamen jedoch interessanterweise nie in Bremen an. Aber sie fanden unterwegs ein besseres Leben für sich.“ Und die neuen Studierenden ermutigte der Rektor: „Tun Sie sich auch zusammen und helfen Sie sich dabei, ihren Weg gemeinsam zu gestalten und zu gehen. Wir an der HSB unterstützen Sie dabei, wo und wie wir können.“
Studentin: „Steht für eure Bedürfnisse ein und nutzt Chancen“
Unterstützung und die Einladung, die HSB mitzugestalten, sprachen auch Vertreterinnen der Studierenden an die „Erstis“ aus: Lana Heinsen vom Vorstand des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) stellte die Arbeit des höchsten studentischen Gremiums vor und lud alle neuen Studierenden ein, sich einzubringen. Zu ihren Erfahrungen an der HSB sagte sie: „Ich hatte hier bislang die drei besten Jahre meines Lebens.“
Wie wichtig die Stimme der Studierenden ist, machte Jule Sobanja deutlich. Sie studiert den Internationalen Studiengang Pflege an der HSB und hat sich im Student Board der europäischen Hochschulallianz STARS EU engagiert, in dem die Hochschule Bremen Mitglied ist. „Wir Studierenden sind das Kostbarste, was eine Hochschule hat“, sagte sie. „Nutzt diese Stimme und steht für eure Bedürfnisse ein. Und nutzt Chancen: ob Auslandssemester, Kultursemesterticket, STARS EU – und findet Freundschaften. Lebt euer Studi-Leben!“
Feierlicher Rahmen durch den Hochschulchor
Viel Applaus gab es für den Hochschulchor IntoNation, der mit allen Gästen gemeinsam auch einen Kanon in der Oberen Rathaushalle sang.
