Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Im Oktober nahm Stellantis im Rahmen seiner Partnerschaft mit dem chinesischen Elektrofahrzeughersteller Leapmotor die Produktion des Leapmotor B10 in seinem Werk in Saragossa in Spanien auf.
Besucher am Stand des chinesischen Automobilherstellers Leapmotor auf dem Pariser Autosalon 2024 am 14. Oktober 2024. (Xinhua)
Diese Vereinbarung ist ein Beispiel für die sich vertiefende Zusammenarbeit zwischen China und Europa in der Automobilindustrie, die sowohl durch die Verbrauchernachfrage als auch durch die wirtschaftlichen Überlegungen der Hersteller vorangetrieben wird.
Klares Urteil der Verbraucher
Chinesische Autos erfreuen sich in ganz Europa zunehmender Beliebtheit, da sie wettbewerbsfähige Ausstattungsmerkmale zu attraktiven Preisen bieten. Laut Angaben eines Autohauses in West-London besaßen etwa drei von fünf Käufern chinesischer Autos zuvor ein Fahrzeug einer Luxusmarke.
Luis Murias, Geschäftsführer der spanischen Automobil-Datenplattform DAT, führt den Erfolg chinesischer Autos auf mehrere Faktoren zurück, darunter „industrielle Umstrukturierung, Engagement, allgemeine Qualitätsverbesserung, wettbewerbsfähige Ausstattungsmerkmale und Garantieleistungen sowie Fortschritte bei den Sicherheitsstandards“.
Eine im Mai von dem Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Arete Methodos durchgeführte Umfrage unter jungen italienischen Verbrauchern ergab, dass 53 Prozent der Befragten vor allem von der Kombination aus technologischen Ausstattungsmerkmalen und Produktqualität chinesischer Autos angezogen werden – mehr als die 43 Prozent, die die wettbewerbsfähigen Preise als ausschlaggebend nennen.
In den letzten Jahren haben chinesische Autohersteller ihre Lokalisierung vorangetrieben. Seit September 2023 wurden zehn europäische Produktionspläne angekündigt, wie das Beratungsunternehmen AutoMotion berichtete, darunter das erste europäische Werk von BYD in Szeged, Ungarn, und das 200-Millionen-Euro-Werk von SAIC in Galicien, Spanien.
Logik auf der Angebotsseite
Es wird prognostiziert, dass der Anteil von Lithium-Eisenphosphat (LFP) am europäischen Batteriemarkt von derzeit rund 10 Prozent bis 2030 auf 40 bis 60 Prozent steigen wird, doch in Europa gibt es noch keine in Betrieb befindlichen Werke zur Herstellung dieses Materials.
Im September vereinbarte Gotion High-tech, ein chinesischer Batteriehersteller, rund 1,1 Milliarden Euro für eine 49-prozentige Beteiligung an Volkswagens Batteriezellenwerk in Sagunto, Spanien, zu investieren.
Diese Partnerschaft spiegelt eine sich ergänzende Rollenverteilung wider. Gotion steuert die LFP-Technologie, die Fertigungsprozesse und die Rohstofflieferketten bei. PowerCo, die Batterietochter von Volkswagen, bringt ihre industrielle Präsenz in Europa, ihre Logistik und ihr regulatorisches Know-how ein.
Javier Rivera, Finanzvorstand (CFO) von PowerCo Battery Spain, beschrieb die Beziehung als eine Entwicklung „vom Lieferanten zum Technologiepartner und nun zum Industriepartner“.
Neuausrichtung durch Komplementarität
Der Automobilsektor zog im Jahr 2025 mehr chinesische Direktinvestitionen an als jede andere Branche in Europa. Laut einem Bericht der Rhodium Group und MERICS beliefen sich die Investitionen in diesem Sektor auf insgesamt 7,6 Milliarden Euro, wobei 93 Prozent davon auf die Lieferkette für Elektrofahrzeuge entfielen.
„Europa hat eine große Tradition im Design“, erklärte Andrea Levy, Präsidentin des Turiner Autosalons, gegenüber Xinhua und fügte hinzu, dass durch die Zusammenarbeit unterschiedliche Stärken gebündelt und so zur Entwicklung besserer Fahrzeuge beigetragen werden könne.
Branchenkenner glauben, dass diese Zusammenarbeit keine vorübergehende Vereinbarung ist.
„‚China Speed‘ ist kein kulturelles Phänomen, sondern das Ergebnis klarer Entscheidungen in Bezug auf Produktdesign, Portfoliokomplexität und die Zulieferbasis“, sagte Oliver Knapp, Partner bei der globalen Unternehmensberatung Roland Berger. „Und genau deshalb lassen sich Teile davon auch in Europa umsetzen.“
Alexandre Marian, Partner beim Beratungsunternehmen AlixPartners, bezeichnete den Stellantis-Leapmotor-Deal als „umgekehrtes Joint Venture“, bei dem europäische Hersteller Allianzen suchen, um chinesisches Know-how im Bereich Elektrofahrzeuge zu erwerben.
„Wenn unsere Partnerschaft (zwischen Stellantis und Leapmotor) die Strategie ist, dann ist Saragossa der Beweis dafür, dass wir globale Technologie, Wettbewerbsfähigkeit und europäische industrielle Kompetenzen vereinen können“, sagte Stellantis-Vertreterin Silvia Vernetti.
