Source: Deutsche Nachrichten
Ein Wirkstoff ist im Lager vorhanden, die benötigte Verpackungskomponente wurde rechtzeitig bestellt und das ERP-System meldet ausreichende Bestände. Trotzdem kann ein geplanter Produktionsauftrag nicht wie vorgesehen starten. Der Grund: Ein Teil des Materials ist noch nicht freigegeben, eine Charge läuft bald ab oder die verfügbare Menge reicht nicht für den gesamten Fertigungsauftrag.
In der Schweizer Pharmaindustrie entscheidet deshalb nicht allein der Lagerbestand über die Versorgungssicherheit. Entscheidend ist, welche Materialien tatsächlich verwendbar sind, wann sie benötigt werden und wie sich der Bestand bis dahin entwickelt.
Mit digitalen Bestandsanalysen lassen sich diese Zusammenhänge systematisch untersuchen. Die COSYS Bestandsverwaltung schafft dafür eine zentrale Datenbasis, um Bestände nicht nur zu dokumentieren, sondern gezielt auszuwerten.
Warum hohe Lagerbestände keine Versorgungssicherheit garantieren
Pharmaunternehmen müssen bei ihrer Materialplanung zahlreiche Faktoren berücksichtigen. Neben der verfügbaren Menge spielen Chargenstatus, Verfallsdatum, Qualitätsfreigabe und gegebenenfalls besondere Lagerbedingungen eine wichtige Rolle.
Ein Beispiel: Für eine Verpackungslinie sind 20.000 Faltschachteln vorgesehen. Im Lager befinden sich 25.000 Stück. Davon sind allerdings 8.000 Einheiten aufgrund einer Qualitätsprüfung gesperrt.
Obwohl der Gesamtbestand ausreichend erscheint, stehen für die Produktion nur 17.000 freigegebene Einheiten zur Verfügung. Es entsteht eine Fehlmenge von 3.000 Stück.
Solche Risiken werden erst sichtbar, wenn Bestandsinformationen mit den relevanten Freigabe- und Bedarfsdaten zusammengeführt werden.
Materialreichweiten statt reiner Bestandsmengen analysieren
Die COSYS Bestandsverwaltung ermöglicht es Unternehmen, erfasste Bestandsdaten zentral zu verwalten und für weiterführende Analysen bereitzustellen.
Besonders aussagekräftig ist die Materialreichweite. Sie beschreibt, wie lange ein vorhandener Bestand unter Berücksichtigung des erwarteten Verbrauchs ausreicht.
Verfügt ein Betrieb beispielsweise über 12.000 freigegebene Verpackungseinheiten und benötigt täglich 3.000 Stück, beträgt die rechnerische Reichweite vier Produktionstage.
Steigt der geplante Verbrauch durch einen zusätzlichen Fertigungsauftrag auf 4.000 Stück pro Tag, verkürzt sich die Reichweite auf drei Tage.
In Verbindung mit Produktionsplänen und Beschaffungsinformationen können Verantwortliche beurteilen, ob rechtzeitig neues Material verfügbar sein wird.
Voraussetzung dafür sind aktuelle Bestandsdaten und eine geeignete Anbindung der relevanten Planungssysteme.
Chargenstatus und Verfallsdaten in die Bestandsbewertung einbeziehen
Nicht jedes eingelagerte Material darf unmittelbar in der Produktion eingesetzt werden.
Deshalb müssen pharmazeutische Bestandsanalysen zwischen physisch vorhandenen, gesperrten und freigegebenen Mengen unterscheiden.
Werden entsprechende Informationen aus den führenden Qualitäts- und ERP-Systemen bereitgestellt, können sie in die Auswertung einfließen.
Auch Verfallsdaten sind relevant. Eine große Menge eines Rohstoffs kann wirtschaftlich problematisch werden, wenn sie vor der geplanten Verwendung abläuft.
Durch die Gegenüberstellung von Restlaufzeiten, Verbrauchsentwicklung und geplanten Produktionsmengen lassen sich solche Risiken früher erkennen.
Die analytische Bewertung unterstützt dabei die Materialplanung. Sie ersetzt weder vorgeschriebene Qualitätsfreigaben noch die GMP-konforme Chargendokumentation.
Verbrauchsmuster mit Business Intelligence erkennen
Die eigentliche Stärke einer analytischen Bestandsverwaltung liegt in der Auswertung historischer und aktueller Materialbewegungen.
Mit COSYS Business Intelligence lassen sich beispielsweise folgende Kennzahlen untersuchen:
- Materialreichweite: Wie lange reichen die verwendbaren Bestände bei geplantem Verbrauch?
- Bestandsentwicklung: Welche Rohstoffe und Verpackungsmaterialien werden schneller verbraucht als erwartet?
- Bestandsabweichungen: Bei welchen Artikeln treten wiederholt Korrekturen auf?
- Lagerbindung: Welche Materialien verursachen hohe Bestandswerte bei geringer Umschlagshäufigkeit?
- Verfügbarkeitsrisiken: Welche Artikel könnten vor dem nächsten geplanten Wareneingang knapp werden?
Besonders interessant wird die Analyse, wenn Verbrauchsdaten verschiedener Produktionslinien oder Standorte miteinander verglichen werden.
So können Unternehmen erkennen, ob ungewöhnliche Verbrauchsspitzen auf veränderte Produktionsmengen, Ausschuss oder fehlerhafte Materialbuchungen zurückzuführen sein könnten.
Forecasting unterstützt die vorausschauende Materialplanung
Während klassische Bestandsberichte den aktuellen Zustand beschreiben, richtet sich Forecasting auf die zukünftige Entwicklung.
Auf Grundlage historischer Verbrauchsdaten und zusätzlich verfügbarer Planungsinformationen können Prognosen zum voraussichtlichen Materialbedarf erstellt werden.
Für Pharmaunternehmen ist das beispielsweise bei saisonalen Produktionsschwankungen, geplanten Chargenwechseln oder veränderten Verpackungsbedarfen interessant.
Die Prognosequalität hängt dabei wesentlich von der Datenqualität und den berücksichtigten Einflussfaktoren ab.
Mit COSYS lassen sich entsprechende Analysefunktionen modular ergänzen, sodass Unternehmen ihre Bestandsverwaltung schrittweise um eine vorausschauende Planung erweitern können.
Fazit: Bestandsdaten für die Produktionsversorgung nutzbar machen
Für die Schweizer Pharmaindustrie reicht es nicht aus, ausschließlich Lagerbestände zu kennen. Entscheidend ist, die tatsächliche Materialverfügbarkeit unter Berücksichtigung von Verbrauch, Freigabestatus und zukünftigen Anforderungen bewerten zu können.
COSYS verbindet dafür die digitale Erfassung von Warenbewegungen mit zentraler Bestandsverwaltung, Business Intelligence und optionalen Prognosefunktionen. Mobile Datenerfassung, geeignete Hardware und ergänzende Services unterstützen die zuverlässige Bereitstellung der benötigten Prozessdaten.
Damit erhalten Pharmaunternehmen eine analytische Grundlage, um Materialengpässe früher zu erkennen, Lagerbestände wirtschaftlicher zu steuern und die Produktionsversorgung gezielter abzusichern.
Tipp: Sie möchten Ihre Materialbestände nicht nur verwalten, sondern gezielt analysieren? Informieren Sie sich über die COSYS Bestandsverwaltung und die Möglichkeiten der Business Intelligence. Die mobile Bestandserfassung können Sie mit den COSYS Demo-Apps im Google Play Store oder Apple App Store unverbindlich testen.
