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Krisen als Chance? Historische Lehren für langfristige Anleger

Krisen als Chance? Historische Lehren für langfristige Anleger

Source: Deutsche Nachrichten
Wer einen stark fallenden Aktienmarkt erlebt, steigende Preise bezahlen muss oder Nachrichten über Banken, Kriege und wirtschaftliche Unsicherheit verfolgt, denkt normalerweise nicht zuerst an günstige Einstiegskurse.

Und doch zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Große Krisen haben Vermögen nicht nur zerstört. Sie haben auch neue Chancen geschaffen.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie man die nächste Krise vorhersagt. Das gelingt selbst professionellen Anlegern nur sehr begrenzt.

Interessanter ist die Frage: Was können wir aus vergangenen Krisen lernen?

Krisen gehören zur Geschichte der Kapitalmärkte

Wer langfristig investiert, sollte sich daran gewöhnen, dass Märkte nicht geradlinig verlaufen.

Es gibt Aufschwünge, Übertreibungen, Korrekturen und schwere Einbrüche. Manche Krisen dauern wenige Monate, andere verändern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Jahre.

Die Finanzkrise 2008 ist dafür ein bekanntes Beispiel. Die Corona-Krise wiederum führte 2020 zu einem außergewöhnlich schnellen Einbruch und ebenso außergewöhnlichen Erholungsbewegungen an den Märkten.

Auch geopolitische Krisen können wirtschaftliche Folgen haben.

Die BaFin weist beispielsweise darauf hin, dass geopolitische Spannungen, hohe Verschuldung und starke Marktbewegungen Risiken für das Finanzsystem darstellen können.

Das Entscheidende ist: Niemand weiß vorher genau, welche Krise als Nächstes kommt.

Die größte Gefahr ist oft nicht der Kursverlust

Ein fallender Kurs ist zunächst einmal eine Zahl.

Das eigentliche Problem entsteht häufig durch die Reaktion des Anlegers.

Wer in einer Krisensituation panisch verkauft, kann aus einem vorübergehenden Kursverlust einen dauerhaften Verlust machen.

Das ist einer der schwierigsten Punkte langfristiger Geldanlage.

Auf dem Papier lässt sich leicht sagen: „Ich halte langfristig.“

Wenn das eigene Depot tatsächlich 20 oder 30 Prozent im Minus steht, fühlt sich die Sache plötzlich ganz anders an.

Emotionen verändern die Wahrnehmung.

Angst macht aus einem temporären Rückgang schnell eine vermeintliche Katastrophe. Euphorie wiederum kann aus einem steigenden Kurs eine vermeintlich sichere Chance machen.

Beides kann teuer werden.

Die Geschichte belohnt nicht immer die Mutigsten

Eine weitere Lehre aus vergangenen Krisen lautet: Niemand muss besonders mutig sein.

Viel wichtiger ist es, vorbereitet zu sein.

Das klingt unspektakulär, ist aber einer der entscheidenden Unterschiede zwischen einer langfristigen Strategie und kurzfristiger Spekulation.

Wer über ausreichende Liquiditätsreserven verfügt, muss in einer Krise nicht zwangsläufig Vermögenswerte verkaufen.

Wer sein Vermögen breit aufgestellt hat, hängt nicht vollständig von einer einzigen Anlageklasse ab.

Und wer Sachwerte besitzt, kann zusätzlich einen Teil seines Vermögens außerhalb klassischer Geldanlagen halten.

Vorbereitung ersetzt nicht das Risiko.

Sie macht es jedoch besser handhabbar.

Gold und Krisen: Eine differenzierte Betrachtung

Gold wird häufig als „Krisenmetall“ bezeichnet.

Das ist nachvollziehbar, aber etwas zu einfach.

Auch Gold kann in Krisen fallen. Wenn Anleger dringend Liquidität benötigen, können sie unter Umständen auch Gold verkaufen. Außerdem beeinflussen Zinsen, Währungen und Marktstimmung den Goldpreis.

Gold ist deshalb kein automatischer Gewinner jeder Krise.

Seine Stärke liegt eher in seiner langfristigen Rolle.

Gold ist weltweit bekannt, physisch vorhanden und nicht das Zahlungsversprechen eines einzelnen Unternehmens. Genau diese Eigenschaften machen es zu einem interessanten Bestandteil einer diversifizierten Vermögensstruktur.

Auch die Zentralbanken setzen zunehmend auf diese Eigenschaften. Der World Gold Council berichtet, dass Zentralbanken ihre Goldbestände in den vergangenen Jahren deutlich stärker aufgebaut haben.

Das ist ein interessanter Hinweis, gerade wenn man die langfristige Perspektive betrachtet.

Krise bedeutet nicht automatisch Verlust

Eine Krise verändert Vermögenspreise.

Sie verändert aber auch Chancen.

Unternehmen können plötzlich günstiger bewertet sein. Rohstoffe können knapp werden. Neue Technologien können an Bedeutung gewinnen. Lieferketten werden verändert und ganze Branchen können neu entstehen.

Das bedeutet nicht, dass Anleger jede Krise als Einladung zum Kauf verstehen sollten.

Es bedeutet vielmehr, dass Krisen Gewinner und Verlierer hervorbringen.

Wer langfristig investiert, sollte deshalb nicht nur fragen:

„Was ist gefallen?“

Sondern:

„Warum ist es gefallen – und hat sich dadurch die langfristige Grundlage verändert?“

Diese Unterscheidung ist enorm wichtig.

Ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell dauerhaft beschädigt wurde, ist nicht automatisch interessant, nur weil die Aktie 50 Prozent gefallen ist.

Ein Sachwert, dessen langfristige Nachfrage intakt bleibt, kann dagegen trotz kurzfristiger Preisbewegungen interessant bleiben.

Inflation ist ebenfalls eine Krise – nur eine leisere

Nicht jede Krise kommt mit dramatischen Schlagzeilen.

Inflation arbeitet wesentlich leiser.

Wenn Preise über Jahre steigen, verliert ein Geldbetrag schrittweise an Kaufkraft. Es fühlt sich nicht wie ein plötzlicher Verlust an, weil der Kontostand zunächst unverändert bleibt.

Tatsächlich kann die wirtschaftliche Kaufkraft aber deutlich sinken.

Das macht langfristigen Vermögensschutz so wichtig.

Die Frage lautet nicht nur: „Wie viel Geld besitze ich?“

Sondern auch: „Was kann ich mir mit diesem Geld in zehn oder zwanzig Jahren noch leisten?“

Gerade hier können Sachwerte eine ergänzende Rolle spielen.

GranValora beschäftigt sich in seinem Beitrag „Inflation verstehen – warum ist mein Geld morgen schon weniger wert?“ ausführlicher mit diesem Zusammenhang.

Diversifikation ist langweilig – und genau deshalb wertvoll

Es gibt einen Grund, warum das Wort Diversifikation in Anlageartikeln so häufig auftaucht.

Es funktioniert nicht besonders spektakulär.

Diversifikation verspricht keinen schnellen Reichtum. Sie produziert keine aufregenden Schlagzeilen.

Aber sie kann verhindern, dass ein einzelnes Ereignis das gesamte Vermögen trifft.

Dabei bedeutet Diversifikation nicht, zehn ähnliche Produkte zu besitzen.

Wer zehn verschiedene Aktien aus derselben Branche besitzt, ist nicht automatisch breit diversifiziert.

Entscheidend sind unterschiedliche Risiken und unterschiedliche Einflussfaktoren.

Gold reagiert beispielsweise auf andere Faktoren als Unternehmensaktien. Silber besitzt neben seiner monetären Funktion eine starke industrielle Nachfrage. Technologiemetalle und Seltene Erden wiederum hängen von industriellen Anwendungen, technologischen Entwicklungen und internationalen Lieferketten ab.

Damit entstehen unterschiedliche Werttreiber.

Krisen können die eigene Strategie testen

Eine Krise ist deshalb auch eine Art Belastungstest für das eigene Vermögen.

Wenn ein Anleger bei jedem Rückgang sofort verkaufen muss, war die Risikostruktur möglicherweise zu aggressiv.

Wenn plötzlich kein Geld für unerwartete Ausgaben vorhanden ist, war möglicherweise zu wenig Liquidität eingeplant.

Und wenn ein Großteil des Vermögens von einer einzigen Anlageklasse abhängt, wird deren Entwicklung schnell zur persönlichen Angelegenheit.

Eine gute Vermögensstrategie sollte nicht nur bei steigenden Märkten funktionieren.

Sie sollte auch dann noch tragfähig sein, wenn die Nachrichtenlage schlecht ist.

Die Kunst des antizyklischen Denkens

Viele erfolgreiche Anleger sprechen vom antizyklischen Investieren.

Die Idee dahinter ist einfach: Kaufen, wenn andere verkaufen, und vorsichtig werden, wenn die allgemeine Euphorie überhandnimmt.

In der Praxis ist das allerdings deutlich schwieriger.

Niemand weiß, ob ein gefallener Kurs bereits seinen Tiefpunkt erreicht hat. Wer beispielsweise einen Markt nach einem Rückgang von 20 Prozent kauft, kann erleben, dass er anschließend weitere 20 Prozent fällt.

Antizyklisches Investieren funktioniert deshalb nicht als einfache Börsenformel.

Es braucht Geduld, Liquidität und eine langfristige Einschätzung.

Vor allem aber braucht es die Fähigkeit, zwischen einem vorübergehenden Preisrückgang und einem dauerhaften Wertverlust zu unterscheiden.

Eine Krise sollte die Strategie nicht zerstören

Vielleicht liegt hierin die wichtigste historische Lehre.

Man muss die nächste Krise nicht vorhersehen.

Man muss so aufgestellt sein, dass man sie aushalten kann.

Das klingt zunächst weniger beeindruckend als eine perfekte Marktprognose. Langfristig ist es aber wahrscheinlich wesentlich realistischer.

Ein Anleger, der ausreichend liquide bleibt, unterschiedliche Anlageklassen besitzt und einen Teil seines Vermögens in reale Werte investiert, hat in einer Krise mehr Handlungsmöglichkeiten.

Und Handlungsmöglichkeiten sind in schwierigen Zeiten viel wert.

Was langfristige Anleger aus Krisen lernen können

Aus vergangenen Krisen lassen sich einige Grundsätze ableiten.

Erstens: Märkte bewegen sich nicht dauerhaft in eine Richtung.

Zweitens: Panik ist selten ein guter Anlageberater.

Drittens: Liquidität schafft Handlungsspielraum.

Viertens: Eine breite Vermögensstruktur kann einzelne Risiken abfedern.

Und fünftens: Vermögensschutz beginnt idealerweise vor der Krise – nicht mitten in ihr.

Das bedeutet nicht, dass Gold, Aktien, Rohstoffe oder andere Anlagen immer funktionieren.

Es bedeutet vielmehr, dass jede Anlage ihre eigene Aufgabe haben sollte.

Ein Vermögen ist schließlich kein Wettschein.

Es ist das Ergebnis von oft vielen Jahren Arbeit, Sparen und Investieren. Entsprechend sollte man es auch behandeln.

Die nächste Krise kommt – nur wann?

Diese Frage wird immer wieder gestellt.

Wann kommt der nächste Crash? Wann steigt die Inflation wieder? Wann fällt der Goldpreis? Wann kommt die nächste Rezession?

Eine seriöse Antwort lautet: Niemand weiß es zuverlässig.

Und genau deshalb ist eine langfristige Strategie sinnvoller als der Versuch, die Zukunft vorherzusagen.

Wer sein Vermögen breit aufstellt, reale Werte berücksichtigt und ausreichend flexibel bleibt, muss nicht wissen, was morgen passiert.

Er muss nur darauf vorbereitet sein, dass morgen anders aussehen kann als heute.

Vielleicht ist das die eigentliche Chance einer Krise:

Nicht die Möglichkeit, den perfekten Zeitpunkt zu erwischen.

Sondern die Gelegenheit zu erkennen, ob die eigene Vermögensstrategie wirklich trägt.

Häufige Fragen

Sind Krisen gute Kaufgelegenheiten?
Sie können Chancen eröffnen, aber nicht jeder gefallene Preis ist automatisch günstig. Entscheidend ist, ob der zugrunde liegende Wert langfristig erhalten bleibt.

Sollte man in einer Krise Gold kaufen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Gold kann Bestandteil einer langfristigen Vermögensstruktur sein. Der konkrete Zeitpunkt und Umfang eines Kaufs hängt von der persönlichen Situation und Strategie ab.

Warum ist Liquidität in Krisen so wichtig?
Liquidität verhindert, dass langfristige Anlagen unter ungünstigen Bedingungen verkauft werden müssen. Gleichzeitig schafft sie die Möglichkeit, bei sich ergebenden Chancen handlungsfähig zu bleiben.

Was ist die wichtigste Lehre aus vergangenen Krisen?
Die nächste Krise lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Deshalb sollte eine Vermögensstrategie so aufgebaut sein, dass sie unterschiedliche Marktphasen aushalten kann.

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