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„Unsere Projektbasis hat sich in kurzer Zeit mehr als verdreifacht“ – Interview mit René Kautz, Geschäftsführer der Aream Infrastruktur Finance GmbH

„Unsere Projektbasis hat sich in kurzer Zeit mehr als verdreifacht“ – Interview mit René Kautz, Geschäftsführer der Aream Infrastruktur Finance GmbH

Source: Deutsche Nachrichten
Nach der nahezu vollständigen Platzierung ihres Green Bonds 2025/30 hat die AREAM Group mit dem Green Bond 2026/31 eine weitere Unternehmensanleihe aufgelegt. Der neue fünfjährige Bond der Aream Infrastruktur Finance GmbH (ISIN: DE000A5GS5B9) bietet einen festen Kupon von 7,25 % p. a. bei einem Emissionsvolumen von bis zu 10 Mio. Euro. Im Interview mit dem Anleihen Finder spricht Geschäftsführer René Kautz über die Ziele der erneuten Kapitalmarktfinanzierung, die aktuelle Projektpipeline, die Geschäftsentwicklung und die weitere Expansion der AREAM Group.

Anleihen Finder: Die Aream Infrastruktur Finance GmbH hat nach der nahezu vollständigen Platzierung des Green Bonds 2025/30 nun einen weiteren Green Bond aufgelegt. Welche Ziele verfolgen Sie mit der erneuten Kapitalmarktfinanzierung? Für welche Projekte sollen die Mittel konkret eingesetzt werden?

René Kautz: Mit der erneuten Kapitalmarktfinanzierung wollen wir unsere Projektpipeline schneller zur Baureife führen – mit dem Ziel, Projekte erfolgreich zu veräußern oder ausgewählte Energieanlagen langfristig im Bestand zu halten. Neu ist die geografische Erweiterung auf Italien und Spanien, nachdem die erste Emission ausschließlich auf Deutschland ausgerichtet war. Vom Nettoemissionserlös sollen 90 Prozent in erneuerbare Energielösungen fließen, 10 Prozent sind als Liquiditätsreserve für dieselben Zwecke vorgesehen. Im Fokus stehen zunächst unsere beiden Hybridprojekte in Niedersachsen und Brandenburg mit zusammen 66,2 MWp sowie eine Entwicklungskooperation der AREAM Advisory GmbH für 14 weitere PV-Projekte mit insgesamt 153,7 MWp. Diese Vorhaben werden gemeinsam mit Grünstromspeichern geplant. Darüber hinaus kommen eigenständige Speicherprojekte, EEG-Innovationsprojekte, gewerbliche Aufdachanlagen, Bioenergie und Umspannwerke infrage. Wir setzen das Kapital dort ein, wo Entwicklungsfortschritte und gesicherte Netzkapazitäten den Projektwert erhöhen.

Anleihen Finder: Wie groß ist Ihre aktuelle Projektpipeline und wie viele Projekte befinden sich derzeit in Entwicklung, Bau oder bereits im operativen Betrieb?

René Kautz: Auf Gruppenebene umfasst unsere fortgeschrittene Photovoltaik-Entwicklungspipeline rund 1,5 GWp, mit Schwerpunkt auf Projekten, die bis 2028 Baureife erreichen sollen. Hinzu kommt Potenzial von mehreren GWp in früheren Prüfungs- und Sicherungsphasen. Von den 1,5 GWp entfallen rund 53 Prozent auf Agri-PV und 47 Prozent auf klassische Freiflächen-PV; 71 Prozent sind auf Hochspannungsebene angebunden. Bei der Aream Infrastruktur Finance GmbH sind aktuell 16 Projekte mit zusammen rund 220 MWp konkret adressiert. Ergänzend prüfen wir rund 58 MWp weiteres Solarpotenzial und etwa 97 MW Netzanschlusskapazität. Im operativen Bestand der Gruppe befinden sich zudem 21 Solar- und Windparks mit insgesamt rund 180 MW.

Anleihen Finder: Insbesondere Batteriespeicher gelten als einer der großen Wachstumsmärkte. Welche Chancen sehen Sie hier für AREAM und welche Rolle sollen Speicher künftig in Ihrem Portfolio spielen?

René Kautz: Batteriespeicher werden zu einem wichtigen Baustein unserer Energieprojekte. Je mehr Solar- und Windstrom ins Netz kommt, desto wertvoller wird die Möglichkeit, Erzeugung und Vermarktung zeitlich voneinander zu entkoppeln. Speicher können Strom in attraktivere Preisfenster verschieben, negative Preisphasen und Abregelungen reduzieren, zusätzliche Erlösquellen wie Regelenergie erschließen und vorhandene Netzanschlüsse besser auslasten. AREAM entwickelt seit 2023 größere Batteriespeicherprojekte – eigenständig und in Kombination mit Photovoltaik. Bei den Projekten der Aream Infrastruktur Finance werden die PV-Vorhaben grundsätzlich gemeinsam mit Grünstromspeichern geplant. Für uns zählt dabei vor allem die wirtschaftliche Nutzung des Netzanschlusses. Speicher erhöhen die Flexibilität eines Projekts und können seine Erlösbasis robuster machen. Entsprechend werden Speicher bei unseren künftigen Projekten eine zentrale Rolle spielen.

Anleihen Finder: Auch Entwicklungskooperationen, Unternehmensbeteiligungen und der Erwerb bestehender Projektpipelines sollen finanziert werden können. Welche Bedeutung haben diese strategischen Investments für das künftige Wachstum der AREAM Group?

„Damit tragen wir zum Gruppenziel bei, in den kommenden Jahren 2,5 GW Solar- und Windparks zu realisieren oder zu erwerben“

René Kautz: Entwicklungskooperationen, Beteiligungen und der gezielte Erwerb von Projektpipelines ergänzen strategisch sinnvoll unsere eigene Projektentwicklung und können die Umsetzung beschleunigen. Kooperationen verschaffen uns frühzeitig Zugang zu qualifizierten Projekten. Bei fortgeschrittenen Projekten lassen sich Entwicklungszeiten verkürzen und vorhandene Netzanschlüsse schneller nutzen. Beteiligungen können zudem die Vermarktung stärken: Über unsere Beteiligung an einem deutschen Energieversorger verbessern wir den Zugang zu langfristigen Stromabnahmeverträgen, sogenannten PPAs. Für jede Investition prüfen wir, welchen konkreten Beitrag sie zu Projektzugang, Netzkapazität, Vermarktung oder Entwicklungsgeschwindigkeit leistet. Damit erhöhen wir die Wertschöpfung des eingesetzten Kapitals und tragen zum Gruppenziel bei, in den kommenden Jahren 2,5 GW Solar- und Windparks zu realisieren oder zu erwerben.

Anleihen Finder: Wie haben sich die wichtigsten Finanzkennzahlen (Umsatz, EBITDA, Cashflow) der AREAM Group in den letzten Jahren entwickelt und wie ordnen Sie diese ein?Welche Entwicklungen haben Ihre Erwartungen dabei positiv oder negativ beeinflusst?

René Kautz: Bei den Finanzkennzahlen ist zwischen der AREAM Group und der Aream Infrastruktur Finance GmbH als Emittentin zu unterscheiden. Für die Gruppe veröffentlichen wir keine konsolidierten Kennzahlen. Die Emittentin hat ihren operativen Geschäftsbetrieb erst im September 2025 aufgenommen. Das Rumpfgeschäftsjahr war entsprechend von Aufbau und Investitionen geprägt. Der Jahresfehlbetrag betrug 1,0 Mio. Euro und der operative Cashflow -2,2 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Periodenfehlbetrag bei 0,6 Mio. Euro und der operative Cashflow bei -1,5 Mio. Euro. Die liquiden Mittel beliefen sich zum 30. Juni 2026 auf 1,6 Mio. Euro. Die bisherigen Kennzahlen spiegeln damit vor allem die Aufbau- und Investitionsphase wider. Mit zunehmender Projektreife sollen Veräußerungs- und Entwicklungserlöse erzielt werden.

Anleihen Finder: Eine neue Anleihe erhöht auch die Verschuldung der Unternehmensgruppe. Wie hoch ist der Verschuldungsgrad und wie gewährleisten Sie den Kapitaldienst?

„Der Kapitaldienst soll vor allem durch Erlöse aus dem Verkauf baureifer Projekte sowie durch Rückflüsse aus Beteiligungen und weiteren Projektentwicklungen getragen werden“

René Kautz: Eine zusätzliche Anleihe erhöht zunächst die Finanzverbindlichkeiten. Bei einer Gesellschaft wie der Aream Infrastruktur Finance GmbH, die erst 2025 ihre operative Tätigkeit aufgenommen hat und sich noch in einer frühen Investitions- und Entwicklungsphase befindet, ist ein klassischer Verschuldungsgrad derzeit allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig. Für die Einordnung ist daher vor allem relevant, welchem Zweck das Fremdkapital dient und welche Vermögenswerte damit aufgebaut werden. Zum 30. Juni 2026 beliefen sich die Anleiheverbindlichkeiten auf rund 9,2 Mio. Euro. Dem standen Finanzanlagen von 5,1 Mio. Euro, rund 2,6 Mio. Euro an unfertigen Projektentwicklungsleistungen und Forderungen gegen verbundene Unternehmen sowie liquide Mittel von 1,6 Mio. Euro gegenüber.

INFO: Das INTERVIEW erschien zunächst in der neuen Ausgabe des Anleihen Finder Newsletters (15-2026). Registrieren Sie sich hier für unseren KOSTENLOSEN NEWSLETTER und seien Sie stets informiert.

Der Kapitaldienst soll vor allem durch Erlöse aus dem Verkauf baureifer Projekte sowie durch Rückflüsse aus Beteiligungen und weiteren Projektentwicklungen getragen werden. Perspektivisch sollen auch laufende Erträge aus dem Betrieb und der Betreuung von erneuerbaren Energieanlagen hinzukommen. Mit fortschreitender Projektentwicklung verbreitert sich so die wirtschaftliche Basis für Zins und Rückzahlung der Anleihen.

INFO: Der Wertpapierprospekt des Green Bonds kann hier eingesehen werden. Die Zeichnung des AREAM Green Bonds 2026/31 ist ab einer Mindestanlage von 1.000 Euro direkt über die Emittentin möglich.

Anleihen Finder: Wo steht die Aream Infrastruktur Finance heute im Vergleich zum Vorjahr bei Projektvolumen sowie installierter bzw. in Entwicklung befindlicher Leistung?

„Die Projektbasis hat sich dank der Mittel aus dem Green Bond 2025/30 in kurzer Zeit mehr als verdreifacht“

René Kautz: Die Aream Infrastruktur Finance GmbH hat ihr Projektvolumen innerhalb eines Jahres deutlich ausgebaut. Ende 2025 umfassten die eigenen Projektrechte 66,2 MWp. Durch die 2026 hinzugekommene Entwicklungskooperation der AREAM Advisory GmbH adressieren wir inzwischen insgesamt rund 220 MWp. Damit hat sich die Projektbasis dank der Mittel aus dem Green Bond 2025/2030 in kurzer Zeit mehr als verdreifacht. Gleichzeitig entwickeln wir die einzelnen Vorhaben weiter in Richtung Baureife. Auf Gruppenebene steht dahinter eine fortgeschrittene Photovoltaik-Pipeline von rund 1,5 GWp. Der nächste Schritt besteht darin, diese Projekte weiter bis zur Baureife zu führen und ihren Wert zu realisieren – durch Verkäufe nach erreichten Entwicklungsmeilensteinen oder bei ausgewählten Vorhaben durch eine längerfristige Nutzung im eigenen Bestand.

Anleihen Finder: Deutschland ist und bleibt Ihr Kernmarkt. Künftig sollen aber insbesondere Italien und Spanien stärker erschlossen werden. Warum sind gerade diese beiden Märkte für Sie interessant und welchen Anteil sollen sie künftig am Gesamtanteil der Gruppe ausmachen?

René Kautz: Deutschland bleibt definitiv unser Kernmarkt. Hier verfügen wir über langjährige Erfahrung, eine starke Pipeline und sehen weiterhin attraktive Möglichkeiten für die Kombination von Erzeugung, Speicherung und Netzanschluss. Italien und Spanien erweitern unser geografisches Spektrum um zwei große Solarmärkte. Südeuropa kennen wir seit vielen Jahren; insbesondere in Italien haben wir bereits Projekte entwickelt und größere Transaktionen umgesetzt. Die hohe Sonneneinstrahlung bietet gute Voraussetzungen für Photovoltaik, während mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien auch Speicher und flexible Vermarktungsmodelle an Bedeutung gewinnen. Wir wollen beide Märkte selektiv über Entwicklungspartnerschaften erschließen. Eine feste Zielquote für ihren künftigen Anteil innerhalb der AREAM Group haben wir nicht definiert. Für den Green Bond 2026/2031 gibt es dagegen eine klare Grenze: Zusammen dürfen höchstens 20 Prozent des Nettoemissionserlöses in Italien und Spanien investiert werden. Deutschland bleibt damit auch bei dieser Emission der geografische Schwerpunkt.

Anleihen Finder: Der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt politisch gewollt, gleichzeitig stehen Projektentwickler vor steigenden Finanzierungskosten, langen Genehmigungsverfahren und teilweise volatilen Strompreisen. Wie begegnen Sie diesen Marktrisiken?

René Kautz: Wir steuern diese Risiken an mehreren Stellen der Projektentwicklung. Investitionen erfolgen schrittweise entlang klarer Meilensteine, um Mittel in frühen Entwicklungsphasen gezielt und effizient einzusetzen. Bei Genehmigungen helfen eine sorgfältige Standortprüfung, eigenes Planungs- und Netz-Know-how sowie die frühe Sicherung von Netzkapazitäten. Auch die Projektkonzeption spielt eine wichtige Rolle: Photovoltaik, Speicher und Netzanschluss werden gemeinsam geplant, um vorhandene Anschlusskapazitäten wirtschaftlich zu nutzen. Batteriespeicher schaffen zusätzliche Flexibilität bei volatilen Strompreisen, weil sich die Einspeisung zeitlich verschieben und negative Preisphasen teilweise vermeiden lassen. Ergänzend prüfen wir langfristige Stromabnahmeverträge und weitere Vermarktungswege. Markt-, Genehmigungs- und Finanzierungsrisiken bleiben Teil des Geschäfts. Ihre Auswirkungen begrenzen wir durch eine breite Erlösbasis und eine disziplinierte Investitionspolitik.

„Photovoltaik, Speicher und Netzanschluss werden gemeinsam geplant, um vorhandene Anschlusskapazitäten wirtschaftlich zu nutzen“

Anleihen Finder: Abschließend: Welche operativen und finanziellen Ziele haben Sie sich für 2026 und die kommenden Jahre gesetzt? Wo soll die Reise der AREAM Group hinführen?

René Kautz: Für 2026 steht die Weiterentwicklung unserer Projekte bis zu den nächsten Wert- und Genehmigungsstufen im Vordergrund. Parallel bauen wir unser Engagement bei Batteriespeichern aus, sichern zusätzliche Netzkapazitäten und prüfen selektiv den Erwerb von Projekten oder Pipelines, wenn sich damit Entwicklungszeiten verkürzen und attraktive Rendite-Risiko-Profile erschließen lassen. Auf Gruppenebene wollen wir in den kommenden Jahren 2,5 GW Solar- und Windparks mit und ohne Batteriespeicher realisieren oder erwerben. Deutschland bleibt unser Kernmarkt, Italien und Spanien ergänzen das Portfolio gezielt. Finanziell richten wir den Blick auf eine hohe Kapitalproduktivität, steigende Projektwerte und erfolgreiche Veräußerungen. Zugleich wollen wir den Anteil laufender Erträge aus dem Betrieb und der Betreuung erneuerbarer Energieanlagen schrittweise erhöhen.

Anleihen Finder: Herr Kautz, besten Dank.

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