Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Das AUDI Innovation & Technology Center (AITC), das Audi gemeinsam mit dem chinesischen Automobilhersteller SAIC Motor gegründet hat, wurde Anfang September in der ostchinesischen Metropole Shanghai eröffnet. Der Schritt steht beispielhaft dafür, wie zahlreiche multinationale Konzerne ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E) in China ausbauen.
Die Tatsache, dass sich das AITC auf intelligente Elektrifizierung und die Entwicklung kompletter Fahrzeuge konzentriert, zeigt, dass der deutsche Premiumhersteller China nicht mehr nur als Produktionsstandort betrachtet, sondern als Ort für das Fahrzeugdesign.
Audi und SAIC Motor haben vereinbart, gemeinsam vier völlig neue AUDI-Modelle auf Basis der ADP 2.0 (Advanced Digitized Platform) zu entwickeln. Das erste Modell soll schon 2028 auf den Markt kommen.
Das Zentrum ist die erste F&E-Einrichtung von Audi außerhalb Deutschlands, die die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt. Es wird nicht nur die Entwicklung der nächsten Generation von AUDI-Produkten anführen, sondern auch chinesische Innovationen in die globalen Abläufe von Audi einbringen.
„Wir kombinieren deutsche Ingenieurspräzision mit lokaler Innovationskraft“, sagte Johannes Roscheck, Präsident von Audi China. „Unsere erweiterte F&E-Präsenz wird unsere Wettbewerbsfähigkeit in China weiter stärken.“
„Eine ganze Reihe multinationaler Unternehmen entwickelt ihre Produktionsstandorte in China zu Innovationszentren weiter, während sich ihre chinesischen F&E-Zentren von Einheiten zur lokalen Anpassung zu globalen Innovationsstützpunkten wandeln“, sagte He Yadong, Sprecher des chinesischen Handelsministeriums, auf einer Pressekonferenz im April.
Im Jahr 2025 entfiel fast ein Fünftel der gesamten tatsächlich genutzten ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in China auf wissenschaftliche Forschung und technische Dienstleistungen. Dieser Anteil ist sieben Jahre in Folge gestiegen und liegt heute beim 3,8-fachen des Niveaus von 2018.
Im vergangenen Jahr wurden in diesem Sektor 14.000 neue Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung gegründet, ein Plus von 27,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinter den Zahlen steht eine wachsende Liste multinationaler Konzerne, darunter AstraZeneca, Philips, Porsche und Schneider Electric, die in den letzten Jahren Forschungs- und Entwicklungszentren in China eingerichtet haben.
Die rasche Marktakzeptanz und die industrielle Koordination sind zu entscheidenden Treibern des beschleunigten Ausbaus der F&E-Aktivitäten multinationaler Unternehmen in China geworden. Jerome Dorlack, Präsident und CEO des weltweit tätigen Automobilzulieferers Adient, erklärte, dass chinesische Städte wie die südwestchinesische Metropole Chongqing ein erstklassiges Industrieökosystem böten. Unternehmen könnten dort Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette finden – von Kunden bis hin zu Zulieferern.
„Chinesische Verbraucher übernehmen neue Technologien sehr schnell – in der Regel dauert es von der Markteinführung bis zur breiten Akzeptanz nur 12 bis 14 Monate. In einigen anderen Märkten kann dieser Prozess dagegen drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen“, sagte er.
Adient hat in China Produkte wie das ProForce-Massagesystem, eine mechanische Massagelösung für Fahrzeugsitze, entwickelt und zunächst auf dem chinesischen Markt eingeführt, bevor sie weltweit auf den Markt gebracht wurden. Das Unternehmen betreibt inzwischen 39 Produktionsstandorte und drei globale Technologiezentren in China. „Der Ausbau unserer Technologiezentren in China war ein großer Erfolg“, fügte Dorlack hinzu.
Han Jin-Kyu, Präsident der Asien-Pazifik-Region des deutschen Unternehmens Vibracoustic, erklärte, dass der auf NVH-Lösungen für Automobile (Noise, Vibration, Harshness) spezialisierte Automobilzulieferer Werke in Chongqing sowie in den ostchinesischen Städten Wuxi und Yantai betreibt. Anstatt lediglich Bauteile zu liefern, arbeitet das Unternehmen eng mit lokalen Autoherstellern zusammen, um gemeinsam neue Produkte zu entwickeln.
Han ergänzte, dass gut ausgebaute Infrastruktur es großen Städten wie Chongqing ermögliche, die gemeinsame Entwicklung und Innovation in verschiedenen Branchen zu fördern, darunter künstliche Intelligenz, intelligente Fertigung, Autoindustrie und Halbleiter.
Talente und Innovationskapazität stellen einen weiteren wichtigen Anziehungspunkt dar. China habe der Ausbildung von Wissenschaftlern und Ingenieuren seit Langem hohe Priorität beigemessen, sagte Michael Mertin, CEO von AT&S, einem führenden österreichischen Unternehmen für Halbleitermaterialien. Die neue Generation chinesischer Ingenieure besitze „nicht nur hervorragende mathematische Fähigkeiten, sondern werde auch zunehmend kreativer“.
Daten zufolge bringt China jährlich mehr als 5 Millionen Absolventen der MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – hervor. Zudem hat mehr als die Hälfte der weltweit führenden KI-Forscher ihren Bachelorabschluss an chinesischen Universitäten erworben.
Dieselbe Logik gilt auch für andere Branchen. In diesem Jahr eröffnete HP ebenfalls ein KI-Innovationszentrum in Chongqing. Das Zentrum hat bereits sein erstes Produkt vorgestellt: eine KI-gestützte akustische Inspektionsmaschine. Das Gerät kann Produktfehler präzise identifizieren und wird in der Qualitätskontrolle verschiedener Fertigungssektoren eingesetzt.
„Chongqings Fähigkeit, Talente anzuziehen und auszubilden, verschafft der Stadt einen erheblichen Wettbewerbsvorteil“, sagte Jonathan Jennings, Chief Procurement Officer von HP.
China verstärkt zudem seine politische Unterstützung, um mehr ausländische Innovationen und Technologien nach China zu holen. Der 15. Fünfjahresplan (2026–2030) sieht vor, mehr regionale Hauptquartiere und F&E-Zentren ausländischer Unternehmen in China anzusiedeln.
He erklärte, das Handelsministerium werde mit den zuständigen Behörden zusammenarbeiten, um Chinas „vollständiges Industriesystem, hochqualifizierten Talentpool und reichhaltige Anwendungsszenarien“ zu nutzen und weitere multinationale Unternehmen dazu zu bewegen, ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in China zu verankern.
