Source: Deutsche Nachrichten
Mit der neuen Ranft Energie Anleihe 2026/31 ist die Ranft Gruppe erneut am Kapitalmarkt aktiv. Der bis zu 8 Mio. Euro schwere, mit 7,00 % p.a. verzinste Bond soll insbesondere die Umsetzung konkreter Photovoltaik- und Batteriespeicherprojekte in Deutschland sowie weitere Entwicklungsaktivitäten der Gruppe finanzieren. Im Interview erläutert Gründer und Geschäftsführer Michael Ranft, welche Projekte aktuell im Fokus stehen, warum eine frühzeitige und flexible Finanzierung für die Projektentwicklung entscheidend ist und welche Rolle Batteriespeicher inzwischen im Geschäftsmodell der Ranft Gruppe spielen.
Anleihen Finder: Die Ranft Gruppe hat über die Tochtergesellschaft Ranft Projekte 20 GmbH eine neue Unternehmensanleihe aufgelegt. Warum ist die Anleihe ein geeignetes Instrument für Sie und wofür sollen die Anleihemittel von bis zu 8 Mio. Euro in diesem Fall konkret verwendet werden?
Michael Ranft: Den Schwerpunkt bilden aktuelle Projekte der Ranft Gruppe in Deutschland. In der Stadt Aalen haben wir eine Freiflächen-Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 10,878 MWp projektiert. Ergänzend ist ein Batteriespeicher mit 5 MW Leistung und rund 20 MWh Kapazität vorgesehen. Für die PV-Anlage inklusive Grünstromspeicher liegt bereits eine Netzzusage vor, ebenso seit Juli der Satzungsbeschluss. Der Bauantrag ist eingereicht und der Baubeginn ist für Q4 2026 fest eingeplant. Bereits jetzt erfreut sich das Projekt einer großen Nachfrage bei unseren Investoren.
In Wolfsloch wurde eine Freiflächen-Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 8 MWp errichtet. Ergänzend ist ein Batteriespeicher mit 5 MW Leistung und rund 10 MWh Kapazität (Grünstrom) vorgesehen. Die PV-Anlage ist bereits fertiggestellt und einspeisebereit. Nun erfolgt die Komplettierung mit dem Grünstromspeicher. Zudem vergibt die Emittentin Finanzierungen an andere Unternehmen der Ranft Gruppe. Diese Gelder dienen der Finanzierung der Geschäftstätigkeit anderer Unternehmen der Ranft Gruppe im Allgemeinen und der Errichtung von Anlagen zur Erzeugung und Verstetigung regenerativer Energie im Besonderen.
Anleihen Finder: Was macht die Finanzierung in frühen Projektphasen besonders attraktiv – und welche Chancen ergeben sich daraus für die Ranft Gruppe?
Michael Ranft: Unabhängigkeit in unseren Investitionsentscheidungen und die damit verbundene Geschwindigkeit bilden das entscheidende Momentum. So können wir Chancen nutzen, wenn sie sich bieten und dabei schneller handeln, als dies mit dem Aufbau einer Bankfinanzierung im frühen Stadium eines Projektes möglich wäre.
„Unabhängigkeit in unseren Investitionsentscheidungen und die damit verbundene Geschwindigkeit bilden das entscheidende Momentum“
Ein weiterer wesentlicher Aspekt sind die in den letzten Jahren gestiegenen Anforderungen im Zusammenhang mit der Teilnahme an Ausschreibungen und bei der Beantragung von Netzanschlüssen. Reservierungsgebühren, Netzanschlussbeiträge und Kautionen verlangen eine hohe und oftmals längerfristige Kapitalbindung. Auch wenn diese Beträge in der Regel erstattet werden, sollte ein Projekt nicht realisiert werden, stellen sie regelmäßig eine erhebliche Belastung der Liquidität dar. Auch hier spielen unsere Emissionen eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung unserer Entwicklungsaktivitäten.
Anleihen Finder: Batteriespeicher und Infrastrukturlösungen gewinnen zunehmend an Bedeutung im Energiesektor. Wie hat sich das Geschäftsmodell der Ranft Gruppe in den letzten Jahren dahingehend weiterentwickelt?
Michael Ranft: Insbesondere Batteriespeicher bilden den zentralen Baustein heutiger Photovoltaikprojekte, ohne geht es einfach nicht mehr und das macht sowohl wirtschaftlich, als auch aus Sicht der Verwendung der gewonnenen Energie, absoluten Sinn. Dabei geht es nicht nur darum, den Strom möglichst teuer zu verkaufen, sondern vor allem darum, den wertvollen Netzanschlusspunkt über einen möglichst langen Zeitraum am Tag zu nutzen und Energie gleichmäßig verfügbar zu machen. Und wo möglich bzw. erforderlich, planen wir auch Umspannwerke oder ziehen Beteiligungen an diesen in Erwägung. Damit haben sich unsere Aufgabenstellungen erheblich erweitert und wir haben innerhalb unseres Mitarbeiterteams, aber auch im Kreise der mit uns kooperierenden Planungsbüros, entsprechende Kapazitäten aufgebaut.
Anleihen Finder: Wie sieht aktuell ihre Auftragslage und Projektpipeline in den verschiedenen Geschäftsbereichen aus? Wo sehen Sie die größten Wachstumschancen?
„Unsere Schwerpunkte bilden ganz klar BESS-Projekte sowie die Projektentwicklung im Bestand“
Michael Ranft: Unsere aktive Projektpipeline ist mit regelmäßig >1GW in allen drei Ländern prall gefüllt. Schwerpunkt bilden dabei ganz klar BESS-Projekte sowie die Projektentwicklung im Bestand. Hier insbesondere in Deutschland das Repowering sowie der Ankauf von Bestandsanlagen und deren Ergänzung durch einen Grünstromspeicher. Die durch uns seit 2008 errichteten und zum Großteil noch verwalteten PV-Anlagen, bieten für diese Entwicklungstätigkeit einen idealen Ausgangspunkt, den wir zu nutzen wissen. In Italien liegt der Fokus verstärkt auf der Mehrfachnutzung bereits zugesagter Netzanschlusspunkte. In Österreich sind BESS-Projekte der klare Schwerpunkt. Viel wichtiger als die Größe der Pipeline: ein Teil der Projekte wird noch 2026, ein bedeutender Teil in 2027 umsetzungsreif sein.
Zusätzlich erreichen uns fortlaufend Angebote Dritter, welche wir permanent prüfen und somit auch regelmäßig Ankäufe fertig entwickelter Projekte vornehmen, die unsere Projektbasis stärken.
Anleihen Finder: Welche Projektgrößen und welche Regionen stehen aktuell besonders im Fokus der Ranft Gruppe?
Michael Ranft: Hier gilt es, nach Regionen, Betätigungsfeldern und Segmenten zu unterscheiden. Das für uns ideale PV–Projekt in Deutschland hat eine Größe zwischen 10 und 30 MW Nennleistung PV sowie der dazu passenden BESS-Kapazität. Die Minimalgröße erlaubt uns die Wirtschaftlichkeit, die Maximalgröße eine gute Handhabbarkeit in Bezug auf Errichtung und Veräußerung unter gleichzeitiger Vermeidung von Klumpenrisiken. Bei reinen BESS-Projekten hingegen, verfolgen wir jede Projektgröße ab 3MW Anschlussleistung, wobei der Schwerpunkt auf den Netzanschlussbedingungen liegt, nicht auf der Größe des Projektes. Bei netzdienlichen BESS-Projekten in Italien liegt die Zielgröße je Projekt eher bei 90 bis 100 MW. Grundsätzlich prüfen wir aber auch andere Projektgrößen, wenn wir das Projekt selbst als aussichtsreich erachten.
Anleihen Finder: Was passiert mit den Projekten nach Erreichen der Baureife? Werden diese überwiegend verkauft, mit Partnern umgesetzt oder langfristig im eigenen Portfolio gehalten?
Michael Ranft: Unsere heutige Idealvorstellung ist die gemeinsame Umsetzung mit Partnern bzw. alternativ der Verkauf an langjährige Wegbegleiter und Investoren, wobei wir jeweils anstreben, anschließend die Verantwortung für die Bereiche kaufmännische und technische Betriebsführung sowie die Stromvermarktung zu übernehmen. Diese strategische Ausrichtung erlaubt uns den Umsatz hoher Volumina und den Bestandsaufbau, während wir gleichzeitig die laufenden dauerhaften Einnahmen aus oben genannten Dienstleistungsbereichen ausweiten.
Anleihen Finder: Wie hat sich die Ranft Gruppe in den letzten Jahren – vor allem in 2025 und in diesem Jahr – operativ entwickelt?
Michael Ranft: Der Umsatz der Ranft Gruppe in 2025 betrug rund 22 Millionen EUR. Für 2026 gehen wir nach aktuellem Kenntnisstand von rund 30 Millionen EUR aus
Anleihen Finder: Die Ranft Gruppe hat schon einige Anleihen emittiert. Wie gewährleisten Sie deren Schuldendienst und wie sieht Ihre Verschuldungssituation in Gänze gegenwärtig aus?
Michael Ranft: Unser Schuldendienst basiert auf einer Kombination aus laufenden Erträgen aus unserem Bestandsportfolio und Dienstleistungen sowie Projektverkäufen und einer bewusst diversifizierten Finanzierungsstruktur. Dabei achten wir auf eine zeitliche Abstimmung von Mittelzuflüssen und Fälligkeiten.
„Wachstum ja – aber nur im Rahmen einer tragfähigen Kapitalstruktur und mit ausreichender Liquidität für den Schuldendienst“
Unsere Verschuldung steuern wir konservativ und projektbezogen. Entscheidend ist für uns nicht allein die absolute Verschuldung, sondern die Relation zu den vorhandenen Vermögenswerten und den daraus erzielbaren Cashflows. Unsere bisherigen Anleihezinsen und fälligen Rückzahlungen wurden stets vollständig bedient. Für die kommenden Jahre gilt daher klar: Wachstum ja – aber nur im Rahmen einer tragfähigen Kapitalstruktur und mit ausreichender Liquidität für den Schuldendienst.
Anleihen Finder: Viele Unternehmen aus dem Energiesektor hatten zuletzt mit Projetverschiebungen und daran anschließenden finanziellen Problemen zu kämpfen. Wie sichern Sie sich dagegen ab?
Michael Ranft: Die geballte Änderung politischer und regulatorischer Rahmenbedingungen bei sich gleichzeitig massiv verändernden Voraussetzungen bei der Stromvermarktung haben unsere Branche vor erhebliche Herausforderungen gestellt, die eine steile Lernkurve erforderten und zu klaren Entscheidungen führen mussten.
Wir setzen auf die Vermeidung langfristiger Kapitalbindung und eine hochwertige, statt maximal große Pipeline. Klare Meilensteine, diversifizierte Projekte und die Einbindung der von uns gewählten Finanzierungsinstrumente helfen uns, Verzögerungen abzufedern. Projekte mit zu hohem Risiko werden konsequent neu bewertet oder gestoppt. Gleichzeitig diversifizieren wir unser Portfolio über Deutschland, Österreich und Italien sowie über PV und BESS.
„Wir setzen auf die Vermeidung langfristiger Kapitalbindung und eine hochwertige, statt maximal große Pipeline“
Anleihen Finder: Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet weiter voran, gleichzeitig bestehen Herausforderungen bei Netzausbau, Genehmigungen und Flächenverfügbarkeit. Wo sehen Sei derzeit die größten Risiken für Ihre weitere Geschäftsentwicklung?
Michael Ranft: Die größten Hemmnisse für unsere weitere Geschäftsentwicklung sehen wir derzeit weniger in der grundsätzlichen Nachfrage nach erneuerbaren Energien als in der zunehmenden Komplexität und Unsicherheit bei der Entwicklung konkreter Projekte.
An erster Stelle steht dabei die Verfügbarkeit von Netzkapazitäten. Der Netzausbau hält vielerorts nicht mit dem dynamischen Ausbau von PV und Speichern Schritt. Hinzu kommen lange und teilweise schwer planbare Genehmigungsverfahren. Schließlich steigt auch die regulatorische und politische Komplexität. Änderungen bei Fördermechanismen, Netzentgelten, Marktregeln oder Genehmigungsvoraussetzungen können die Wirtschaftlichkeit bereits entwickelter Projekte beeinflussen.
All diese Erschwernisse bieten dem langjährig erfolgreichen Marktteilnehmer aber auch enorme Chancen. Denn was schwerer zu erreichen ist, hat aus Marktsicht auch einen erheblich höheren Wert. Unser strategischer Ansatz ist daher, diese Rahmenbedingungen nicht nur zu akzeptieren, sondern aktiv zu steuern: durch eine höhere Qualität der Pipeline, frühzeitige Sicherung von Netzkapazitäten, Diversifikation über Deutschland, Österreich und Italien, eine stärkere Integration von BESS sowie flexible Vermarktungs- und Finanzierungsmodelle.
Anleihen Finder: Abschließend: Welche strategischen und operativen Ziele verfolgt die Ranft Gruppe für die kommenden zwei bis drei Jahre?
„Unser Fokus liegt auf der Sicherung hochwertiger Netzkapazitäten, der Entwicklung skalierbarer PV- und BESS-Portfolios sowie der Absicherung ihrer langfristigen Erlösstrukturen“
Michael Ranft: Heute geht es nicht mehr darum möglichst viele Megawatt zu entwickeln. Bereits in der Vergangenheit haben wir den Fokus auf eine große, aber vor allem realisierbare Pipeline von PV- und BESS-Projekten ausgerichtet – mit den Schwerpunkten Netzanschluss, Flächenkontrolle und Genehmigungsfähigkeit. Dies gewinnt weiterhin an Bedeutung.
Der Engpass verschiebt sich zunehmend von der Technologie hin zu Netzanschluss, Genehmigung, Vermarktung, Finanzierung und Systemintegration. Deutschland strebt 215 GW PV bis 2030 an. Österreich verfolgt 100 % bilanziell erneuerbaren Strom bis 2030 und hat inzwischen sogar ein Ziel von 5 GW Batteriekapazität verankert. Italien benötigt bis 2030 erhebliche zusätzliche Speicher, wobei mit MACSE bereits ein langfristiger Vergütungsmechanismus etabliert ist. Und überall dort sind wir unterwegs. Strategisch also die Fokussierung auf die oben genannten Segmente und Themen, operativ die Projektentwicklung im Bestand, der Ausbau unseres Dienstleistungspaketes inklusive der Stromvermarktung.
Zusammengefasst entwickeln wir uns in Deutschland, Österreich und Italien auch weiterhin vom klassischen PV-Projektentwickler zum integrierten Entwickler flexibler erneuerbarer Energieinfrastrukturen. Unser Fokus liegt auf der Sicherung hochwertiger Netzkapazitäten, der Entwicklung skalierbarer PV- und BESS-Portfolios sowie der Absicherung und Optimierung ihrer langfristigen Erlösstrukturen. Bis 2029 wollen wir eine qualitativ hochwertige, finanzierbare und exitfähige Pipeline aufbauen und dabei insbesondere BESS als eigenständiges profitables Geschäftsfeld etablieren.
Anleihen Finder: Herr Ranft, besten Dank.
Hier finden Sie den Original-Artikel: „Unsere aktive Projektpipeline ist prall gefüllt“ – Interview mit Michael Ranft, Ranft Gruppe
