Source: Deutsche Nachrichten
Viele Menschen in Deutschland wollen zusätzlich für ihr Alter vorsorgen. Doch zwischen diesem Vorsatz und einer langfristig tragfähigen Anlagestrategie besteht weiterhin eine erhebliche Lücke. Das zeigt die globale „Be Invested“-Studie 2026 von Fidelity International, über deren Ergebnisse aktuell die finanzwelt berichtet. Für die Untersuchung wurden weltweit 13.000 Anlegerinnen und Anleger befragt, darunter 1.000 Personen in Deutschland. Die Ergebnisse machen einen grundlegenden Widerspruch sichtbar: Deutsche Anleger erwarten im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 6,7 Prozent, halten zugleich jedoch rund 34 Prozent ihres investierbaren Vermögens in liquiden Mitteln. Das Sicherheitsbedürfnis ist damit stark ausgeprägt; steht aber häufig nicht im Einklang mit den formulierten Renditezielen. Gerade bei der Altersvorsorge kann diese Diskrepanz langfristig erhebliche Folgen haben. Wer über viele Jahre hinweg einen großen Teil seines Vermögens nahezu unverzinst oder nur niedrig verzinst vorhält, verzichtet auf mögliche Erträge und damit auch auf einen wesentlichen Teil des Zinseszinseffekts.
Liquidität erfüllt einen ganz bestimmten Zweck
Eine hohe Cash-Quote ist nicht grundsätzlich falsch. Liquidität bietet Sicherheit, schafft finanzielle Handlungsfähigkeit und schützt davor, bei unvorhergesehenen Ausgaben langfristige Anlagen zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen zu müssen. Entscheidend ist deshalb nicht, ob eine Liquiditätsreserve vorhanden ist, sondern ob ihre Höhe zum tatsächlichen Bedarf und zur persönlichen Lebenssituation passt. Die Studie zeigt, dass 44 Prozent der Befragten ihre liquiden Mittel als Notreserve betrachten. Weitere 18 Prozent rechnen damit, das Geld kurzfristig zu benötigen. Zwölf Prozent halten sich aus Angst vor möglichen Anlageverlusten zurück, während sieben Prozent auf vermeintlich bessere Bedingungen für einen Einstieg in den Kapitalmarkt warten. Damit beruhen hohe Cash-Bestände teilweise auf nachvollziehbaren Motiven. Problematisch werden sie dort, wo aus einer bewusst gewählten Reserve eine dauerhafte Anlageposition wird, ohne dass regelmäßig überprüft wird, ob diese Aufteilung noch zu den persönlichen Zielen passt. Genau hier beginnt gute Altersvorsorgeberatung: Sie muss zunächst unterscheiden, welcher Teil des Vermögens kurzfristig verfügbar bleiben sollte und welcher Teil tatsächlich langfristig für den Ruhestand eingesetzt werden kann.
Die Renditeerwartung passt häufig nicht zur Vermögensstruktur
Nach den Modellannahmen von Fidelity könnte ein vollständig in Cash gehaltenes Portfolio langfristig lediglich eine jährliche Rendite von rund 2,1 Prozent erreichen. Für ein ausgewogenes Portfolio aus 60 Prozent globalen Aktien und 40 Prozent globalen Anleihen werden dagegen rund 5,1 Prozent angenommen. Dabei handelt es sich ausdrücklich um modellhafte Annahmen und nicht um garantierte zukünftige Erträge. Die Berechnungen verdeutlichen jedoch den möglichen Einfluss der Vermögensaufteilung auf das langfristige Ergebnis. Weitere Einzelheiten stellt Fidelity in der „Be Invested“-Studie 2026 dar. Wer eine Rendite von durchschnittlich 6,7 Prozent erwartet, sein Vermögen aber zu einem erheblichen Teil in Liquidität hält, benötigt entweder eine realistischere Zielsetzung oder eine andere Anlagestruktur. Diese Entscheidung lässt sich jedoch nicht allein aus allgemeinen Renditevergleichen ableiten. Sie hängt unter anderem vom Anlagehorizont, von der Risikotragfähigkeit, der familiären Situation, bestehenden Vorsorgeansprüchen und der Höhe der erwarteten Versorgungslücke ab. Eine pauschale Empfehlung, möglichst viel Geld am Kapitalmarkt anzulegen, wäre daher ebenso wenig zielführend wie ein dauerhaftes Festhalten an überhöhten Liquiditätsbeständen. Gute Beratung muss Sicherheit und Renditechancen in ein individuell passendes Verhältnis bringen.
Das Problem ist weniger fehlendes Wissen als fehlende Umsetzung
Besonders aufschlussreich ist ein weiterer Studienbefund: Rund 70 Prozent der Menschen in Deutschland legen Geld zurück, aber nur etwa jeder Vierte verfolgt dabei eine konkrete Anlagestrategie. Grundlegende Prinzipien wie langfristiges Investieren, breite Risikostreuung und regelmäßiges Sparen sind vielen Anlegern durchaus bekannt. Dennoch fällt es ihnen schwer, aus diesem Wissen konkrete Entscheidungen abzuleiten. Die Vielzahl unterschiedlicher Produkte, widersprüchliche Informationen und schwankende Kapitalmärkte verstärken diese Unsicherheit. Hinzu kommt, dass Altersvorsorge selten isoliert betrachtet werden kann. Gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung, private Versicherungen, Immobilien, Wertpapieranlagen und liquide Rücklagen müssen gemeinsam eingeordnet werden. Für Banken entsteht daraus eine klare Aufgabe: Ihre Beratungsleistung darf sich nicht auf die Präsentation einzelner Produkte beschränken. Sie muss Menschen dabei unterstützen, ihre persönliche Ausgangslage zu verstehen, realistische Ziele zu formulieren und daraus eine nachvollziehbare Strategie zu entwickeln.
Altersvorsorge beginnt nicht mit einem Produkt
Aus Sicht der Gesellschaft für Qualitätsprüfung beginnt qualifizierte Altersvorsorgeberatung deshalb nicht mit einem Fonds, einer Versicherung oder einem Depot. Am Anfang müssen die Analyse und die richtigen Fragen stehen: Welche Ansprüche bestehen bereits? Wie hoch könnte die spätere Versorgungslücke sein? Welche finanziellen Verpflichtungen sind zu berücksichtigen? Welche Rücklagen werden kurzfristig benötigt? Welcher Anlagezeitraum steht zur Verfügung? Und welche zwischenzeitlichen Wertschwankungen kann und möchte der Kunde tatsächlich tragen?
Erst auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, ob die vorhandene Cash-Quote angemessen ist und welche ergänzenden Vorsorgelösungen infrage kommen. Die Qualität einer Beratung zeigt sich dabei nicht allein in einer rechnerisch optimierten Vermögensaufteilung. Entscheidend ist ebenso, ob der Kunde die vorgeschlagene Lösung versteht, mitträgt und auch in unruhigen Marktphasen an seiner langfristigen Strategie festhalten kann. Damit verändert sich zugleich die Rolle des Beraters. Er wird vom reinen Produktvermittler zum Übersetzer komplexer Zusammenhänge, zum Strukturgeber und zum langfristigen Begleiter.
Altersvorsorge wird Schwerpunkt bei „BESTE BANK vor Ort 2027“
Die Ergebnisse der Fidelity-Studie bestätigen die Entscheidung der Gesellschaft für Qualitätsprüfung, das Thema Altersvorsorge im Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“ noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Der Test untersucht, wie gut Banken Verbraucher sowohl digital als auch im persönlichen Kontakt bei wichtigen finanziellen Entscheidungen unterstützen. Dafür wurde insbesondere der Digital-Check vollständig überarbeitet und inhaltlich erweitert. Geprüft wird, ob Interessierte bereits auf der Internetseite einer Bank verständliche und relevante Orientierung zur Altersvorsorge erhalten. Dazu gehört nicht nur, ob einzelne Produkte auffindbar sind. Entscheidend ist vielmehr, ob die Bank Zusammenhänge erklärt, unterschiedliche Vorsorgewege einordnet und einen nachvollziehbaren Zugang zur persönlichen Beratung eröffnet. Im anschließenden Beratungsgespräch wird sichtbar, ob aus allgemeinen Informationen tatsächlich eine individuelle Strategie entsteht. Eine ausgezeichnete Bank sollte die finanzielle Ausgangssituation strukturiert erfassen, vorhandene Vorsorgebausteine berücksichtigen, mögliche Versorgungslücken verständlich darstellen und gemeinsam mit dem Kunden eine passende Lösung entwickeln. Ebenso wichtig ist, dass Risiken, Kosten, Renditechancen und mögliche Zielkonflikte transparent erläutert werden.
Gute Beratung muss auch unrealistische Erwartungen korrigieren
Die große Differenz zwischen einer erwarteten Rendite von 6,7 Prozent und einer Cash-Quote von 34 Prozent zeigt, dass Beratung nicht nur Wünsche aufnehmen darf. Sie muss Erwartungen einordnen und gegebenenfalls korrigieren. Wenn Renditeziel, Sicherheitsbedürfnis und tatsächliche Vermögensstruktur nicht zusammenpassen, sollte dieser Widerspruch offen angesprochen werden. Das verlangt kommunikative Qualität: Risiken dürfen weder verharmlost noch so stark in den Vordergrund gestellt werden, dass langfristige Anlagechancen vollständig ausgeblendet werden. Vor allem bei der Altersvorsorge ist diese Balance entscheidend. Kurzfristige Kursschwankungen können emotional belastend sein. Langfristig kann jedoch auch ein zu defensives Vorgehen ein erhebliches Risiko darstellen; nämlich das Risiko, die eigene Versorgungslücke trotz regelmäßigen Sparens nicht schließen zu können.
Nachbetreuung wird zum Bestandteil der Vorsorgestrategie
Eine gute Altersvorsorgestrategie ist kein einmaliges Ergebnis. Einkommen, Lebensplanung, familiäre Verpflichtungen, Kapitalmärkte und gesetzliche Rahmenbedingungen verändern sich. Deshalb gehört auch die regelmäßige Überprüfung zum Qualitätsanspruch einer Bank.
Wurde die vereinbarte Sparrate umgesetzt? Ist die Liquiditätsreserve noch angemessen? Haben sich Anlagehorizont oder Risikobereitschaft verändert? Gibt es neue Vorsorgemöglichkeiten? Und entspricht die gewählte Vermögensaufteilung weiterhin den persönlichen Zielen?
Die Nachbetreuung ist deshalb auch im Bankentest „BESTE BANK vor Ort“ ein wichtiger Bestandteil der Gesamtbetrachtung. Erst durch eine dauerhafte Begleitung wird aus einem Beratungsgespräch eine belastbare Vorsorgestrategie.
Die beste Bank schafft Orientierung und Handlungsfähigkeit
Die Fidelity-Studie verdeutlicht, dass es den Menschen vielfach nicht am Sparwillen fehlt. Es fehlt an einer klaren Verbindung zwischen ihren Zielen, ihrer Vermögensstruktur und den notwendigen Entscheidungen. Genau darin liegt eine der wichtigsten Aufgaben qualifizierter Bankberatung. Mit dem Themenschwerpunkt Altersvorsorge wird „BESTE BANK vor Ort 2027“ daher noch genauer untersuchen, welche Banken diese Verantwortung überzeugend wahrnehmen. Ausgezeichnet werden sollen Institute, die nicht lediglich Produkte anbieten, sondern Orientierung schaffen, Zusammenhänge verständlich erklären und ihre Kundinnen und Kunden bei der Umsetzung langfristig begleiten. Denn erfolgreiche Altersvorsorge entsteht weder durch möglichst hohe Cash-Bestände noch durch eine pauschale Maximierung des Kapitalmarktanteils. Sie entsteht durch eine individuell passende Strategie und durch eine Beratung, die Menschen in die Lage versetzt, fundierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft zu treffen.
