Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Chinas Übergang zu neuen Wachstumstreibern beschleunigt sich: Getragen von der Hightech-Fertigung und dem Dienstleistungssektor tragen zukunftsträchtige Branchen inzwischen mehr als die Hälfte des chinesischen Industriewachstums.
Chinas Übergang zu neuen Wachstumstreibern beschleunigt sich. Nach Daten des Nationalen Statistikamtes (NBS) erwiesen sich im Juli vor allem der Hochtechnologiesektor, technologieintensive Exportgüter und der Dienstleistungskonsum als zentrale Stützen der Konjunktur. Zwar verlangsamte sich das gesamte Industriewachstum im Juli auf 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 5,3 Prozent im Juni. Zukunftsorientierte Branchen entwickelten sich jedoch weiterhin dynamisch: Die Wertschöpfung der Hightech-Fertigung stieg um 16,9 Prozent, der Ausrüstungsbau legte um 12,3 Prozent zu.
Nach Angaben von NBS-Sprecherin Wang Guanhua steuerten die neuen Wachstumsfelder in den ersten sieben Monaten des Jahres schätzungsweise 50,9 Prozent zum gesamten Industriewachstum bei – das sind drei Prozentpunkte mehr als noch im ersten Halbjahr. Zhu Feng, China-Chefökonom bei JPMorgan, erklärte, dass das Land bei der Modernisierung des Fertigungssektors grundlegende Fortschritte erzielt habe.
Die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit spiegele sich auch direkt in den Unternehmensergebnissen wider: Der führende chinesische Chipentwickler Hygon Information Technology etwa meldete für das erste Halbjahr einen Umsatzsprung von 66,5 Prozent auf 9,1 Milliarden Yuan (rund 1,35 Milliarden US-Dollar). Als Grund nannte das Unternehmen die stark steigende Nachfrage nach heimischen High-End-Prozessoren.
Auch auf der Konsumseite verändert sich die Struktur: Die Ausgaben der Verbraucher verlagern sich zunehmend vom Güterkauf hin zu Dienstleistungen. So kletterten die Umsätze im Dienstleistungskonsum in den ersten sieben Monaten um 5,0 Prozent im Jahresvergleich und entwickelten sich damit deutlich dynamischer als der klassische Warenhandel. Gleichzeitig bleibt die Konjunktur uneinheitlich. Während die Einzelhandelsumsätze im Juli nur noch um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr stiegen, hinterließ der Rückgang der Anlageinvestitionen im Zeitraum Januar bis Juli mit minus 6,7 Prozent tiefere Spuren als im ersten Halbjahr (minus 5,7 Prozent). Hauptursache ist die anhaltende Schwäche im Immobiliensektor.
Um den Übergang zu einer innovationsgetriebenen Wirtschaft abzusichern, fordern Experten stärkere wirtschaftspolitische Impulse. Yin Yanlin, stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes (PKKCV), forderte energischere antizyklische Maßnahmen – darunter bei Bedarf auch die Emission weiterer Staatsanleihen. Zudem empfahl er, den nachlassenden Druck der importierten Inflation zu nutzen, um Mindestreservesätze und Leitzinsen zu senken. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) reagierte bereits und kündigte an, den Einsatz neuer finanzpolitischer Instrumente für 2026 zu beschleunigen und private Investitionsprojekte gezielter zu unterstützen. Lynn Song, Chefökonom für China bei der niederländischen Bank ING, prognostiziert angesichts beschleunigter Fiskalausgaben bereits eine Belebung der Investitionstätigkeit in den kommenden Monaten.
Für internationale Konzerne geht mit Chinas Transformation eine Neuausrichtung ihrer langfristigen Anlagestrategien einher. Rogier Janssens, Präsident von Merck China, verwies auf die Stärke des Standorts und dessen eng vernetztes industrielles Ökosystem. Der deutsche Pharma- und Technologiekonzern erweitere deshalb seine Kapazitäten in Produktion sowie Forschung und Entwicklung konsequent – gestützt auf solide Fundamentaldaten in allen drei Kernsparten: Gesundheit, Life Sciences und Elektronik.
