Source: Deutsche Nachrichten
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt weiter, und sie steigt ungleichmäßig. Laut dem Statistischen Bundesamt registrierten die Amtsgerichte im ersten Quartal 2026 insgesamt 6.275 beantragte Verfahren — ein Zuwachs von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Monat März stach mit 2.308 Fällen und einem Plus von 15,8 Prozent besonders heraus.
Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Das Risiko liegt zunehmend bei den Geschäftspartnern. Die Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen hat dafür mit dem Company Audit eine strukturierte Unternehmensprüfung aufgesetzt, die Kennzahlen, Auftritt und digitale Abhängigkeiten eines Betriebs zusammen betrachtet.
Der zeitliche Abstand ist das eigentliche Problem. Ein Antrag wird sichtbar, wenn er gestellt ist; die Entwicklung davor liegt Monate zurück und ist in den Kennzahlen längst angelegt.
Ein Teil der Warnsignale ist dabei terminlicher Natur. Wer Fristen aus dem Blick verliert, verliert meist zuerst den Überblick und erst danach das Geld.
Was die Insolvenzstatistik für 2026 ausweist
Wie das Statistische Bundesamt meldet, ergeben sich für das erste Quartal 2026 folgende Werte:
- Im Januar 2026 registrierten die Amtsgerichte 1.919 beantragte Verfahren, 4,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
- Im März waren es 2.308 Verfahren und damit 15,8 Prozent mehr als im März 2025.
- Für das erste Quartal summiert sich das auf 6.275 Verfahren, ein Plus von 6,5 Prozent.
- Von Januar bis April wurden 8.551 Verfahren gezählt, 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
- Die höchste Dichte weist Verkehr und Lagerei mit 32,1 Fällen je 10.000 Unternehmen auf.
- Es folgen das Gastgewerbe mit 30,3 und das Baugewerbe mit 26,7 Fällen.
Die Dichte sagt mehr als die absolute Zahl
Absolute Fallzahlen bilden vor allem die Größe einer Branche ab. Aussagekräftiger ist die Insolvenzhäufigkeit je 10.000 Unternehmen, weil sie kleine und große Wirtschaftszweige vergleichbar macht.
Dass Verkehr und Lagerei mit 32,1 Fällen vorn liegt, passt zu einem Geschäft mit dünnen Margen und hohem Fixkostenanteil. Gastgewerbe und Baugewerbe folgen dicht dahinter — beides Bereiche, in denen Vorleistungen erbracht werden, bevor Geld fließt.
„Ein Auftraggeber, der spät zahlt, ist selten ein schlechter Zahler. Meist ist er selbst der letzte in einer Kette, die weiter oben schon gerissen ist“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Ein Monatswert schwankt, die Richtung nicht
Der Sprung von 15,8 Prozent im März gegenüber 4,9 Prozent im Januar wirkt dramatisch, beruht aber teilweise auf der Zahl der Arbeitstage und dem Vergleichsmonat. Einzelne Monate sind deshalb schlechte Indikatoren.
Belastbarer ist die kumulierte Betrachtung: 8.551 Verfahren von Januar bis April, 6,7 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Diese Reihe zeigt seit mehreren Quartalen in dieselbe Richtung, unabhängig von einzelnen Ausreißern.
Worauf Unternehmen jetzt achten sollten
Den Wert für den Folgemonat veröffentlicht das Statistische Bundesamt regelmäßig etwa zwei Monate später; die Zahlen erscheinen damit fortlaufend.
Praktisch folgt daraus, die eigene Forderungsseite zu sortieren. Wer im Verkehrs-, Gastgewerbe- oder Bausektor Kunden hat, arbeitet mit den drei Branchen der höchsten Insolvenzdichte — dort lohnt eine Bonitätsprüfung vor dem Auftrag mehr als eine Mahnung danach. Und Zahlungsziele über 30 Tage verdienen in diesen Branchen eine eigene Begründung. Damit die wiederkehrenden Termine dabei nicht untergehen, hält ein Kalender für Compliance-Fristen sie zusammen.
