Source: Deutsche Nachrichten
iron-Studie zum ersten Halbjahr 2026
Der deutsche KMU-Anleihemarkt hat sich im ersten Halbjahr 2026 laut einer Studie der iron AG trotz schwieriger wirtschaftlicher und geopolitischer Bedingungen robust gezeigt. Mit 16 Emissionen wurden deutlich mehr Anleihen begeben als im Vorjahreszeitraum (11), das platzierte Volumen lag mit 369,8 Mio. Euro allerdings rund 20 % unter dem Vorjahreswert von 464,3 Mio. Euro. Die durchschnittliche Platzierungsquote sank damit von 82,9 % auf 71,9 %, während der durchschnittliche Kupon mit 7,52 % nahezu stabil blieb. Erneuerbare Energien waren erneut der mit Abstand emissionsstärkste Sektor und stellten sieben der 16 Neuemissionen.
Parallel sind auch Restrukturierungen am Markt deutlich angestiegen, so waren sechs Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 304,5 Mio. Euro im ersten Halbjahr von Restrukturierungsmaßnahmen betroffen, nachdem es im Vorjahreszeitraum 86,6 Mio. Euro gewesen waren. Hinzu kamen Ausfälle von vier Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 34,0 Mio. Euro. Insgesamt zeigt die Halbjahresanalyse damit einen weiterhin aufnahmefähigen, zugleich aber deutlich anspruchsvolleren KMU-Anleihemarkt, in dem ein überzeugender Investment Case und eine erfolgreiche Platzierung zunehmend wichtiger werden.
INFO: Die vollständige iron-Halbjahresstudie 2026 zum KMU-Anleihemarkt finden Sie hier
Es folgt eine Zusammenfassung der Studie:
STUDIE der iron AG:
KMU-Anleihemarkt H1 2026: Emissionstätigkeit zieht an, Platzierung wird anspruchsvoller
- – 16 Emissionen (H1 2025: 11) mit einem platzierten Volumen von 369,8 Mio. EUR (H1 2025: 464,3 Mio. EUR)
- – Durchschnittlicher Kupon1 mit 7,52 % p.a. auf Vorjahresniveau (H1 2025: 7,54 % p.a.), trotz anspruchsvollem Marktumfeld stabil
- – Erneuerbare Energien mit anhaltend hoher Emissionstätigkeit: 7 der 16 Emissionen entfallen auf den Sektor
- – Restrukturierungsvolumen steigt deutlich auf 304,5 Mio. EUR; ausgefallenes Anleihevolumen bei 34,0 Mio. EUR
- – Investorenkommunikation und Transparenz gemäß IR.score mit 3,88 Punkten leicht unter Vorjahreszeitraum (4,05)
Der deutsche KMU-Anleihemarkt behauptet sich in einem anspruchsvollen Umfeld. Trotz veränderter Zinserwartungen an den europäischen Anleihemärkten, einer weiterhin schwachen Wirtschaftslage und massiver geopolitischer Spannungsfelder wie dem Iran-Krieg kamen im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Anleihen an den Markt als im Vorjahreszeitraum. Zugleich fielen die Volumina kleinteiliger aus und die Investoren agierten spürbar selektiver. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Halbjahresanalyse der iron AG zum deutschen KMU-Anleihemarkt 2026.
Mehr Emissionen, geringeres Volumen – Platzierungsquote sinkt auf 71,9 %
Die Emissionstätigkeit zog im ersten Halbjahr 2026 mit 16 Emissionen spürbar an, insgesamt 5 Emissionen mehr als im Vergleichszeitraum 2025 (11 Emissionen). Die Volumina entwickelten sich jedoch gegenläufig: Das angestrebte Zielvolumen sank auf 514,3 Mio. EUR (H1 2025: 560,0 Mio. EUR). Das tatsächlich platzierte Volumen ging um rund 20 % auf 369,8 Mio. EUR zurück (H1 2025: 464,3 Mio. EUR). Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Platzierungsquote von 71,9 %, was einem Rückgang um 11 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum (H1 2025: 82,9 %) darstellt. Unter Nichtberücksichtigung der Schuldverschreibungen ohne Angaben zum Platzierungsstand beläuft sich die Platzierungsquote im ersten Halbjahr 2026 auf 77,6 %. Zudem liefen mehrere Zeichnungsfristen über den Studienstichtag 30. Juni 2026 hinaus – teils bis Anfang 2027 –, sodass ein Teil des Zielvolumens noch platziert werden kann.
Stabile Zinskupons trotz anspruchsvollem Marktumfeld
Mit 7,52 % p.a. lag der durchschnittliche Kupon1 im ersten Halbjahr 2026 trotz des herausfordernden Marktumfelds nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (H1 2025: 7,54 % p.a.; Gesamtjahr 2025: 7,56 % p.a.). Die Europäische Zentralbank hob den Einlagensatz im Juni 2026 angesichts eines energiepreisgetriebenen Inflationsschubs erstmals seit 2023 wieder an, nachdem die zuvor erwartete Fortsetzung sinkender Leitzinsen durch eine Neubewertung der geldpolitischen Perspektiven in der zweiten Jahreshälfte 2025 abgelöst wurde. Zugleich stiegen die Risikoprämien in einem anhaltend von Unsicherheit geprägten Marktumfeld, insbesondere infolge der Auswirkungen des Iran-Krieges. Trotz dieser Rahmenbedingungen blieb das Kuponniveau stabil und die Emissionstätigkeit robust, was ein Beleg für die anhaltende Resilienz des Segments darstellt. Die Kuponspanne reichte von 3,80 % bis 11,22 % p.a.; 12 der 16 Anleihen wurden mit festem Kupon begeben, 4 Anleihen – allesamt bankbegleitet – variabel auf Basis des 3-Monats-Euribor.
Erneuerbare Energien erneut an der Spitze; Eigenemissionen dominieren, Bankbegleitung wirkt positiv auf den Emissionserfolg
Das Emittentenfeld zeigte sich konzentrierter als im Vorjahr: Die 16 Emittenten stammen aus 6 Branchen, wobei die Erneuerbaren Energien mit 7 Emissionen für nahezu die Hälfte der Transaktionen standen. Der Sektor setzte damit seine starke Rolle aus dem zweiten Halbjahr 2025 fort (5 Emissionen, H1 2025: ein Emittent). Dahinter folgten Finanzdienstleistungen sowie Industrie- & Unternehmensdienst-leistungen mit jeweils drei Anleihen; Immobilien, Reisen & Freizeit sowie Lebensmittel, Getränke & Tabak waren mit jeweils einer Emission vertreten. Vollständig platziert wurden 6 der 16 Anleihen, eine Vollplatzierungsquote von 37,5 % (H1 2025: 45,5 %). Auffällig ist die hohe Zahl an Eigenemissionen: 11 der 16 Anleihen (68,8 %) kamen ohne Bankbegleitung an den Markt (H1 2025: 45,5 %, 5 von 11). Die 5 bankbegleiteten Transaktionen erreichten eine Platzierungsquote von 79,2 %, während Eigenemissionen im Schnitt nur 52,2 % ihres Zielvolumens unterbrachten. 60 % (3 von 5) der bankbegleiteten Anleihen wurden vollständig platziert, aber nur 27,3 % (3 von 11) der Eigenemissionen.
Frederic Hilke, Leiter Finanzkommunikation & Investor Relations der iron AG: „Der Finanzierungsbedarf im Mittelstand insbesondere im Bereich Erneuerbare Energien ist ungebrochen, und die Anleihe bleibt ein wichtiges Instrument, ihn zu decken. Dabei sind ein stimmiger Investment Case, hohe Transparenz und professionelle Vorbereitung erfolgskritische Faktoren, um in einem deutlich selektiveren Umfeld ausreichend Investorennachfrage zu generieren.“
Restrukturierungs- und Ausfallvolumen ziehen entsprechend der Gesamtwirtschaft deutlich an
Der Restrukturierungsbedarf hat im Studienzeitraum deutlich zugenommen: 6 Anleihen mit einem Volumen von 304,5 Mio. EUR waren im ersten Halbjahr 2026 von Restrukturierungsmaßnahmen betroffen – ein Anstieg um 217,9 Mio. EUR gegenüber dem Vorjahreszeitraum (H1 2025: 5 Anleihen, 86,6 Mio. EUR). Allerdings entfallen knapp 43 % des restrukturierten Volumens auf einen Emittenten. Auch das ausgefallene Volumen zog an: 4 Anleihen von 2 Unternehmensgruppen mit einem Volumen von insgesamt 34,0 Mio. EUR fielen aus und lagen damit deutlich über dem Vorjahresniveau von 10,0 Mio. EUR.
IR.score: Transparenzniveau bleibt trotz leichten Rückgangs solide
Der durchschnittliche IR.score der 16 Emittenten lag mit 3,88 Punkten leicht unter dem Vorjahreszeitraum (H1 2025: 4,05). Das Gesamtniveau bleibt gleichwohl solide: Der Median liegt bei 4,5 Punkten, 7 der 16 Emittenten erreichten die Höchstpunktzahl von 5,0, insgesamt 9 mindestens 4,5 Punkte. Der Rückgang des Durchschnitts geht fast ausschließlich auf wenige intransparente Emittenten zurück. Ohne einen Einzelfall, der mit 0 Punkten bewertet werden musste, wäre der Wert des Vorjahresniveaus sogar übertroffen worden. Die zahlreichen, überwiegend retail-orientierten Eigenemissionen schnitten mit durchschnittlich 4,05 Punkten überdurchschnittlich ab. Zugleich zeigt sich, dass Kapitalmarkterfahrung die Kommunikationsqualität prägt: Folgeemittenten erreichten im Schnitt 4,00 Punkte, Erstemittenten lediglich 3,67.
Eine Zusammenfassung der Erhebung ist über die Webseite der iron AG unter https://ir-on.com/kmu-anleihen/ erhältlich.
Hier finden Sie den Original-Artikel: KMU-Anleihen H1-26: Mehr Emissionen & mehr Restrukturierungen
