Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Von Höchstspannungsleitungen im Regenwald bis zu Solarparks in den Anden: Chinesische Technologie treibt die Energiewende in Südamerika voran und setzt neue Maßstäbe für die internationale Zusammenarbeit.
Während der weltweite Übergang zu nachhaltigen Energieformen an Fahrt gewinnt, vertiefen China und Lateinamerika ihre Zusammenarbeit im Energiesektor. Chinesische Unternehmen beteiligen sich mit Technologie, Infrastrukturprojekten und Investitionen an der Dekarbonisierung Südamerikas und am Ausbau der Versorgungssicherheit.
Die Zusammenarbeit reicht von der Stromübertragung über Tausende Kilometer bis zur digitalen Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke. Flaggschiffprojekte wie die von der State Grid Corporation of China errichtete Ultra-Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (UHGÜ) Belo Monte II in Brasilien, die Modernisierung der Wasserkraftwerke Jupiá und Ilha Solteira durch China Three Gorges (CTG) oder der Cauchari-Solarpark in den argentinischen Anden verdeutlichen das Ausmaß der Zusammenarbeit.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um reine Kapitalinvestitionen. Chinesische Konzerne bringen auch technologische Standards und Managementerfahrung ein. Durch die Modernisierung teils veralteter Infrastruktur wird die Stabilität der regionalen Stromnetze nachhaltig verbessert.
Strategische Partnerschaft auf höchster Ebene
Die Kooperation basiert auf einer langfristigen diplomatischen Abstimmung. Anlässlich der Eröffnung des vierten Ministertreffens des China-CELAC-Forums (Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten) betonte die chinesische Staatsführung, dass die pragmatische Zusammenarbeit in den Bereichen Handel, Investitionen und Infrastruktur stetig ausgebaut werden soll. Im Rahmen der Seidenstraßeninitiative soll neben traditionellen Sektoren wie dem Bergbau vor allem die Kooperation im Bereich der erneuerbaren Energien vorangetrieben werden.
Diese Absicht trifft in Lateinamerika auf fruchtbaren Boden, da sich die Wirtschaftsstrukturen und Entwicklungsziele beider Regionen in vielen Bereichen ergänzen. Auch die Nationale Energiebehörde Chinas unterstreicht die Bedeutung dieser Partnerschaft: Der Ausbau erneuerbarer Energien hat sich zu einem der dynamischsten Treiber der bilateralen Beziehungen entwickelt.
Infrastruktur-Durchbrüche vor Ort
Ein zentrales Beispiel für diese Zusammenarbeit ist Brasilien. Das Land steht seit Langem unter einem strukturellen Problem: Während das wasserreiche Amazonasbecken im Norden riesige Mengen Wasserkraft liefert, konzentriert sich der Großteil des Strombedarfs im hochindustrialisierten Südosten des Landes.
Die 2.534 Kilometer lange Leitung Belo Monte II soll diese Lücke schließen. Das Projekt wurde von State Grid finanziert und gebaut; der Konzern betreibt die Leitung im Rahmen einer 30-jährigen Konzession. Die Trasse transportiert Strom aus Wasserkraftwerken in den Norden des Landes in große Verbrauchszentren, darunter die Metropolregion Rio de Janeiro. Ye Xiaoning, leitender Ingenieur des Energy Research Institute der State Grid Corporation, bezeichnete das Projekt als globales Vorbild für den effizienten und sicheren Transport sauberer Energie über riesige Distanzen hinweg mittels chinesischer UHGÜ-Technologie.
Auch im extremen Terrain der Anden setzt China auf grüne Technologie. In der argentinischen Provinz Jujuy, auf über 4.000 Metern Höhe, befindet sich der Cauchari-Solarpark. Mit mehr als 1,2 Millionen Solarmodulen und einer Leistung von 315 Megawatt ist er der weltweit höchstgelegene Solarpark und zählt zu den größten Fotovoltaikanlagen Südamerikas. Er hat der Region zur energetischen Selbstversorgung verholfen und die Abhängigkeit von Stromlieferungen aus anderen Provinzen beendet.
Modernisierung bestehender Kraftwerke
Neben dem Bau neuer Anlagen spielt die Sanierung bestehender Kraftwerke eine Schlüsselrolle. Im Rahmen einer Konzessionsvereinbarung hat CTG Brasil den Betrieb der traditionsreichen Wasserkraftwerke Jupiá und Ilha Solteira mit einer Gesamtkapazität von knapp fünf Millionen Kilowatt übernommen. Die Anlagen versorgen jährlich mehr als sechs Millionen Menschen mit Strom.
Anstatt die fast ein halbes Jahrhundert alte Technik lediglich weiterzubetreiben, leitete der chinesische Konzern eine umfassende digitale Überholung ein. Die Umrüstung von zwölf Erzeugungseinheiten auf intelligente Steuerungs- und Überwachungssysteme glich einer „Herztransplantation“ für die brasilianische Energieinfrastruktur.
Die Kooperation zeigt, dass ausgereifte Netz- und Erzeugungstechnologien Schwellenländern die Möglichkeit bieten, ihre Emissionen kosteneffizient zu senken, ohne die Netzstabilität oder ihre energetische Unabhängigkeit zu gefährden. Damit setzen China und Lateinamerika neue Impulse für den globalen Klimaschutz und die Zusammenarbeit im Globalen Süden.
