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Fettabscheider im Fokus: 3 zentrale Fragen an Produktmanager Lukas Zerfaß

Fettabscheider im Fokus: 3 zentrale Fragen an Produktmanager Lukas Zerfaß

Source: Deutsche Nachrichten
Fettabscheider sind für viele Bauprojekte ein selbstverständlicher Bestandteil der Entwässerungsplanung – und gleichzeitig ein Bereich, in dem häufig Unsicherheiten bestehen. Welche Anforderungen gelten konkret? Wo liegen typische Planungsfehler? Und welche Risiken werden unterschätzt?

1. Warum sind Fettabscheider in gewerblichen Projekten unverzichtbar?

Fettabscheider sind aus Sicht des Gewässerschutzes und der Infrastruktur integraler Bestandteil jeder gewerblichen Entwässerung, sobald fetthaltiges Abwasser entsteht. Ihr Hauptzweck besteht darin, die Kanalisation vor Ablagerungen zu schützen, die durch das Abkühlen und Verhärten von Fetten entstehen. Diese Ablagerungen können Rohrleitungen massiv verengen oder sogar vollständig blockieren, was nicht nur zu technischen Problemen im Betrieb, sondern auch zu erheblichen Schäden im öffentlichen Netz führen kann.

Für Planer ist dabei entscheidend, dass es sich nicht um eine optionale Maßnahme handelt. Die einschlägigen Regelwerke schreiben den Einsatz überall dort vor, wo in gewerblichen Küchen oder lebensmittelverarbeitenden Betrieben fetthaltiges Abwasser anfällt.

Aus behördlicher Sicht steht neben dem Infrastrukturschutz vor allem die Einhaltung von Grenzwerten im Vordergrund. Werden diese überschritten, etwa durch eine fehlende oder falsch dimensionierte Anlage, können zusätzliche Einleitgebühren, Auflagen oder im Extremfall sogar Betriebseinschränkungen folgen.

Für Bauunternehmer ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Fettabscheider müssen nicht nur vorgesehen, sondern fachgerecht geplant, dimensioniert und eingebaut werden. Fehler in dieser frühen Phase führen später zu hohen Kosten im Betrieb oder bei der Nachrüstung.

2. Welche Normen und rechtlichen Vorgaben müssen Planer und Behörden unbedingt berücksichtigen?

Die Planung von Fettabscheidern basiert im Kern auf der europäischen Norm EN 1825 sowie ergänzend auf nationalen Regelwerken wie der DIN 4040-100. Während die EN 1825 die grundlegenden Anforderungen an Konstruktion, Prüfung und Anwendung definiert, konkretisieren nationale Regelwerke die Umsetzung im jeweiligen Land.

Ein zentraler Punkt, der in der Praxis häufig unterschätzt wird, ist die Bedeutung der CE-Kennzeichnung. Fettabscheider müssen nach harmonisierten europäischen Normen geprüft sein und eine Leistungserklärung vorweisen.

Für Planer bedeutet das, dass eine sorgfältige Produktauswahl notwendig ist. Denn seit der bauordnungsrechtlichen Änderung im Jahr 2023 entfällt die DIBt Zulassung für Fettabscheider. Ergänzende Qualitätsnachweise oder Gütesiegel, wie beispielsweise die GET-Güterichtline RAL-GZ 693, können helfen, die tatsächliche Leistungsfähigkeit und Dauerhaftigkeit einer Anlage sicherzustellen. Weiterhin müssen Anforderungen an Funktionsfähigkeit, Dichtheit, Einbau, Betrieb und Wartung früh mit Betreiber, Behörde und Entsorger abgestimmt werden.

Ebenso relevant sind die betrieblichen Anforderungen, die sich aus den Normen ergeben. Dazu gehören regelmäßige Wartungen, definierte Entleerungsintervalle sowie die Verpflichtung zur Führung eines Betriebstagebuchs. Diese Aspekte betreffen zwar primär den Betreiber, müssen jedoch bereits in der Planung berücksichtigt werden, etwa durch gute Zugänglichkeit und geeignete Anordnung der Anlage.

Für Behörden ist die Normkonformität wiederum die Grundlage für Genehmigungen und Kontrollen. Eine klare Abstimmung zwischen Planung, Ausführung und späterem Betrieb ist daher entscheidend.

So entsteht Planungssicherheit nicht erst über die Produktauswahl, sondern über eine dokumentierte Auslegung, nachvollziehbare Schnittstellen und eine früh geklärte Betreiberorganisation. Das reduziert Nachforderungen bei der Abnahme und senkt das Risiko späterer Mehrkosten im Betrieb.

3. Warum ist der Rückstauschutz beim Einsatz von Fettabscheidern ein häufig unterschätztes Risiko?

Der Rückstauschutz gehört zu den kritischsten, aber gleichzeitig am häufigsten vernachlässigten Themen in der Planung von Fettabscheidern. Rückstau tritt auf, wenn die öffentliche Kanalisation bei Starkregen oder durch Verstopfungen überlastet ist und Abwasser in die angeschlossenen Leitungen zurückdrückt.

Für Fettabscheider ergibt sich daraus eine besondere Herausforderung. Werden diese in der Erde eingebaut, liegt ihr Ruhewasserspiegel unterhalb der sogenannten Rückstauebene. Diese wird von der jeweiligen lokalen Behörde festgelegt, ist allerdings häufig auf Höhe der Straßenoberkante oder die Straßenoberkante mit einer Sicherheitszugabe definiert.

Genau hier greift eine klare normative Vorgabe: Unterhalb der Rückstauebene betriebene Fettabscheider müssen zwingend durch eine nachgeschaltete Hebeanlage abgesichert werden. Diese sorgt dafür, dass das gereinigte Abwasser aktiv über die Rückstauebene gehoben und erst danach in die Kanalisation eingeleitet wird.

Wird dieser Punkt in der Planung übersehen, entstehen erhebliche Risiken. Im Rückstaufall kann Abwasser ungehindert zurück in das Gebäude gelangen, was zu Überschwemmungen, hygienischen Problemen und hohen Sachschäden führt.

Für Planer und Bauunternehmer bedeutet das, dass der Rückstauschutz nicht als Detail, sondern als integraler Bestandteil der Entwässerungsplanung betrachtet werden muss. Behörden wiederum sollten diesem Aspekt in der Genehmigung besondere Aufmerksamkeit widmen, da hier die größten Schadenspotenziale liegen.

Fazit

Die drei Fragen zeigen deutlich, dass Fettabscheider weit über eine reine Pflichtkomponente hinausgehen. Sie sind ein sensibles Schnittstellenthema zwischen Umwelt, Technik und Regulierung. Wer die Zusammenhänge versteht und frühzeitig in der Planung berücksichtigt, schafft nicht nur normgerechte, sondern auch langfristig wirtschaftliche und sichere Lösungen.

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