Source: Deutsche Nachrichten
Ich beschäftige mich seit mehreren Jahrzehnten mit Softwareentwicklung und Digitalisierung. Und im Grunde tun wir seit dem ich dabei bin immer dasselbe:
Wir digitalisieren Prozesse.
Aber mal ehrlich: Haben wir sie dabei jemals wirklich optimiert?
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt ein klares Muster von Prozessdigitalisierungen in der Vergangenheit (siehe Abbildung).
Zugegeben: Der technologische Fortschritt hat uns in Bereichen wie Dokumentenerkennung oder RPA geholfen, ein paar manuelle Schritte loszuwerden und die Dunkelverarbeitungsquote zu erhöhen. Die Technologie hat sich drastisch verändert – aber der Kern der Prozesse blieb jahrzehntelang unberührt. Digitalisierungsinitiativen waren häufig die Migration von einem uralten Technologie-Stack auf einen etwas Neueren.
Jetzt kommt die nächste technologische Revolution und es besteht die Gefahr, dass wir im gewohnten Muster verharren.
Aber KI einfach nur als „Add-on“ bestehenden Prozessen hinzufügen, greift zu kurz. Mehr noch: Es schadet oft mehr, als es nützt:
- Die Komplexität der Systemarchitektur explodiert.
- Security- und Compliance-Risiken steigen unkontrolliert.
- Die Wartbarkeit sinkt, während die Kosten steigen.
Der wahre Nutzen von KI entsteht erst, wenn wir uns trauen, die Implementierung unserer Business-Prozesse von „regelbasiert und manuell“ auf „autonom und intelligent“ umzustellen. Dafür müssen wir die Prozesse KI-nativ neu denken und von Grund auf neu umsetzen.
Das Geniale an der aktuellen Situation ist das doppelte Momentum: KI hat die Softwareentwicklung bereits revolutioniert. Durch einen KI-nativen SDLC (Software Development Lifecycle) entwickeln wir Individualsoftware um ein Vielfaches effizienter und effektiver als je zuvor.
Diese neue Entwicklungsgeschwindigkeit und die Verfügbarkeit von KI für unsere Business-Prozesse gibt uns die Freiheit und die Werkzeuge an die Hand, die bestehenden Lösungen nicht nur schrittweise zu flicken, sondern von Grund auf KI-nativ neu zu bauen.
Drei Handlungsimpulse für Führungskräfte:
- Bestandsaufnahme: Identifiziere die Geschäftsprozesse, bei denen aktuell der größte Handlungsbedarf oder das größte Verbesserungspotential vorhanden ist.
- Schein-Innovationen stoppen: Beende Budgets für KI-Add-ons, die mehr schaden als nützen.
- Beginne mit dem Aufbau intelligenter und autonomer KI-nativer Lösungen für deine Geschäftsprozesse.
Wie sieht in euren Unternehmen der nächste Schritt der Digitalisierung aus?
Modernisiert ihr 2027 eure Jahrzehnte alten Lösungen erneut durch Migration auf einen aktuellen Tech-Stack oder seid ihr bereit darüber nachzudenken, wie eure Business-Prozesse unter Einsatz von KI wirklich aussehen sollten?
Ein Kommentar von Lars Rückemann, Vorstand codecentric AG
