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Geopolitische Krisen und nicht China sind die wahren Treiber der Ölpreise

Geopolitische Krisen und nicht China sind die wahren Treiber der Ölpreise

Source: People’s Republic of China – State Council News in German

Nicht Chinas Nachfrage, sondern die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten bestimmen derzeit die Entwicklung der Ölpreise. Dennoch richten einige westliche Medien ihren Fokus vor allem auf China.

Die anhaltende Unsicherheit rund um die Straße von Hormus belastet den globalen Ölmarkt. In Teilen der westlichen Berichterstattung entsteht dennoch der Eindruck, als sei vor allem Chinas Nachfrage der entscheidende Faktor für die Preisentwicklung. So titelte die New York Times kürzlich: „Chinas nächster Schritt könnte darüber entscheiden, ob die Ölpreise in die Höhe schießen.“ Ein Bericht von CNN behauptete unter der Schlagzeile „Die Zukunft der Ölpreise könnte von China abhängen“, dass Chinas Politik und Konsumverhalten für den Markt ausschlaggebend sein würden – unabhängig davon, wie schnell die Straße von Hormus wieder freigegeben werde. Dieser unverhältnismäßige Fokus auf China steht jedoch im Widerspruch zur Realität des Ölmarktes.

Der direkte Auslöser für die aktuellen Preisschwankungen liegt in der Straße von Hormus. Die Rohöl-Futures stiegen diese Woche weiter an, nachdem die USA eine Seeblockade gegen den Iran in der Meerenge wieder in Kraft gesetzt hatten. Unter normalen Umständen kann der Markt übliche Schwankungen verkraften, und kleine Anpassungen bei Angebot oder Nachfrage bringen das Gleichgewicht selten aus dem Lot. Die aktuelle Panik hat jedoch nichts mit üblichen Marktverschiebungen zu tun, sondern resultiert aus dem systemischen Risiko von Lieferunterbrechungen in dieser lebenswichtigen Meerenge.

Diese Ungewissheit über eine der wichtigsten Energieadern der Welt trifft die westlichen Volkswirtschaften an ihrer empfindlichsten Stelle, nämlich der wieder aufflammenden Inflation. Laut Reuters äußerten Mitglieder der US-Notenbank Fed bereits auf ihrer Sitzung im vergangenen Monat wachsende Sorgen über die Inflation. Die Dominoeffekte sind spürbar: Ölpreise treiben die Produktionskosten im globalen verarbeitenden Gewerbe in die Höhe, belasten ohnehin schwach wachsende Volkswirtschaften und zwingen Millionen private Haushalte dazu, mehr für Transport und Güter zu bezahlen.

Dabei wird der Ölmarkt nie von nur einer einzigen Nachfragevariable bestimmt. Vielmehr ist er das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus Angebotsstrukturen, geopolitischen Interessen, der Liquidität des US-Dollars, Finanzspekulationen und dem weltweiten Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Wenn die Straße von Hormus zum größten Risiko für die weltweite Energieversorgung wird, lenkt die Fokussierung auf Chinas laufende Ölimporte bei gleichzeitiger Ausblendung der geopolitischen Turbulenzen – ob bewusst oder unbewusst – die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Preistreibern ab. Zwar haben Chinas Einkäufe als weltweit größter Rohölimporteur Einfluss auf die Preise. Die treibende Kraft hinter der aktuellen Volatilität liegt jedoch vor allem in den geopolitischen Spannungen und den Unsicherheiten auf der Angebotsseite.

Chinas Rolle in der globalen Energielandschaft war stets stabil und berechenbar. Seit Jahren sind Chinas Rohölimporte eine der stabilsten Konstanten auf dem Weltmarkt und kein Risikofaktor für drastische Schwankungen. Auf einer Pressekonferenz am 16. März betonte das Nationale Statistikamt, dass China über eine solide Energieversorgungskapazität und robuste Grundlagen verfüge, um externen Marktschwankungen zu begegnen.

Die Welt sollte sich daher nicht fragen, wie viel Öl China importieren wird, sondern wann die Krise auf den globalen Energiemärkten gelöst wird. Eine stabile globale Energieversorgung lässt sich nicht durch Ablenkungsmanöver sichern. Sie erfordert eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Problematik direkt an deren Quelle – und den politischen Willen, diese zu beheben.

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