Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Experten der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) führen In-Orbit-Tests an ihrem gemeinsam entwickelten Satelliten durch, der unter dem Namen Solar Wind Magnetosphere Ionosphere Link Explorer (SMILE) bekannt ist.
SMILE wurde am 19. Mai vom Startzentrum Kourou in Französisch-Guayana aus in die Umlaufbahn gebracht und soll eine neue Ära der Weltraumwettervorhersage sowie der chinesisch-europäischen Zusammenarbeit in der Weltraumwissenschaft einleiten.
Der Satellit ist präzise in seine vorgesehene wissenschaftliche Beobachtungsumlaufbahn eingetreten und wird mehrere Monate lang In-Orbit-Tests durchlaufen, bevor er seine dreijährige wissenschaftliche Beobachtungsmission beginnt.
Als erstes umfassendes wissenschaftliches Kooperationsprojekt zwischen der CAS und der ESA im Weltraum soll SMILE die Geheimnisse der Wechselwirkung von Sonnenwind und Erdmagnetosphäre ergründen.
„SMILE ist mit vier wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet – zwei für die Bildgebung, zwei für In-situ-Messungen. Die nächsten drei Monate werden genutzt, um alle Systeme zu kalibrieren und die Parameter optimal einzustellen“, erklärte Wang Chi, CAS-Akademiker und Direktor des National Space Science Center (NSSC). Er ist zugleich chinesischer Hauptforscher des SMILE-Satellitenprogramms.
Von den vier Nutzlasten wird eine von der europäischen und drei von der chinesischen Seite betrieben. Gemeinsam werden sie einen umfassenden Satz georäumlicher Parameter erfassen.
„Die Echtzeit-Beobachtung vor Ort ist von unschätzbarem Wert,“ sagte Philippe Escoubet, Projektwissenschaftler der SMILE-Mission bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. „In Europa müssten wir auf Remote-Lösungen zurückgreifen, ohne die Möglichkeit direkter Gespräche. Aber gerade die Diskussion ist essenziell, denn Probleme lassen sich im Gespräch oft am besten lösen. Deshalb ist es so wertvoll, die Teams zusammenzubringen – chinesische und europäische Ingenieure tauschen sich eng aus, um Herausforderungen gemeinsam zu meistern.“
Der Satellit verfügt über ein hochempfindliches Magnetometer, das die Magnetfelder des Sonnenwinds und der Erde messen soll.
„Der Satellit selbst führt elektrische Ströme, die störende Magnetfelder erzeugen. Wenn der Sensor zu nahe am Raumfahrzeug angebracht wäre, könnten wir nicht unterscheiden, ob die Messwerte vom Satelliten oder vom tatsächlichen Erdmagnetfeld stammen. Deshalb verwenden wir einen Ausleger, um ihn weit vom Raumfahrzeugkörper entfernt zu positionieren“, so Wang weiter.
„Wir wollen wissen, wie die Sonne die Erde beeinflusst. Manchmal gibt es große Eruptionen auf der Sonne, die große Plasmawolken zur Erde schicken. Und das kann Auswirkungen auf unser tägliches Leben haben. Zum Beispiel kann GPS ungenau sein, und ein großes Weltraumwetterereignis kann auch die Stromversorgung beeinträchtigen. Unser Ziel ist es, mit SMILE und weiteren Missionen solche Vorfälle frühzeitig zu erkennen, die Bevölkerung zu warnen und Stromleitungen sowie Infrastrukturen zu schützen, um Wiederholungen zu verhindern,“ fügte Escoubet hinzu.
Das wissenschaftliche Kernziel der SMILE-Mission ist die erstmals globale Bildgebung der Sonnenwind-Magnetosphären-Wechselwirkung, von der Eintragung bis zum Abbau der Energie im erdnahen Raum. Dazu nutzt der Satellit ein bahnbrechendes Design: den weltweit ersten weltraumgestützten Röntgenweichstrahl-Bildgeber (SXI), der die bisher unsichtbare Magnetosphärengrenze sichtbar macht. Ergänzt wird SMILE durch einen UV-Aurora-Bildgeber (UVI), einen Leichtionen-Analysator (LIA) und ein Magnetometer (MAG). Dieses System kombiniert globale Bildgebung mit lokalen In-situ-Messungen und eröffnet damit völlig neue Einblicke in Weltraumwetterprozesse wie magnetische Stürme und Substürme.
