Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Von Oliver Eschke
Nicht nur bei winterlichen Temperaturen im schweizerischen Davos, sondern auch bei heißem Wetter im nordostchinesischen Dalian kommt die weltweite Wirtschafts- und Politikelite zusammen. In diesen Tagen wird in China wieder einmal deutlich, wie wichtig das Land dafür ist, der Weltwirtschaft Vertrauen und Stabilität zu verleihen.
Das Foto zeigt eine Außenansicht vom Dalian International Conference Center, dem Veranstaltungsort des „Sommer-Davos“ 2026. (22. Juni 2026, Xinhua)
Das aktuelle „Sommer-Davos-Forum“ – offiziell das „Annual Meeting of the New Champions“ des Weltwirtschaftforums (WEF) – fand vom 23. bis 25. Juni in Dalian in der nordostchinesischen Provinz Liaoning statt. Unter dem Motto „Innovating at Scale“ versammelten sich mehr als 1700 Führungskräfte, Unternehmer, Wissenschaftler und Politiker aus über 90 Ländern und Regionen in der Küstenstadt. Im Mittelpunkt des seit 2007 existierenden Treffens stand die Frage, wie Innovation, Digitalisierung und neue Technologien das globale Wachstum beleben können.
Das Forum sendete eine klare Botschaft: Während viele Volkswirtschaften mit geopolitischen Spannungen, Protektionismus und schwachem Wachstum kämpfen, präsentiert sich China als wichtiger Impulsgeber für Innovation, Handel und wirtschaftliche Stabilität.
Kein Schock, sondern neue Chancen!
Besonders deutlich wird dies in den Diskussionen über künstliche Intelligenz (KI), Elektromobilität, Batterietechnologien und industrielle Digitalisierung. China hat in diesen Bereichen in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt und verfügt über einen riesigen Binnenmarkt, der neue Technologien schnell skaliert. Das diesjährige Forum widmete sich deshalb intensiv der Frage, wie technologische Innovationen weltweit produktiver genutzt werden können.
Der chinesische Ministerpräsident Li Qiang betonte in seiner Eröffnungsrede, Chinas technologische Entwicklung sei keine Bedrohung, sondern eine Chance für die Welt. Er wandte sich gegen das in Teilen des sogenannten Westens verbreiteten Narrativs eines „China Shock 2.0“ und kontrastierte dies mit einer „China Opportunity 2.0“ (China-Chancen). „Für die globale Entwicklung bedeutet ‚China Opportunity 2.0‘ einen breiteren Zugang zu fortschrittlichen Technologien und eine weiter verbreitete Teilhabe an den Entwicklungsgewinnen“, sagte Li. Ihm zufolge steht „China Opportunity 2.0“ für Unternehmen weltweit für umfassende innovationsgetriebene Ermächtigung und renditestarke Investitionsmöglichkeiten.
„China Opportunity 2.0“ steht somit nicht nur für ein theoretisches Versprechen, sondern spiegelt sich in zügig umgesetzten politischen Maßnahmen wider. Beispielsweise hat die chinesische Regierung am Montag das „Aktionsprogramm für die Nutzung ausländischer Investitionen zur Festigung und Förderung der stabilen Entwicklung“ veröffentlicht. Zu den Maßnahmen gehören die Optimierung der Verwaltungsprozesse für Fusionen und Übernahmen mit Auslandsbeteiligung, die Förderung von Reinvestitionen ausländischer Unternehmen in China sowie die aktive Unterstützung bei der Errichtung von Forschungs- und Entwicklungszentren ausländischer Investoren. Dieses Papier demonstriert Chinas klaren Willen, den Marktzugang zu erweitern, die ausländischen Investitionen zu erleichtern und das Geschäftsumfeld für ausländische Unternehmen weiter zu optimieren.
Internationale Experten loben China
Auch die Organisatoren des Forums sahen China als wichtigen Bestandteil künftiger Wachstumsmodelle. Das WEF verwies darauf, dass die Veranstaltung gezielt die wirtschaftliche Entwicklung Chinas und Asiens beleuchte, weil diese Regionen zunehmend die Dynamik der Weltwirtschaft prägten. Der renommierte Wirtschaftshistoriker Adam Tooze sprach sogar von einer „neuen Epoche der Transformation“, die maßgeblich durch technologischen Fortschritt und unternehmerische Innovation geprägt werde.
Viele Teilnehmer betrachteten China zudem als einen der wenigen großen Märkte, in denen neue Technologien unmittelbar in großem Maßstab getestet und eingeführt werden können. Aufgrund der außergewöhnlichen Dynamik und des schnellen Innovationstempos wurde China von Experten wie Jörg Wuttke (ehemals BASF-China) mittlerweile häufig als „Fitnesscenter” bezeichnet, in dem sich Unternehmen für die weltweiten Märkte fit machen. Die Kombination aus industrieller Infrastruktur, Forschungsausgaben und Marktgröße macht das Land für internationale Unternehmen weiterhin attraktiv. Diskussionen über Energieversorgung für KI-Anwendungen, die grüne Transformation und digitale Industrien zeigten, dass China heute nicht nur Produktionsstandort, sondern zunehmend Innovationszentrum ist.
Das Sommer-Davos-Forum 2026 machte also deutlich, dass China trotz wirtschaftlicher Herausforderungen ein zentraler Akteur der Weltwirtschaft bleibt. Die hohe internationale Beteiligung, die Fokussierung auf Zukunftstechnologien und die intensive Debatte über globale Wachstumschancen zeigten, dass viele Entscheidungsträger China weiterhin als wichtigen Partner für Innovation, Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung betrachten. Gerade in einer Zeit zunehmender Unsicherheit wurde Chinas Fähigkeit, neue Technologien schnell zu entwickeln und in großem Maßstab einzusetzen, von vielen Teilnehmern als positiver Beitrag zur globalen Wirtschaftsdynamik gesehen.
Das diesjährige Sommer-Davos-Forum in Dalian sendete daher ein wichtiges Signal: Trotz globaler Herausforderungen gibt es weiterhin starke Kräfte für Innovation, Investitionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit. China trägt mit seiner wirtschaftlichen Stabilität, seiner technologischen Dynamik und seiner Offenheit für internationalen Austausch dazu bei, Vertrauen in die Weltwirtschaft zu stärken und neue Perspektiven für gemeinsames Wachstum zu eröffnen.
Der Autor ist langjähriger Ostasienexperte, war lange Jahre für internationale und chinesische Organisationen tätig und arbeitet nun als freier Journalist in China. Die Meinung des Autors spiegelt die Position unserer Webseite nicht notwendigerweise wider.
