Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Von Oliver Eschke
In diesem Juni feiert die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) ihr 25-jähriges Jubiläum. Was im Jahr 2001 als Zusammenschluss von sechs Staaten zur Vertrauensbildung und Stabilisierung gemeinsamer Grenzregionen begann, hat sich innerhalb eines Vierteljahrhunderts zu einer der bedeutendsten regionalen Organisationen der Welt entwickelt. Die SOZ ist ein perfektes Beispiel dafür, wie im gemeinsamen Miteinander Wohlstand und Harmonie geschaffen werden können.
Die SOZ entstand in einer Zeit großer geopolitischer Veränderungen. Die Gründungsmitglieder China, Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan setzten bewusst auf den sogenannten „Shanghaier Geist“ – gegenseitiges Vertrauen, gegenseitigen Nutzen, Gleichberechtigung, Konsultation, Respekt vor der Vielfalt der Kulturen und das Streben nach gemeinsamer Entwicklung. Diese Prinzipien bilden bis heute das Fundament der Organisation. Sie haben dazu beigetragen, historische Spannungen abzubauen und ein belastbares Netzwerk regionaler Zusammenarbeit zu schaffen.
Besonders bemerkenswert sind die Erfolge der SOZ im Bereich der Vertrauensbildung und Sicherheit. Wie der renommierte Analyst Dmitri Trenin anlässlich des 25-jährigen Jubiläums hervorhebt, habe die Organisation entscheidend dazu beigetragen, Vertrauen zwischen Staaten aufzubauen, die Sicherheit zu stärken und die wirtschaftliche Entwicklung in Eurasien zu fördern. Aus einem Mechanismus zur Grenzsicherung entwickelte sich eine umfassende Plattform für die Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung, der Bekämpfung von Extremismus und grenzüberschreitender Kriminalität sowie bei Fragen der regionalen Stabilität.
Eine Einwohnerin macht während des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) 2025 in Tianjin ein Selfie vor dem Logo der Organisation. (Foto: Xinhua)
Heute umfasst die SOZ zehn Mitgliedstaaten: Neben den bereits genannten Ländern kamen Indien, Pakistan, Iran und Belarus hinzu. Darüber hinaus verfügt sie über Beobachterstaaten und zahlreiche Dialogpartner. Zusammen repräsentieren die Mitgliedstaaten rund 42 Prozent der Weltbevölkerung und etwa ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung. Damit ist die SOZ eine der größten regionalen Organisationen der Welt.
Neben der Sicherheit hat sich die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu einer tragenden Säule der Organisation entwickelt. Besonders eindrucksvoll ist die Entwicklung des Handels: Das Handelsvolumen zwischen China und den übrigen SOZ-Mitgliedern stieg seit der Gründung der Organisation um mehr als das 40-Fache und erreichte im Jahr 2024 einen Wert von 512,4 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig wurden Investitionen in digitale Wirtschaft, Infrastruktur und grüne Entwicklung deutlich ausgeweitet.
Eine zentrale Rolle in dieser Entwicklung spielt China. Als Gründungsmitglied und größte Volkswirtschaft der Organisation hat China die institutionelle Entwicklung der SOZ maßgeblich unterstützt und wichtige Impulse für ihre Modernisierung gesetzt. Präsident Xi Jinping betont seit Jahren die Bedeutung des „Shanghaier Geistes“ und ruft dazu auf, die Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Entwicklung und zwischenmenschlicher Austausch weiter zu vertiefen. Auf diese Weise könne der Verbund eine entscheidende Rolle bei der Verwirklichung der Global Governance Initiative spielen.
Darüber hinaus hat China zahlreiche Initiativen eingebracht, die weit über klassische Sicherheitsfragen hinausgehen. Dazu zählen die Förderung regionaler Konnektivität im Rahmen der Seidenstraßen-Initiative, die Unterstützung gemeinsamer Infrastrukturprojekte, die Zusammenarbeit bei Digitalisierung und Innovation sowie Programme für Bildung, Landwirtschaft und kulturellen Austausch. Die mehr als 110.000 Fahrten des China-Europa-Express bis Mitte 2025 verdeutlichen die wachsende wirtschaftliche Vernetzung innerhalb des eurasischen Raumes.
Im September 2025 unterstrich Xi bei einem SOZ-Treffen in Tianjin noch einmal dezidiert, wie der Zusammenschluss auch kleineren Ländern eine lautere Stimme verleiht: „Im Einklang mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Fairness haben sich die SOZ-Mitgliedstaaten konstruktiv in internationale und regionale Angelegenheiten eingebracht und die gemeinsamen Interessen des Globalen Südens gewahrt.“
Gerade in einer Zeit zunehmender geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheiten und globaler Herausforderungen gewinnt die SOZ weiter an Bedeutung. Ihr Ansatz basiert nicht auf Konfrontation oder Blockbildung, sondern auf Dialog, Konsens und gegenseitigem Respekt. Dadurch bietet sie ihren Mitgliedern eine wichtige Plattform zur friedlichen Konfliktbewältigung und zur Förderung gemeinsamer Interessen.
Nach 25 Jahren kann die SOZ auf eine bemerkenswerte Bilanz zurückblicken. Sie hat Vertrauen geschaffen, regionale Sicherheit gestärkt und neue Perspektiven für wirtschaftliche Entwicklung eröffnet. Angesichts ihrer Größe, ihrer wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung und ihrer Fähigkeit, unterschiedliche politische und kulturelle Systeme an einen Tisch zu bringen, bleibt die SOZ ein wichtiger Stabilitätsfaktor in Eurasien.
Chinas aktive Rolle und seine Initiativen haben wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen und werden auch künftig entscheidend dafür sein, dass die Organisation ihren Beitrag zu Frieden, Sicherheit und gemeinsamem Wohlstand in der Region weiter ausbauen kann.
Der Autor ist langjähriger Ostasienexperte, war lange Jahre für internationale und chinesische Organisationen tätig und arbeitet nun als freier Journalist in China. Die Meinung des Autors spiegelt die Position unserer Webseite nicht notwendigerweise wider.
