Source: People’s Republic of China – State Council News in German
In Shanghai setzte sich der italienische Jugendliche Federico Vuka hin, um sich den diesjährigen chinesischen Sommer-Blockbuster „Dear You“ anzuschauen. Er hoffte, lokales Geschichtenerzählen und Emotionen durch die Augen eines Ausländers erleben zu können.
Er stellte fest, dass chinesische Filme in den letzten Jahren weltweit das Publikum berührt haben. Er wollte deshalb einen Film sehen, der echte lokale Emotionen widerspiegelt.
Der am 30. April veröffentlichte Film im Chaoshan-Dialekt traf mit seiner feinfühligen Darstellung alltäglicher Liebe einen Nerv beim Publikum. Mit einer weitgehend unbekannten Besetzung konzentriert sich „Dear You“ auf die Tradition der „Qiaopi“-Briefe und -Geldüberweisungen, die von Überseechinesen im 19. und 20. Jahrhundert nach Hause geschickt wurden. Diese dienen im Film als emotionaler roter Faden, der die Charaktere verbindet.
Nach der Vorführung sagte Federico, er sei weniger von dramatischen Wendungen als vielmehr von der zarten Darstellung gewöhnlicher Liebe bewegt worden. Er fügte hinzu, dass ihn der chinesische Titel des Films, „Love Letters to Grandma“ (Liebesbriefe an Oma), an seine Kindheit und die unausgesprochene Liebe erinnerte, die tief im Herzen bleibt.
„Oftmals werden die Worte, die wir unserer Familie nicht sagen können, irgendwann zu Stille. Wir denken immer, dass wir es ihnen beim nächsten Mal sagen können, wenn wir nach Hause kommen. Aber dieser Film hat mir das Gefühl gegeben, dass manche Liebe, wenn sie zu lange unausgesprochen bleibt, vielleicht eines Tages nur noch als Brief existiert“, sagte er.
Federico sagte weiter: „Es hat mich auch an meine Familie denken lassen und an den weichen Teil meines Herzens, den ich seit meiner Ankunft in Shanghai verborgen halte. Wenn man lange Zeit von zu Hause weg ist, wird man immer unabhängiger. Aber tief im Inneren gibt es immer einen Platz, der für die Heimat reserviert ist“, sagte er.
Während die 28. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals der Stadt (SIFF) im Gange ist, summen die neonbeleuchteten Straßen vor Aufregung. Das vom 12. bis 21. Juni stattfindende Filmfestival entführt die Zuschauer auf eine rasante Reise durch ein Jahrhundert chinesischer Filmgeschichte und sorgt für eine Achterbahn der Gefühle.
Für Federico ist das Filmfestival in Shanghai mehr als nur eine Schau – es ist eine willkommene Pause in seinem schnelllebigen Leben.
„Ich denke, das Besondere an einem Filmfestival ist nicht nur, dass wir viele gute Filme sehen können. Noch wichtiger ist, dass es uns erlaubt, in unserem sehr schnellen Leben wieder langsamer zu werden und wieder etwas zu fühlen. In Shanghai jagen wir jeden Tag dem Leben, den Träumen und der Zukunft hinterher. Aber manchmal erinnert uns ein Film daran, zurückzublicken: auf die Menschen, die wir geliebt haben, und auf die Menschen, die wir auf unserem Weg geworden sind“, sagte er.
